Altar of Perversion - Intra Naos

Review

Das italienische Duo ALTAR OF PERVERSION ist noch relativ unbekannt in äußeren Black-Metal-Kreisen, im eingeschworenen Zirkel konnte „From Dead Temples (Towards the Ast’ral Path)“ (2001) allerdings schon durchaus den ein oder anderen begeistern. Etwas über die Band herauszufinden ist schwierig … es existiert keine offizielle Internetpräsenz, kein Facebook, nicht einmal eine eigene Bandcampseite. Fast 17 Jahre später steht mit „Intra Naos“ das zweite vollwertige Album an. Und das hat es in sich: Doppel-CD, 114 Minuten rauer, dreckiger Black Metal, nur sechs Songs. Songlängen von dreizehn bis fünfundzwanzig Minuten lassen schon erahnen: Sitzfleisch muss mitgebracht werden.

Eine weitere intrissante FunFect ist, dass in 432 Hertz aufgenommen wurde (wie etwa MELECHESH das auf „Enki“ auch schon gemacht haben). Heutige Tonträger haben meist den 440-Hertz-Standard. Innerhalb der Musikszene ist das seit Jahren ein großes Argument, was denn nun besser ist und klingt, da auch viele ältere Platten ursprünglich mit 432 Hertz aufgenommen worden sind und denen ja oft ein gewisser Charme nachgesagt wird. Nach ALTAR OF PERVERSIONs Aussage wurde sich drauf geeinigt, weil die längere Wellenlänge einen „reicheren, wärmeren Sound“ produziert und das dann resoniert mit der höheren astralen Ebene, Verweise auf pythagoräische Nummernrätsel in Bezug auf Tonwert-Verhältnisse, Esoterik-Blabla, fertig. Diese wissenschaftlich wahrscheinlich nicht haltbaren Behauptungen mal beiseite, was kann denn nun „Intra Naos“? Nimmt man die 432 Hertz auch wahr?

ALTAR OF PERVERSION bieten eine zu lange Laufzeit und zu wenig Abwechslung auf „Intra Naos“

Kurze Antwort: Nö, nicht wirklich. Lange Antwort: Glücklicherweise schaffen es ALTAR OF PERVERSION, ein paar Tempowechsel einzubringen, denn ansonsten wäre die Melange aus genretypischem Geschrammel, dissonanten und leicht schrägen Riffs und dem gelegentlichem Abdriften in Midtempo über zwei Stunden auch schwer auszuhalten.  Für eine EP wäre so etwas durchaus brauchbar, über zwei Stunden malträtiert man damit eher den Hörer. Stimmlich ist Frontmann Calus irgendwo in der Nähe von Abbath auf alten IMMORTAL-Werken anzusiedeln, also ein typisch krächzender, aus der Kehle kommender Gesang. Der sich über die zwei Stunden hinweg kein Stück ändert. Textlich widmet man sich laut Eigenaussage dem Satanismus aus der Ecke des ONA (Order of the Nine Angels), allerdings liegen mir leider keine Texte vor.

Aber zurück zum Musikalischen: Das könnte durchaus ordentlich, wenn auch nicht sonderlich originell sein, wenn man sich mal straffen würde und seine Ideen nicht kaugummiartig ausdehnen würde. Manche Parts sind sehr gut, so das unheilsame Outro in „She Weaves Abyssal Riddles and Eorthean Gates“ beispielsweise. Das enthält einfach alles, was einfach gewisse Schlüsselelemente  im Black Metal für mich sind: monotone Tremolo-Riffs, eine kalte Atmosphäre zum Schneiden, eine gewisse Trance induzierend. Schade, dass der Rest nicht ansatzweise mitkommt und einfach beliebig und generisch wirkt. Eine ganze EP in dem Stil könnte in einem Song hier unterkommen. Dadurch, dass so etwas wie klassische Songstrukturen fehlen, gibt es nichts, woran man sich irgendwie festhalten kann, es ist ein chaotischer Brei. Nun habe ich grundsätzlich nichts gegen Chaos einzuwenden, gerade auch nicht im Black Metal, aber dann sollte es  schon interessant sein und Atmosphäre erzeugen. Passiert hier beides nicht. Man hört quasi sechsmal das gleiche hintereinander weg. Kennste einen, kennste alle. Und das reicht dann auch.

Musikalisch wildert man in klassischem, teilweise melodiösem Black Metal, lässt aber auch mal dissonantes Riffing einfließen. Referenzen zu NIGHTBRINGER und DARK FUNERAL können in Ansätzen gegeben werden, die Klasse genannter Bands wird dabei jedoch nie erreicht. Die einzelnen Tracks sind durchaus solide, allerdings so schon deutlich zu lang und mit viel Potential nach oben. Als zweistündiges, aufgeblasenes Monstrum ist „Intra Naos“ dann doch durchaus verzichtbar. Investiert eure Lebenszeit besser wo anders, im Zweifel in besserer Musik. ALTAR OF PERVERSION würde ich eine „Ego-Dissolution“ verordnen und einen Abspeckplan, dann kann in Zukunft da vielleicht mal was raus werden.

15.04.2018

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