Dark Funeral - Where Shadows Forever Reign

Review

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DARK FUNERAL veröffentlichen nach sieben Jahren ihr sechstes Studioalbum

Fischt der Black Metal, zumindest in Bezug auf bekanntere Bands, aktuell in seichteren Gefilden? Schon die letzten Alben von 1349, RAGNAROK und GORGOROTH agierten im Vergleich zu früheren Werken mit einem Maulkorb. Natürlich ist das keine ernst gemeinte Theorie, aber auch „Where Shadows Forever Reign“, das sechste Album von DARK FUNERAL, wirkt insgesamt zahmer und langsamer. Wirkt? Es IST deutlich bedachter im Umgang mit Tempo, Up-Tempo und Hochgeschwindigkeit. Stattdessen orientiert man sich gerne an dem, was aktuell in aller Ohren ist: dominante Moll-Leads wie im Hause MGLA und Konsorten (zuletzt haben es UADA aus den USA eindrucksvoll so umgesetzt). Schon der erste Song unterstützt diese These mit seiner prägnanten Leadgitarre. Auch der Einstieg will eher durch Erhabenheit überzeugen, als mit den Nieten voraus direkt in die Vollen zu gehen. Klar, auch der Beginn von (beispielsweise) „Stigmata“ vom Vorgängeralbum ist kein Offensivangriff, doch in genau diesen gingen die Songs in der DARK-FUNERAL-Vergangenheit meist über. Wer sich jetzt schon auf den Knien befindet, um den Blastbeat-Teufel anzubeten, er möge doch bitte wieder ein paar Knüppel ins Bandlager der Schweden schmuggeln, kann getrost aufstehen. Auch „Where Shadows Forever Reign“ knüppelt, nur eben ausgewählter.

Gelungene Mischung aus schnellem Black Metal und finsterem Midtempo

Diese Mischung macht es dann aber auf Dauer. Auch im zweiten Lied „As One We Shall Conquer“ funktioniert die Melange aus klirrend schwedischem Black Metal und ohrzahmeren Passagen, in denen die Gitarren auf etwas weniger Verzerrung zu tieferen Growls durch die Dunkelheit geleiten.

Begegnet man „Where Shadows Forever Reign“ mit dem Gedanken, sich mal wieder prächtig verhauen zu lassen, kann sich anfangs durchaus etwas Unmut einschleichen. Spätestens beim dritten Durchgang sollten aber auch Bleifuß-Fanatiker erkennen, dass sich DARK FUNERAL ein paar sinnvolle Gedanken mehr in Richtung Abwechslung gemacht haben. „As I Ascend“ folgt diesem Schema ebenfalls, ersetzt die Growls aber durch clean gesprochene Vocals.

Apropos Vocals: Inzwischen liegt der Abgang von Emperor Magus Caligula schon eine Weile zurück, und der neue Mikro-Fürst Heljarmadr konnte vor allem live einige Male begutachtet und bewertet werden – nicht immer positiv. Auf einem Studioalbum funktioniert seine Stimme deutlich besser, auch wenn die Shagrath-Intonation nicht zu überhören ist.

„Where Shadows Forever Reign“ lässt sich am ehesten mit „The Secrets Of The Black Arts“ vergleichen

Und während man so durch die Finsternis wandert, begegnet man auch einem Lied wie „Temple Of Ahriman“, das zu keiner Sekunde aus dem Midtempo ausbricht. Stattdessen wechselt die Nummer zwischen Tremolo-Picking und ausufernden Melodieparts, streut keine Blastbeats ein, sondern forciert die Doublebass – und mutiert dabei zu einem der interessantesten Songs auf „Where Shadows Forever Reign“.

Keine Sorge, schon der Nachfolger „The Eternal Eclipse“ orientiert sich wieder mehr am gängigen DARK-FUNERAL-Sound, lässt es sich aber auch nicht nehmen, Elemente einzubinden, die von ebendiesem abweichen. Der am Ende platzierte und primär durch starke Harmonien überzeugende Titelsong kann getrost als Hit bezeichnet werden. Also ja, es ist wahrlich spannend, das neue Werk des vermummten Schweden-Zirkels.

Vermummt? Ein Blick aufs neue Cover: Diese Kapuzenkluft kennt man doch. Und auch die Farbgebung. Das schreit förmlich nach einer bewussten Entscheidung, denn auch hinsichtlich der musikalischen Grundausrichtung und der Struktur der einzelnen Lieder lässt sich das neue Album am ehesten mit dem Debüt „The Secrets Of The Black Arts“ vergleichen. Die Distanz, die allein optisch zu den feuerroten Alben „Diabolis Interium“, „Attera Totus Sanctus“ und „Angelus Exuro Pro Eternus“ entsteht, manifestiert sich auch in der Produktion, denn die Drums klingen bei Weitem nicht mehr so mechanisch.

Alles in allem haben DARK FUNERAL mit „Where Shadows Forever Reign“ eines ihrer stärksten Alben inklusive Rückbesinnung veröffentlicht, das jedoch bei allen, die die jüngeren Werke schätzen, möglicherweise erst nach mehreren Versuchen zündet.

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11.06.2016

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4 Kommentare zu Dark Funeral - Where Shadows Forever Reign

  1. Andreas sagt:

    Für mich eine glatte 10.
    Das rockt einfach total. Und ich steh auf die Abwechslung. Muss ja nicht immer von vorne bis hinten durchrattern.

    10/10
  2. Andreas sagt:

    Super Scheibe, die Aufmachung das Cover und das ganze Drumherum vom Digipak alles perfekt. Einzig mit To Carve another wound kann ich mich persönlich noch nicht so 100% anfreunden. Nach der für mich etwas schwächeren Vorgänger Scheibe wieder ein gelungenes Dark Funeral Album, welches für mich nur minimalst schwächer als Vobiscum Satanas oder The secrets of the black arts ist.
    Freu mich schon auf die Tour im Herbst.

    9/10
  3. Bluttaufe sagt:

    Hätte nie gedacht, dass die Scheibe so unglaublich rockt. „Attera Totus Sanctus“ hinkte dem Meilenstein „Diabolus Interium“ hinterher und „Angelus…“ war für mich nur noch Stangenware. Wobei die CD auch gut knüppelt.
    Das Tempo ist gezügelter, dafür ist die Atmosphäre um einiges beklemmender…und endlich mal ein organisch klingender Drumsound.

    9/10
  4. Flint sagt:

    Ein großartiges Album und eine würdige Rezension! Mir gefällt die Arbeit von Dark Funeral auf diesem Album sehr gut, genau die richtige Mischung ohne aufgesetzt zu wirken. Ein Meilenstein ist es meines Erachtens nicht, aber ein dennoch eine fantastische Veröffentlichung, für die man gerne einen Betrag hinblättert.

    8/10