Apocryphal Revelation - Primeval Devilish Wisdom

Review

„Primeval Devilish Wisdom“ von APOCRYPHAL REVELATION ist ein sehr seltsames Album. Damit ist eigentlich alles gesagt, aber ich werde nun trotzdem ein paar hundert Worte aufwenden, um das näher zu erläutern.

Im Kern findet sich hier relativ primitiver Black Metal, dessen Einflüsse irgendwo zwischen HELLHAMMER, frühem norwegischem Black Metal und frühem US-Black Metal liegen, mit einer stellenweise durchscheinenden, rotzigen Black’n’Roll-Kante. Das ist durchaus kompetent gemacht, ist aber sicher kein Album, auf das die ganze Welt mit angehaltenem Atem gewartet hat. Spaß macht es die meiste Zeit trotzdem.
Auf den ersten Blick spielen APOCRYPHAL REVELATION also Black Metal ohne große Experimente, doppelten Boden oder okkult-orthodoxen Überbau. Hier wird einfach heiter blasphemische Musik unters Volk gebracht, simpel — aber ehrlich.

APOCRYPHAL REVELATION schwingen (unter anderem) den HELLHAMMER …

In den Metal Archives sind drei Gitarristen für die Band gelistet, aber aufgrund der gewollt scheppernden Produktion hört man davon vergleichsweise wenig. Was nicht heißen soll, dass die Gitarrenfraktion nicht durchaus das ein oder andere schöne Riff aus dem Ärmel schüttelt, im Gegenteil. Das Drumkit scheppert sich im Hintergrund durchs Gemüse, und Sänger Master of Graveyard Torment grunzt sich heiser-kehlig die Stimmbänder raus. Dabei liegt soviel Hall auf der Stimme, dass ich nicht sicher bin, ob das Album nicht in einer Höhle aufgenommen wurde. Czernobog spielt Bass, und er ist ein integraler Bestandteil der Band, sofern er immer Bier mit in den Proberaum bringt, denn im Sound taucht er nicht auf.

Eigentlich also sind hier alle Zutaten vorhanden, um ein kurzweiliges Black-Metal-Album für Zwischendrin zu haben, zum Beispiel beim Autofahren oder Bügeln; die Songs ballern straight nach vorne, nehmen nur selten den Fuß vom Gas und atmen den Geist der frühen Szene. Je nach persönlichem Gusto mag das hart an der Grenze der (Selbst-)Parodie sein — so die Pseudonyme der Musiker oder die Songtitel („Poisoned Blood of the Redeemer“). Und es gibt auch immer wieder große Momente, wie beim Rausschmeißer „Graveyard“, ein wunderbar boshafter Track, der noch einmal eindrucksvoll beweist, wie böse auch vergleichsweise simpler Black Metal sein kann.

… machen aber leider keine Nägel mit Köpfen

Aber dann sieht man auf der Trackliste, dass einige der Lieder unter einer Minute lang sind und andere an der Sieben-Minuten-Grenze kratzen. APOCRYPHAL REVELATION haben nämlich beschlossen, ihre wilde Fahrt quer durch das eiskalte Zentrum der Hölle alle paar Minuten durch Orgelgeklimper (u.a. „Primeval Devilish Worship“, „Death of the Savior“, „Poisoned Blood of the Redeemer“) oder akustische Instrumentalstücke („Hecate“, „Dreams of Beyond“) zu unterbrechen, und damit das ganze Tempo, die ganze Stimmung, die sich aufgebaut hat, völlig zu vernichten. Die Interludes existieren ohne innere Kohärenz neben einem wirklich unterhaltsamen Black Metal-Album.

Und ich verstehe wirklich nicht, was das soll. Ich sitze seit einer Woche vor dieser CD und versuche zu begreifen, warum die Jungs beschlossen haben, den Fluss ihres Albums zu unterbrechen, um Platz für diesen völlig deplatzierten Schwachsinn zu schaffen. Vor allem, weil andere Ideen dadurch notwendigerweise zu kurz kommen. Denn mit „Wickedness“ und „Invocation“ sind zwei Tracks dabei, die auch aus dem Muster fallen, aber im Kontext des Albums funktionieren: Der eine ein arschcooles Instrumental und der andere ein experimenteller Black-Metal-Song, von dem ich mir gewünscht hätte, er wäre mehr als nur ein zweiminütiges Interlude.

Also warum nicht mehr davon machen, oder einfach eine halbe Stunde fröhlich den Friedhof unsicher machen? So fühlt es sich ein bisschen an, als würde man mit dem Tod auf einem Motorrad unter einem blutroten Vollmond den Highway runter rasen, aber alle fünf Minuten anhalten, weil der Grimme Schnitter an einen Kaktus pinkeln muss. Insofern kann das Endresultat dann auch nur lauten: „Primeval Devilish Wisdom“ ist ein sehr seltsames Album, bei dem Fans von oldschooligem Black Metal aber trotzdem mal ein Ohr riskieren sollten. Und eventuell einfach die ganzen Interludes aus der Trackliste löschen.

Review von Bernhard Rübenthal

22.10.2020

Der metal.de Serviervorschlag

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