Black Sun Aeon - Routa

Review

Galerie mit 30 Bildern: Black Sun Aeon - Rockharz Open Air 2012

Eigentlich hätte ich mir die Arbeit dieses Review zu schreiben fast sparen können: wenn ich an meine letzten Sätze zum fast exakt vor einem Jahr erschienenen Vorgänger des neusten Outputs „Routa“ von Tuomas Saukkonens Projekt BLACK SUN AEON denke, dann hat sich im kalten finnischen Winter eigentlich fast nichts geändert. Wenn denn das Wörtchen fast nicht wäre: offensichtlich war der Winter nicht nur hier in Deutschland vergleichsweise hart und lang, nein, auch im Mutterland der kalten Jahreszeit scheint Saukkonen eine ganze Menge Zeit im warmen Stübchen verbracht zu haben. Anstatt von 44 Minuten kommt „Routa“ heuer als Doppelkonzeptalbum mit fast 80 Minuten schneeflockengleich ins Haus geflattert und wartet mit der ein oder anderen Überraschung auf. Hilft also nichts, rein in die Winterstiefel und ab in die kalte finnische Tundra.

Das ich hier mehrfach die Analogie zu Winter und kaltem Wetter suche kommt nicht von ungefähr: noch immer klingt BLACK SUN AEON düster und schwer, kalt und ungemütlich, stellenweise kristallklar und majestätisch. Auch textlich lässt sich Saukkonen voll von Väterchen Frost inspirieren: „Routa“ bedeutet nichts anderes als Bodenfrost. Aufgeteilt ist das Album diesmal in die beiden jeweils sieben Lieder starken Kapitel „Talaviaamu“ (Wintermorgen) und „Talviyö“ (Winternacht). Dabei handelt es sich, wie in der Einleitung schon ansatzsweise gestreift, nicht einfach nur um die doppelte Materialmenge, sondern um zwei verschiedene musikalische Interpretationen des Winters: Während sich „Talaviaamu“ vorallem in ruhigeren Gefilden aufhält, auf rhythmische Elemente setzt und sich in Melancholie suhlt, besticht „Talviyö“ mit aggressiverem, düsterem Soundgewand, Saukkonen liebäugelt hier intensiver als zuvor mit harten Black- und Death-Metal-Arrangements. Aber auch „Talaviaamu“ hat im Vergleich zu „The Darkness Walks Beside Me“ an Tempo zugelegt, gerade der Titelsong legt zwischenzeitlich ordentlich Tempo an den Tag.

Verloren geht dafür ein Teil der Melancholie, die das Vorgängeralbum noch ausgezeichnet zu transportieren verstand und es sind diese ausgezehrten und verzweifelt klingenden Passagen, die am Ende etwas fehlen. Neu dafür: ein weibliches Stimmdebüt bei „Dead Sun Aeon“, zusammen mit den edlen Gitarrenlinien und Keyboardklängen zeigen sie die schöne Seite des Winters, majestätische Anmut und weißer Glanz. Auch wenn „Tavaliaamu“ dadurch stärker an musikalisch Gleichgesinnte wie KATATONIA erinnert, ist es weder eindeutiger Verlust noch klarer Gewinn. „Routa“ verkörpert noch mehr unterschiedliches Stilwerk wie „Darkness Walks Beside Me“. Diese Anreicherung ist vorallem „Talviyö“ zu verdanken, was hier an atmosphärischer Spannung und Druck aufgebaut wird ist absolut bemerkenswert, das Gefühl von frostiger Gefährlichkeit passt dem Klanggewand wie angegossen.

So ist „Routa“ trotz der geringen zeitlichen Differenz zum Vorgänger kein einfacher Abklatsch, sondern vielmehr eine graduelle Evolution. Auch wenn die Meinungen zu diesem Schritt sicher geteilt ausfallen werden, man sich anderen Bands des Genres annähert und gleichzeitig aber noch mehr vielfältige Aspekte vereint, in meinen Augen ist Saukkonen mit „Routa“ ein hervorragender (Schneeball)Wurf gelungen. Ganz gleich ob man sich zurück lehnen, die Augen schließen und die Bilder des Winters im Kopf aufkeimen sehen möchte, oder einfach nur Wert auf sehr gute, kreativ gestaltete Musik legt. „Routa“ sollte nur die wenigstens enttäuschen. Ein Hoch auf Gevatter Frost!

28.03.2010

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