Bloodstain - Bloodstain

Review

BLOODSTAIN aus Stockholm benennen ihr erstes Album selbstbewusst nach sich selbst. Sie stellen sich damit in die Tradition großer Teenieväter (oder solcher in den frühen Zwanzigern) praktisch aller satisfaktionsfähigen Genres. Und was macht „Bloodstain“? Es wuchtet sein Banner unbekümmert, aber bereits ziemlich souverän in den durchaus dicht und prominent bevölkerten Raum zwischen melodischer Bay Area und NWOBHM. Auch im Hard Rock fühlt es sich temporär wohl.
Im Gesamteindruck eher Heavy Metal als Thrash legen BLOODSTAIN dabei erkennbar Wert auf die tragenden Säulen eines guten Metalsongs: einprägsame Riffs und Gesangslinien, zuverlässige Refrains, exponierte Soli und insgesamt durchdachte Arrangements. Songwriting geht hier im Zweifel vor Härte.

BLOODSTAIN schweben gen Bay Area

„Something Sinister“ beispielsweise klingt wie luftigere TESTAMENT oder METALLICA der frühen Neunziger inklusive Hetfield-Yeah und mit sehr geschmackvoll perlender Leadgitarre. Ähnlich gelagert ist das treibende „I Am Death“, der Titelsong der Einstands-EP aus dem Jahr 2024.
Und während BLOODSTAIN das sorgsam gerahmte Poster des „Black Albums“ weiter im Blick haben, hat „Lies Bleeding Through“ mit seinem mehrstimmigen Hintergrundgesang und der nicht einzufangenden Leadgitarre etwas von BLIND GUARDIAN, die auf dem Weg nach San Francisco im Übermut ein buntes, wenngleich gekürztes DRAGONFORCE-Solo einwerfen. Man darf sich ja auch mal etwas gönnen.
„Carved Into Stone“ ist gar eine lobenswerte Power-Ballade, die einen größeren Club mindestens 15 Jahre vor Geburt des ältesten BLOODSTAIN-Mitglieds zuletzt zum Armeschwenken verführt hätte. Beeindruckend ist auch der Beginn von „Conspiracy“: Auf ein „Hugh!“ folgen ein „Wooow!“ sowie „Hey! Hey!“-Gangshouts, bevor es richtig losgeht. Zu genießen ist nichts weniger als die heilige Dreifaltigkeit des Rock’n’Roll-Schlachtrufs in a Nutshell. Das ist auf engstem Raum Ausdruck von sowohl Liebe zum Detail als auch relevantem kontextuellen Wissen.

„Bloodstain“ ist gelungen

Danach geht es im genannten Stück offensichtlich um eine Verschwörung und einen „Contract“, der „signed in blood“ wird. Andere Song heißen „Lies Bleeding Through“ oder „Faceless Dealer“. Um Korn und Kopulation geht es BLOODSTAIN erkennbar nicht. Ob die Schweden reale Missstände benennen oder einer ganz geheimen Sache auf die Spur gekommen sind, lässt sich allerdings ohne die Lyrics vor der Nase nicht festhalten. Zumindest nicht mit den begrenzten Fähigkeiten des Rezensenten.
Anders verhält es sich mit Blick auf die Qualität von „Bloodstain“. Denn zweifelsfrei gilt: Die Platte ist gelungen. Mit BLOODSTAIN könnte in den nächsten Jahren tatsächlich etwas Größeres auf uns zukommen. Vielleicht wächst ihr Debüt in den nächsten Jahren gar selber noch.

18.09.2026

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