Cidesphere - Dawn Of A New Epoch

Review

Soundcheck November 2020# 17

Eine ‘neue Epoche’ leiten CIDESPHERE nicht unbedingt ein. “Dawn Of A New Epoch” klingt vielmehr rund 25 Jahre alt und wäre seinerzeit das ideale Bindeglied zwischen dem AT-THE-GATES-Meilenstein “Slaughter Of The Soul” und “Whoracle” von IN FLAMES gewesen. Zwischen diesen beiden Ahnen in der Galerie hängen zu dürfen, ist prinzipiell nichts Schlechtes und stellt sich doch als CIDESPHEREs größtes Problem heraus.

Der Klonversuch “Dawn Of A New Epoch” ist gelungen

Hätten sich AT THE GATES nie reformiert, könnte eine ganze Generation verdrossener Schweden-Death-Jünger “Dawn Of A New Epoch” als pure Offenbarung empfinden. Die offensichtliche Nähe zu den Vorbildern ist beim ersten Hördurchgang auch noch weit mehr als nur unterhaltsam. Dass aber viele Riffs und Arrangements so unverfroren ähnlich zu den genannten Klassikern sind, ist auf Dauer weniger liebevoller Tribut als ernstzunehmende Kunstfälschung. Bestes Beispiel ist der zweite Song “Plague Of Greed”, der wie ein thronwürdiger Bastard aus “Slaughter Of The Soul” und “Under A Serpent Sun” von AT THE GATES klingt.

Gleichermaßen muss allerdings betont werden: “Dawn Of A New Epoch” ist alles andere als schlecht. CIDESPHERE können spielen und ‘komponieren’ (vulgo: klauen) schlüssig. Die eingefangene Spielfreude steckt an und auf jedem Genre-Billing dürfte die Band aus Ankara einen Wahnsinns-Anheizer geben. Zudem wurde sich bei der Produktion ordentlich Mühe gegeben. Alles präzise, alles differenziert, alles organisch – da können sich einige von den ‘Großen’ gerne mal ’ne Scheibe von abschneiden. Da CIDESPHERE jedoch keinerlei Alleinstellungsmerkmal besitzen, ist es einfach viel schöner, zu den über Jahre hinweg lieb gewonnenen Klassikern zu greifen. Abgesehen davon kann Sänger Oral Akyol weder mit der giftigen Wut eines Tompa Lindberg (AT THE GATES), noch mit der tiefen Emotionalität von Mikael Stanne (DARK TRANQUILLITY) mithalten.

CIDESPHERE machen nichts Neues, aber das Alte sehr gut

Traut euch doch, Jungs! Wenn CIDESPHERE etwas mehr Eigensinn wagen würden, dann könnten sie bald ein wunderbares Oldschool-Melodic-Death-Highlight zustande bringen. So reicht’s leider nicht für die A-Klasse. Das soll aber nicht heißen, dass nicht alle, die neben den genannten Acts auch HYPOCRISY, DISMEMBER und EVOCATION schon zum Frühstück auflegen, hier mächtig Spaß haben können.

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06.11.2020

Redakteur

Der metal.de Serviervorschlag

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