Coppelius - Hertzmaschine

Review

Galerie mit 15 Bildern: Coppelius - Wave Gotik Treffen 2019

Zunächst einmal ein Geständnis: COPPELIUS machen nicht unbedingt meine Musik. Trotzdem habe ich mich todesmutig an das neue Album „Hertzmaschine“ gewagt und mich auch für das Steampunk-Konzept geöffnet.

Zugegeben wohlweißlich nicht allein, mein guter Freund Steffen war zur Unterstützung mit dabei. Erstaunlicherweise hatten wir dann bei Erklingen des ersten Songs „Tragisches Ende eines Luftschiffpiraten“ genau denselben Ausruf auf den Lippen: „Was für ein Scheiß!“ – und zwar mit unterschiedlicher Bedeutung. Mein erster Eindruck von der humoristisch-tragischen A-Capella-Nummer mit der Anfangszeile „Ein Tintenfisch, wie wunderlich, sprach Friederich und […]“ war eher negativ behaftet, während Steffen ziemlich drauf abging und mich die nächsten Tage damit piesakte. An dieser Stelle sei gesagt: die Dauerbeschallung brachte mich schließlich dazu, das ungewöhnliche Intro auf gewisse Weise zu mögen.

Denn so unterschiedlich unsere Auffassungen auch zu Beginn waren, so sehr glichen sie sich schließlich nach mehrmaligen Komplettdurchgängen „Hertzmaschine“. Das Album startet recht gut. „Der Luftschiffharpunist“ ist humoristisch, zu Beginn interessant gesungen, teilweise erinnert mich der Sänger vom Stil her an die Echse bei FERNGULLY, die Musik im Allgemeinen an den einen oder anderen Song der 80er. Das gilt auch für die kommenden Tracks. Wobei „Das Moor“ eine der stärksten Nummern ist, mit einem treibenden Rhythmus und viel Ohrwurm-Potential. Es folgen weitere gute Songs, die im doppelten Sinn in der genialen Nummer „Ein Experiment“ münden. Hier liegt ein musicalreifer lustiger Dialog zwischen einem Professor und einem Jungen vor, der zum Mitsingen animiert. Allerdings ist mit Track acht erst die Albummitte erreicht, ganze acht Nummern folgen noch. Was dabei vor allem auffällt ist ein Stilbruch. Kann man die erste Hälfte noch unter der Überschrift „Ironie“ zusammenfassen, wird es jetzt plötzlich ernst. Stücke wie das Volkslied „Es fiel ein Himmelstaue“ sind zwar schön vorgetragen und präsentiert, aber ich wusste an dieser Stelle nicht mehr, was die Band will. Handelt es sich um Herren des 19. Jahrhunderts, die aus ihrer Sicht über die heutige Zeit singen, dabei immer mit einem Augenzwinkern, oder aber sind diese Herren ernst zu nehmen und sie präsentieren klassische Stücke ihrer Zeit ganz ohne Humor. Eine Mischung muss eigentlich nicht unbedingt verkehrt sein, hier fehlt mir aber der Wiedererkennungswert, der COPPELIUS´ Stücke „typisch“ macht, wie es beispielsweise bei HARPYIE der Fall wäre (hier gelingt es, Modernität und Mittelalter glaubhaft zu vereinen). Irritierend wird es vor allem, wenn mit „Glad to Be Dead“ plötzlich Englisch einsetzt. Das haben Kollegen wie DUNKELSCHÖN auch schon gemacht, allerdings fiel es mir da nie so auf und es fügte sich besser ins Gesamtgefüge des Albums.

Mit „Contenance“ wird es dann überdies noch einmal bescheuert, was mich persönlich eher angesprochen hat, mit „Killers“ regelrecht seltsam, da ich mir nicht mehr sicher war, ob ich versehentlich IRON MAIDEN auf die CD gebrannt hatte, nein, es war ein Cover.
Die Hightlights des Albums sind für mich ganz klar „Das Moor“, „Harmonie“ (aufgrund des ironischen Bruchs) und die Ballade Sternenstaub, bei der besonders die wohlplatzierten Taktwechsel für einen ansprechenden Aufbau sorgen, zudem wurde hier durch die Text-Musik-Kombi wirklich eine traurige Atmosphäre geschaffen, die mich absolut erreichen konnte.

Generell also ein Album, das vielversprechend anfängt, sich dann aber in einem „zu viel wollen“ verliert. Was nicht bedeutet, dass die einzelnen Songs nicht auch zum Teil ansprechend sind. Was definitiv auch für die Cello-Contrabass-Parts gilt – gerade in den Instrumentalparts hatten wir hier und da das Gefühl uns auf einer Jam-Session zu befinden – gelungen! Zudem gibt die Aufmachung des Booklets definitiv einen Pluspunkt – hier war man konsequent.
Auch wenn COPPELIUS also nicht unbedingt meine Musik sind, konnten sie mich, nachdem ich ihnen eine Chance gegeben hatte, zumindest teilweise überzeugen, wenn auch nicht mit der gesamten „Hertzmaschine“. Ich würde darum davon ausgehen, dass Freunde der Band und des Genres wahrscheinlich auf ihre Kosten kommen, neutralere Hörer sollten vor einem Kauf vielleicht besser mal ins Album reingehört haben.

 

17.04.2015

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