Crimson Dimension - Crimson Dimension

Review

Weil es ja gerade gefühlt im Tagestakt neue Black-Metal-Projekte gibt, tut eine neue Band mehr oder weniger mittlerweile auch nicht mehr weh. Da ist es schön, wenn besagte Kapelle einen guten Mix aus altmodischen und frischen Ideen an den Tag legt. CRIMSON DIMENSION legen mit ihrer selbstbetitelten Platte ihr Debüt vor und liefern einen Black Metal, der jede Menge klassische Gothic-Vibes mitbringt, gleichzeitig aber auch mal mit epochalen Melodien auftrumpft oder eine geradezu FLOYDige Verspieltheit an den Tag legt. Und da die Band bei ihren Sessions scheinbar gemerkt hat, dass man so eine Mische kaum effizient in knackige Dreiminüter unterbringen kann, bekommen wir auf dem Debüt vier Tracks mit einer Spielzeit von einer knappen Stunde serviert.

Kurz und bündig tut’s manchmal einfach nicht

Auffälliges Merkmal ist zuvorderst die kernige Produktion, die sehr modern und transparent ausgefallen ist. Diese Entscheidung zahlt sich angesichts eines Albums aus, das seinen Fokus mehr auf dramaturgischem Songwriting gesetzt hat. Blastbeats oder anderweitig rasende Kälte sind zwar vorhanden, kommen jedoch vergleichsweise selten zum Einsatz. Die oben erwähnte Jamfreude ist stattdessen in vielen Passagen der Star der Show. Unterstützt wird diese Eigenschaft durch ein stilsicheres Gespür für gotische Harmonien, welche die oben erwähnte altmodische Frische in den Sound reinbringen. Das hilft vor allem dann ungemein, wenn CRIMSON DIMENSION mal etwas intensiver im Nudelmodus unterwegs sind.

Aber keine Bange: Selbstgefälliges Griffbrettgewichse gibt es hier praktisch gar nicht. Sämtliche Leads und Licks sind angenehm zu hören und schlagen kaum unangenehm über die Stränge. Im Gegenteil: Sie dienen als Stütze für die Stimmung, die sich die Finnen dank ihrer hervorragenden Melodiearbeit aufbauen. Gelegentlich findet sogar eine dezent orientalisch anmutende Ornamentik ihren Weg in die Riffarbeit von Timo Karjalainen und J-M Koppelomäki, zum Beispiel zu Beginn von „Age Of Awakening“ oder in einigen verzierenden Licks, die im Rausschmeißer „Valon Hylkäämä“ zu hören sind. Daneben gibt es natürlich für Genreveteranen viel Vertrautes zu hören, aber nichtsdestotrotz ist das alles hervorragend in Szene gesetzt.

Schwärze, Gotik, Epik, Verspieltheit – alles in einem schnittigen Paket geschnürt

Und tatsächlich entpuppt sich die Platte als ausgesprochen heavy. Die Midtempo-Grooves beispielsweise im eröffnenden Titeltrack haben ordentlich Fleisch auf den Rippen und tragen dieses stolz zur Schau. Das folgende „Black Mass“ beginnt nach atmosphärischem Intro ziemlich aggressiv, sodass man als Hörer regelrecht mit einer Abzweigung in Richtung NILEschem Death Metal rechnet. Der Track geht dann aber in den triolischen Wikinger-Stechschritt über. Und spätestens wenn sich die Orgel mahnend unter den Song legt, ist ist dieser Ersteindruck verflogen. Aber dennoch passt dieser aggressive Einstieg, da der Track durch den regelmäßigen Einsatz von Blastbeats ordentlich Druck aufbaut.

Um die Aufmerksamkeit der Hörerschaft über die lange Spielzeit der einzelnen Tracks zu halten, streuen die Finnen regelmäßig ruhigere, atmosphärische Intermezzi ein. Diese kongruieren wunderbar mit der Stimmung, ziehen den Hörer also nicht aus der Immersion des Sounds heraus. Wichtiger aber: Die Übergänge sind extrem geschmeidig, fast auf „Ghost Reveries“-Niveau. In diesen Passagen kommen auch die oben erwähnten, FLOYDschen Tendenzen des Gitarrengespanns am deutlichsten zum Vorschein. Und dann sind da noch die epischen Momente, die regelmäßig eingestreut werden. Sei es die epochale Hook von „Age Of Awakening“ oder das fast schon heroische Gitarrensolo später im gleichen Song.

CRIMSON DIMENSION strahlen eine altmodische Frische aus

Ja, „Crimson Dimension“ hat auf den ersten Hör was von diesem „Alles an die Wand klatschen und sehen, was hängen bleibt“-Feeling. Aber mit fortschreitenden Hördurchläufen merkt man, dass tatsächlich erfreulich viel hängen bleibt. Kritisieren lässt sich relativ wenig, vielleicht am ehesten noch Sänger/Bassist Ari Inkinen, der gerne etwas mehr Volumen auf seine Darbietung auftragen darf. Aber eigentlich geht sein Gesang vollkommen in Ordnung, hat halt noch ein bisschen Luft nach oben. Man muss der Platte aufgrund der langen Songs ein bisschen Zeit einräumen, bekommt aber dafür ein stimmiges Werk, das auf charmante Weise aus der Zeit gefallen wirkt, gleichzeitig aber modernen Standards gemäß ordentlich aufpoliert worden ist und mit Ideen nur so vollgestopft worden ist.

Gerne mehr davon.

13.06.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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