
Soundcheck Mai 2026# 11
CROWN LANDS kommen aus Kanada und fahren seit ein paar Jahren diese charmante „Wir holen die 70er zurück, aber bitte mit Wumms“-Schiene. Als Duo stemmen sie einen Sound irgendwo zwischen Prog, Psych und Classic Rock, mit ordentlich Retro im Tank.
CROWN LANDS polieren nichts auf Hochglanz
„Apocalypse“ legt direkt los, als hätte jemand eine Zeitmaschine neu programmiert: Marschtrommel, Chor, maximaler Drama-Start. Danach drücken CROWN LANDS aufs Gaspedal. Die Songs schreien, schieben, drücken nach vorne. Typische Riffs? Klar. Aber die Band verpasst ihnen genug Kante, damit es nicht komplett nach Museum klingt. Die Synths wabern angenehm nach 70s, ohne dabei wie bloße Deko zu wirken.
Die Vocals sind so ein Ding. Spitz, teilweise ziemlich schrill – das muss eine Weile wirken. Wer dranbleibt, gewöhnt sich schneller als erwartet daran. Dann flutscht das Album plötzlich ziemlich gut durch. Trotzdem: Hier und da wirkt der Gesang etwas dünn, auch wenn das zum bewusst rohen, leicht rotzigen Gesamtbild passt. CROWN LANDS polieren nichts auf Hochglanz, sondern lassen Ecken und Kanten einfach stehen.
„Apocalypse“ hat einen wilden Vibe
„Blackstar“ gehört zu den Tracks, die sofort hängen bleiben. Melodie und Lyrics bohren sich fest, ohne groß zu fragen. Genau solche Momente hätte das Album ruhig öfter liefern dürfen. So bleibt es stellenweise eher ein Vibe-Ding – perfekt für Kopf aus, Fenster runter, Straße vor dir.
Und dann kommt der Brocken: „Apocalypse“. 19 Minuten. Ja. Das. Ist. Viel!! Der Track schleicht sich erst mit Windhauch und Glockenschlag an, baut sich langsam auf, wird hymnisch, fällt wieder in sich zusammen, zieht dann erneut an. Zwischendurch tauchen sogar Flöten auf. Klingt erstmal wild – ist es auch. Die Ideen stimmen, aber die Länge fühlt sich nicht immer verdient an. Drei knackigere Songs hätten hier vermutlich mehr Impact gehabt als dieses eine XXL-Stück.
Starke Momente, aber Stiefel nicht komplett durchgezogen
Wenn man Vergleiche ziehen will: Die Verspieltheit erinnert an RUSH, der Retro-Vibe schielt klar zu LED ZEPPELIN, und diese moderne Aufbereitung mit Vintage-Anstrich kennt man auch von GRETA VAN FLEET. Dazu kommt noch ein Hauch von KING GIZZARD & the LIZARD WIZARD, wenn es etwas experimenteller wird. Unterm Strich: „Apocalypse“ macht Spaß, hat starke Momente und genug Eigenwillen, um nicht im Retro-Sumpf zu versinken. Aber es verliert sich auch gelegentlich in seinen eigenen Ambitionen und zieht nicht jeden Part sauber durch.

Crown Lands - Apocalypse
Jeanette Grönecke































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