Dark Order - Cold Way Of The Condor

Review

Die Australier DARK ORDER, die mit “Cold War Of The Condor“ bereits ihr viertes Studioalbum vorlegen, kredenzen Thrash Metal in Reinform. Die Scheibe nimmt ganz klar Kurs auf die gute, alte Bay Area. Man hört deutlich den Einfluss der Legenden SLAYER, DEATH ANGEL und EXODUS heraus.

Und genau das ist sowohl die Stärke als auch die Schwäche der Aussies. Denn einerseits machen sie ihre Sache wirklich gut, andererseits bietet die fehlende Eigenständigkeit Angriffsfläche für Kritik. Dieses Spannungsverhältnis wird vor allem bei “State Of Siege“ deutlich. Der Titel ist zwar gelungen, könnte aber ebenso gut auf einem SLAYER-Album erschienen sein: Sänger Raul Ignacio Alvarez Garcia klingt wie der jüngere Bruder von Tom Araya, die Leadgitarren könnten aus der Feder von Kerry King stammen und sogar das Zusammenspiel von Schlagwerk und Rhythmusgitarren erinnert stark an die Veteranen aus Kalifornien.

Ein wenig überraschend tönt anschließend mit “A Lament For Victor Jara“ eine Ballade mit spanischem Einschlag aus den Boxen. Die anfängliche Verwirrung lässt sich allerdings mindern, wenn man einen Blick auf das textliche Konzept der Platte wirft: DARK ORDER beschäftigen sich in 14 Akten mit dem Regime des chilenischen Diktators Augusto Pinochet. Vor diesem Hintergrund fügt sich der Song gut ins Konzept ein. Das folgende “Tears Of The Exiled“ erinnert definitiv an die ebenfalls politisch motivierten Ruhrpott-Thrasher KREATOR zu “Violent Revolution“-Zeiten. Dies liegt zuallererst an der Gitarrenarbeit, aber auch an den eingestreuten Breaks sowie stellenweise an Elementen des Gesangs. In “Blood Fire“ lassen DARK ORDER phasenweise auch Hardcore/Punk-Elemente durchblitzen, wie man sie von den Ostküsten-Thrashern ANTHRAX kennt.

Einen Pluspunkt gibt es für die üppige Spielzeit von fast anderthalb Stunden, wenn auch nicht alles Gold ist, was glänzt. Der eine oder andere Titel weniger hätte der Sache sicher keinen Abbruch getan. Allerdings bietet jede handelsübliche Stereoanlage die Möglichkeit des Überspringens einzelner Lieder, so dass ich die Laufzeit unter dem Gesichtspunkt Value for Money einordne. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist hingegen die Zweisprachlichkeit des Albums (Englisch und Spanisch), die aber vor dem Hintergrund des textlichen Konzepts Sinn macht. Letzten Endes legen DARK ORDER ein solides Thrash Metal-Album in 80er/90er-Tradition vor – nicht mehr und nicht weniger.

28.09.2010

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