
Kein Zweifel – bei dem kanadischen Trio DISSIMULATOR kann musikalisch nur ganz hohe Tonkunst aus dem Produktionsapparat kommen. Die drei Musiker aus Montreal sind im Underground enorm gefragte Meister ihres Faches und haben nicht nur gemeinsam mit CHTHE’ILIST bereits Werke mit außerordentlicher Besonderheit geschaffen. „Lower Form Resistance„, das Debüt des hier besprochenen Bandprojektes, wandelt auf den Spuren von VOIVOD, sowie progressiv orientiertem Thrash Metal, der die Grenzsteine zwischen benachbarten Genres fast schon spielerisch aufbricht.
KI-beherrschte Dystopie
Auf „Artifice Dissolves“ zerfällt die Täuschung im wörtlichen Sinne. Die KI-beherrschte Dystopie aus vermeintlich perfektionierten Maschinen hat längst die Kontrolle übernommen und die offenbar in allen Belangen unterlegene Menschheit eifert dieser Machtbasis via Androidentechnik nach („Alloyed“) oder ergibt sich dem Status einer kalten, technisiert gesteuerten Welt, in der menschliche Regungen keine Bedeutung mehr haben („Neon Metropolis“). DISSIMULATOR positionieren sich als diese Maschine, die seit ihrem letzten Album noch geschärfter agiert und bereit erscheint, wirklich ernst zu machen.
Diesmal spielen sich das treibende Gitarrenspiel von Claude Leduc, der sich darüber hinaus auch hinter dem Mikrophon verbessert hat und deutlich zwingender klingt, und das stärker ins Zentrum gerückte Schlagwerk von Philippe Boucher fast schon perfekt die Bälle zu, sodass „Artifice Dissolves“ befreit fließen kann. Das Drumming erhält hier deutlich mehr Raum zur Entfaltung und enthüllt die großartigen Fertigkeiten seines Dompteurs, der fließende Übergänge zwischen Einflüssen aus Thrash-, Death- und Thrash Metal schafft.
Eine Schärfung auf allen Ebenen
Letztlich formen DISSIMULATOR auf allen Ebenen nach und erschaffen zwingenderes Songwriting, das sich einer Vielzahl nachhaltiger Momente widerspiegelt. „Apophenic Rage“ schickt die Kanadier ohne Umwege in den mentalen Kampf zwischen Mensch und Maschine, „Hungry Ghosts“ hat deutlich mehr Groove und der Schlusstrack sowie eines der absoluten Highlights, „Robostrobos“, kehrt auch die bereits im Vorgänger marginalen Black-Metal-Formteile wieder stärker nach außen.
Haben DISSIMULATOR mit „Lower Form Resistance“ bereits auf der Überholspur begonnen und herausragende Ansätze gezeigt, so ist „Artifice Dissolves“ ein Ganzkörper-Fine-Tuning. Die Platte positioniert sich glaubwürdiger zwischen gefühlloser Technik, rasiert dabei noch deutlich präziser und verfügt über die besseren Songs.

Patrick Olbrich


















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