Enter Shikari - The Mindsweep

Review

Galerie mit 16 Bildern: Enter Shikari - Enter Shikari, Karlsruhe Substage 08.11.2013

Rou, Rory, Chris und Rob – das sind ENTER SHIKARI, die mit „The Mindsweep“ ihr viertes Album seit 2003 heraushauen. Die Engländer spielen immer noch in Original-Besetzung, sind also gemeinsam gewachsen und ihr Post-Hardcore/Trancecore-Mix darf ganz sicher, ebenso wie ihre energiegeladenen Live-Auftritte, als einzigartig bezeichnet werden. Die Hürde des angeblich wegweisenden dritten Albums hat das Quartett bereits mit „A Flash Flood Of Colour“ ganz locker genommen, und sich selbst die Messlatte damit unerreichbar hoch gelegt. Der Einstieger“The Appeal & the Mindsweep I“ schwillt langsam an und kokettiert sofort mit allen verfügbaren ENTER-SHIKARI-Marken: Geballte Fäuste, Hirn und schwingende Tanzbeine!

Das bereits vorab bekannte“The Last Garrison“ gibt einen guten Querschnitt von dem ab, was den Hörer auf „The Mindsweep“ erwartet. ENTER SHIKARI verbauen tatsächlich noch mehr elektronische Elemente in ihrem Soundgerüst, was allerdings nicht zur Einbuße von Nachdruck führt. Rou krakeelt größtenteils wie gewohnt, er ist wütend, will aufklären, Misstände ansprechen und stumme Konsumenten aufwecken. Die Loops, Synthies und Two Step haben sich gerade in Songs wie dem entrückten, sphärischen „Never Let Go of the Microscope“ oder dem eiskalten, bösen „Anaesthetist“ wieder mehr Platz erkämpft. ENTER SHIKARI haben sich eindeutig an ihren Anfängen orientiert.

Die vier Wilden haben auf „The Mindsweep“ einige herb groovende Nummern und sehr viel Midtempo-Szenen gezaubert, garniert mit hüpfendem Sprechgesang („The Bank of England“), ummantelt von warmen Ambient-Sounds und auch Bassist Chris Batten darf deutlich häufiger mitträllern. Den Dubstep scheinen ENTER SHIKARI abgehakt zu haben, er spielt im Vergleich zum Vorgänger eine eher untergeordnete Rolle, dafür wurde sogar der gute alte Breakbeat rausgekramt. Ein Stück wie „There Is A Price On Your Head“ schlägt wie gewohnt den Gong, wirkt aber phasenweise auch wie eine abgekämpfte Persiflage von SYSTEM OF A DOWN und als ob ENTER SHIKARI im Dunkeln zwischen ihren Instrumenten herumstolpern. Einige Bassbomben und ein überraschend orchestrales Outro später mausert sich der Track aber letztendlich zu einem Highlight. Auch wenn es deutlich mehr und deutlich früher melodische Parts gibt, so ist ein entspannter Durchmarsch doch unmöglich und nicht nur das anfangs eher harmonisch startende „Myopia“ zerbirst dann doch noch bunt und laut.

Ein weiteres durchweg skandierendes Album hätte ENTER SHIKARI sicher das Genick gebrochen, sie in die Linie der gleich tönenden Bindestrich-Core-Bands verbannt und ihrem neugierigen, einfallsreichen Naturell auch nicht entsprochen. Wie immer glänzen ENTER SHIKARI durch Detailreichtum, der seinesgleichen sucht. Jeder Tempowechsel sitzt, jedes Klicken wurde bewusst und pointiert eingebaut. Nichts passiert zufällig, gleichzeitig wirkt aber alles frisch und keineswegs lieblos. Nein, mit „Dear Future Historians…“ haben ENTER SHIKARI sogar nicht weniger als die beste balldeske Hymne ihrer Bandgeschichte geschrieben. Gänsehautschauer, feuchte Augen und mächtige Glücksgefühle inklusive, sehr stark! Wenn man ENTER SHIKARI mit einem Besuch auf der Kirmes vergleichen würde, dann waren die Vorgängeralben mehrere Runden Achterbahn, gleich rüber in die Wilde Maus und dann noch zehn Runden Boxauto mit Fuchsschwanz. Jetzt gibt es mit „The Mindsweep“ zwischendurch auch mal eine entspannte Runde Riesenrad und einen süßen Batz Zuckerwatte. In der kompletten ENTER SHIKARI-Diskographie würde ich „The Mindsweep“ nach „A Flash Flood Of Colour“ und vor den ersten beiden „Take to the Skies“ und „Common Dreads“ einordnen.

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08.01.2015

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