Tons Of Rock 2018
Festival-Geheimtipp mit Top-Bands und tollem Ambiente

Konzertbericht

Billing: Gåte, Arch Enemy, Ozzy Osbourne, Alice In Chains, Helloween, Opeth, W.A.S.P., Wardruna, Kvelertak, Abbath, Exodus, At The Gates, Alestorm, Marduk, Epica, Soulfly, Gaahls Wyrd, Witchcraft, Equinox, Girlschool, In Vain, Battle Beast, Imperial State Electric, Carach Angren, Gothminister, Ragnarok, Coven, Malignant Eternal, The Good The Bad And The Zugly, Mantar und Tusmørke
Konzert vom 20.06.2018 | Festung Fredriksten, Halden, Norwegen

Kennt Ihr schon das TONS OF ROCK-Festival? Das Dreitages-Open Air an der norwegisch-schwedischen Grenze hatte dieses Jahr OZZY OSBOURNE, ALICE IN CHAINS, W.A.S.P. und HELLOWEEN mit Hansen und Kiske zu Gast, bestach aber auch mit besonderer norwegischer Note. Wir waren beim Festival-Geheimtipp im Norden vor Ort.

Norwegen, ein Land, mit dem in erster Linie wohl Black Metal und eine unendlich schöne Natur verbunden wird. Ein entsprechend traumhaftes Urlaubsziel also, vor allem für Hörer der harten und extremen Klänge, das aber auch fernab der Musik einiges an Kultur zu bieten hat. Aber Festivals? Damit wird das skandinavische Land innerhalb der hiesigen Grenzen eher selten in Verbindung gebracht – was ein Fehler ist. Vor allem für Musikliebhaber, die von überlaufenen Festivals, weiten Wegen zwischen Camp und Bühne sowie relativ ähnlichen Festival-Billings die Nase voll haben.

TONS OF ROCK – ein junges Festival in historischer Kulisse

In Norwegen lockt zum fünften Mal das TONS OF ROCK, und dieses hat schon seit seiner ersten Auflage (seinerzeit waren unter anderem SLAYER am Start) neben einem hochwertigem Billing, ein geschichtsträchtiges, einzigartiges Gelände zu bieten. Denn Austragungsort ist die Festung Fredriksten in Halden. Ein Ort, der in den zurückliegenden Jahrhunderten eine blutige Geschichte geschrieben hat, letztmals im zweiten Weltkrieg. Bei der schwedischen Belagerung im Jahr 1718 starb hier König Karl XII. von Schweden – ob die Kugel vom Feind abgefeuert wurde oder doch aus den eigenen Reihen kam, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden. Genau 300 Jahre später steht die Festung aber ganz im Zeichen von Musik und friedlichen Miteinanders. Das ist doch gleich viel besser so.

Galerie mit 12 Bildern: Impressionen - Tons Of Rock Festival 2018

Gäste auf dem TONS OF ROCK erwartet ein Campground auf dem gepflegten Grün eines Golfplatzes, das beim zwischenzeitlich etwas feuchten Wetter zumindest einige Vorteile bietet und in wenigen Schritten auf das Konzertgelände führt. Das Infield liegt im hinteren Teil der Festung und bietet drei Bühnen. Dabei wird die Huth Stage, etwas abseits gelegen und eine malerische Aussicht bietend, lediglich für das Rahmenprogramm genutzt. So finden hier zum Beispiel Podcast-Aufnahmen statt, unter anderem mit Einar Selvik (WARDRUNA) als Gast.

Campground auf dem gepflegten Grün eines Golfplatzes

Aber auch Panels bieten interessierten Besuchern einige interessante Einblicke in die Musikszene. In diesem Jahr gab es beispielsweise eine launige Diskussionsrunde mit Organisatoren und Mitarbeitern von Festivals wie dem Beyond The Gates, dem Summer Breeze, dem Wacken Open Air und natürlich dem Tons Of Rock. Ein illustres Programm, das sich so auf hiesigen Festivals leider nur selten bestaunen lässt. Das gilt in jeder Hinsicht auch für die Aussicht, die das Gelände bietet. Von der Huth Stage wandert der Blick von der Stadtsilhouette Haldens über viel, viel Wald und Wasser bis hin zur schwedischen Grenze.

Ihr lest es schon, die Natur und die Festung haben es uns angetan, auch weil sie dem musikalischen Programm einen malerischen Rahmen bieten. Während die Tent-Stage ein gewohntes Bild im Inneren bietet, ist die Mainstage eingerahmt von Felsen und Festungsmauern auf der einen und Hügeln sowie Bäumen auf der anderen Seite.

EXODUS, GAAHLS WYRD und ARCH ENEMY: Extreme werden ausgelotet

Davon überzeugen wir uns ein erstes Mal, als EXODUS die Hauptbühne erklimmen. Typisch norwegisch im Feinniesel, wobei uns versichert wird, dass die letzten sechs Wochen zwischen 25 und 30 Grad herrschten (angeblich in der Maßeinheit Celsius). Davon ist heute jedoch nichts zu spüren. Dafür heizen die Thrash Metaller bei einem satten und klaren Sound gewaltig ein. Vor der Bühne ist am bestbesuchten Tag (knapp 9000 Fans werden es gewesen sein) einiges los, wobei es im Vergleich zu hiesigen Events etwas licht erscheint.

Galerie mit 11 Bildern: Exodus - Tons Of Rock Festival 2018

Das sieht im Zelt zunächst anders aus. GAAHLS WYRD steht an, und die Band um das Black-Metal-Urgestein Gaahl liefert vor den Landsleuten eine höllische Setlist aus GORGOROTH-, GOD SEED- und TRELLDOM-Klassikern. Wem bei „From The Running Of Blood“, „Steg“ oder „Høyt opp i dypet“ (vor allem der Klargesang!) nicht vor Faszination die Kinnlade runterkippt, dem ist wahrlich nicht zu helfen. Denn GAAHLS WYRD zählen bei bestem Sound und trotz betont statischer Performance zu den Highlights des ersten Festivaltages. Bald, so munkelte es, soll auch neues, eigenes Material der Band erscheinen – nach diesem Auftritt klingt das umso spannender.

Galerie mit 8 Bildern: Gaahls Wyrd - Tons Of Rock Festival 2018

Der Kontrast in Sachen stilistischer Abwechslung ist beim TONS OF ROCK zeitweise brutal. Nach dem Black-Metal-Höllenfeuer geht es zurück in den Regen zu ARCH ENEMY. Das ist weniger böse gemeint, als es klingt: Wer eine ARCH ENEMY-Show gesehen hat, hat eigentlich jede gesehen – das gilt auch heute. Unter den Gästen erfreuen sich die Schweden, der US-amerikanische Gitarrist und ihre kanadische Sängerin großer Beliebtheit – sind doch auffällig viele Fans im passenden Merchandise gekleidet. Klar, da können ARCH ENEMY nur abräumen, und sie liefern. Angetrieben von Alissa White-Gluz gibt es satten Melodic Death Metal, bei dem jedes Gitarrengriff sitzt und Songs wie „War Eternal“ oder der Hit „Nemesis“ nahe an der Perfektion dargeboten werden. Läuft.

WARDRUNA hypnotisieren, OZZY überzeugt

Nach dem Melodie-Feuerwerk ist Ruhe, Aufmerksamkeit und Kunstgenuss angesagt. WARDRUNA spielen leider nicht umgeben von Festungsmauern und Natur, sondern unter dem Zeltdach. Das ist etwas schade, ansonsten ist das Setting samt Lichtshow aber ideal – der Sound auch und die Band sowieso. Dramaturgie, Atmosphäre und eine perfekte, fast schon mystische Symbiose aus altertümlichen Instrumenten und mehrstimmigem Gesang verschlägt selbst dem angetrunkensten Festivalbesucher die Sprache. Unglaublich, welche Emotionen Songs wie „Tyr“, „Rotlaust tre fell“, „Isa“ oder das finale Glanzstück „Helvegen“ transportieren. Ist die Begeisterung für Einar Selvik und die auf allen WARDRUNA-Alben geschaffene Atmosphäre schon gigantisch, ist es live ein kunstvolles Schauspiel, das ganz ohne Übertreibung zu den besonderen Live-Erlebnissen gehört. Ein Tageshighlight.

Galerie mit 9 Bildern: Wardruna - Tons Of Rock Festival 2018

Glücklicherweise haben WARDRUNA keine komplette Hypnose über ihre Hörerschaft entfalten lassen, denn beim nächsten Tageshighlight OZZY OSBOURNE ist es richtig voll. So oft wird es die Gelegenheit wohl auch nicht mehr geben, den Prince Of Darkness auf der Bühne zu sehen (aber lassen wir uns überraschen, ob nicht demnächst wieder eine „F**k-Retirement-Tour“ angekündigt wird). OZZY ist natürlich ein gnadenloser Entertainer: Als er die Menge mit einem „are you ready to go crazy“ einheizt, wartet er erst einmal, bis der Jubel nach seinem Geschmack laut genug ausfällt – um dann mit „Bark At The Moon“ ins Set einzusteigen. Kleine Soundprobleme zu Beginn sind schnell ausgebessert, und es stört auch kaum, dass der in die Jahre gekommene Rockstar nicht mehr jeden Ton trifft. OZZY ist halt OZZY, und seine Crew, allen voran Zakk Wylde (dessen Solo innerhalb des Sets zu den ganz großen Momenten der Tage gehört) strotzt vor Spielfreude und Tightness.

„I can’t f***ing hear you“ – OZZY OSBOURNE ist ganz in seinem Element.

Ob bei „Mr. Crowley“, „No More Tears“ und den BLACK SABBATH-Klassikern „War Pigs“ und „Fairies Wear Boots“: Das Publikum zeigt sich textsicher bis in den letzten Winkel jeder Strophe. Als OZZY OSBOURNE „Crazy Train“ als letzten Song ankündigt, ist natürlich klar: Ohne Zugabe geht heute keiner ins Bett. Und so ist der Jubel donnernd, als die Herz-Schmerz-Hymne „Mama, I’m Coming Home“ und der BLACK SABBATH-Klassiker „Paranoid“ einen unverschämt guten Auftritt abrunden, der alle Kritiker vergangener Shows verstummen lässt. Wer jetzt noch nicht genug hat, lässt den Abend zu später Stunde bei AUDREY HORNE und dem Feierabendbierchen ausklingen.

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01.07.2018

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