Exorcist - Nightmare Theatre (Re-Release)

Review

Das Label Cobra Records kreierte Mitte der 1980er-Jahre einige Bands, die ursprünglich gar nicht existierten. Musiker anderer Bands wurden angeheuert sich unter Pseudonymen zu diesen „Fake-Bands“ zusammenzufinden und ein Album einzuspielen. Hinter EXORCIST verbergen sich Musiker von VIRGIN STEELE. High Roller Records sorgen für eine erneute Wiederveröffentlichung von „Nightmare Theatre“. Das einzige EXORCIST Album erscheint in der am 28. Mai 2021 erscheinende LP-Neuauflage als 16-Song-Version. Es existieren von High Roller Records allerdings auch CD-Fassungen des Werkes, die deutlich mehr Bonussongs bieten.

EXORCIST über Horror, Hölle, Tod und Teufel

Das Konzept Pseudobands aus rein kommerziellen Kalkül zu erschaffen, mutet seltsam an und mag ein wenig an die heute gängige Praxis erinnern, Super-Group-Projekte aus dem Hut zu zaubern. Zumindest im Falle von EXORCIST hat es gut funktioniert. Die hinter Pseudonymen agierenden Musiker um die VIRGIN STEELE-Recken David DeFeis und Edward Pursino haben das Songwriting und die Produktion des vor Klischees nur so strotzenden Black/Death/Thrash-Werkes „Nightmare Theatre“ ernst genommen und ein wirklich gutklassiges Album erschaffen, welches zwar am Reißbrett entstanden ist, aber qualitativ hochwertige Songs bietet.

Um das Album genussvoll zu goutieren, sollte man sich allerdings des zeitlichen Kontextes seiner Entstehung bewusst sein: 1985 startet die Frühphase der ersten Black/Death-Metal-Welle gerade durch und auch der Thrash Metal steckt noch halbwegs in den Kinderschuhen. Bands wie VENOM, HELLHAMMER, NECROPHAGIA, BATHORY, SLAYER und Konsorten haben neue Härtegrade für sich erreicht und sind für alle, die ihre Musiker düster, brutal und hart mögen, das Nonplusultra. Horror- und Satans-Thematik gehören mittlerweile zum guten Ton und ein schönes Splatter-Cover-Artwork darf auch nicht fehlen. Alle diese Elemente mussten also auch bei EXORCISTs „Nightmare Theatre“ untergebracht werden. DeFeis und Pursino haben die großen Vorbilder eingängig studiert, sich großzügig bedient und daraus großartige Songs gebastelt.

Der Gesang tönt heiser, rau und besessen, Shouter Damien Rath zeigt sich beeinflusst von POSSESSED-Sänger Jeff, BATHORY-Mastermind Quorthon (R.I.P.), VENOMs Cronos und dem leider verstorbenen Killjoy (NECROPHAGIA, R.I.P.). Die wilden Gitarrensoli hingegen könnten von SLAYERs Debüt stammen. Die Produktion ist dem damaligen Zeitgeist entsprechend gut ausgefallen und sorgt dafür, dass dem Hörer kein Detail entgeht und der Proto Black/Death Metal von EXORCIST mit ähnlicher Durchschlagskraft daherkommt wie das POSSESSED Debüt. Die Songs sind im positiven Sinne simpel gehalten, aber perfekt eingespielt. Da zeigt sich das musikalische Können der Pseudoband, welches sich positiv auf die Brutalität der Songs auswirkt. Besonders auffällig im Gesamtsound sind die vielen Keyboard-Intros und Samples, welche die Horroratmosphäre hervorheben und einen zuweilen an KING DIAMONDs Meisterwerk „Abigail“ denken lassen.

„Nightmare Theatre“: Ein vertonter Horrorfilm

EXORCIST sind pures Klischee und klingen wie ein vertonter Horrorstreifen. Dabei funktionieren sie aber erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass es sich eigentlich um ein aus rein kommerziellen Gründen geschaffenes Kunstprojekt handelt. Heute wirkt „Nightmare Theatre“ sogar noch überzeugender als 1985, weil der charmante Retro-Faktor das Album zusätzlich aufwertet. Wer ein Herz für Proto Black/Death Metal hat, wird sich hier sofort Daheim fühlen, denn die Zeitreise in die Frühzeit des Subgenres macht unglaublich viel Spaß und die tollen Kitsch-Lyrics zaubern dem geneigten Hörer sofort ein Lächeln aufs Gesicht.

Gerade bedingt durch die Rückbesinnung auf die gute alte Zeit im Black/Death-Genre klingt das leider einzige EXORCIST Album relevanter den je und gehört in jede gut sortierte Old-School-Metal-Sammlung.

Text von Olaf Brinkmann

21.05.2021

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