Face Down Hero - The Ecstasy Of Cold

Review

FACE DOWN HERO sind vom musikalischen Anspruch her so etwas wie Marburgs Finest. Aus dieser rührigen Undergroundszene Mittelhessens schaffen es immer mal wieder ein paar Bands über die Lahn wie etwa MILKING THE GOATMACHINE oder vergleichsweise kürzlich, KNIFE. Dem hier besprochenen Quartett war dieser Status bisher immer nur bedingt gegeben, und das trotzdem gerade an den Saiten stets Hervorragendes passiert. „The Ecstasy Of Cold“ ist bereits das siebte Album des Vierers, um den es ebenfalls um die Coronazeit bemerkenswert still geworden war, sodass man fast schon befürchten musste, keine Neuigkeiten um die modernen Thrasher mehr zu erhalten.

Vielfältige Spielfreude

Wer allerdings die beinahe zehn Jahre Sendepause seit dem letzten Album „False Evidence Appearing Real“ ausgesessen hat, der wird mit einer Platte belohnt, die erneut vor Spielfreude und spannungsgeladenem Riffing strotzt. So stürzt der Titeltrack mit dem Kopf durch die Wand, bevor schon in der ersten Hälfte abermals die große Bandbreite präsentiert wird, mit der FACE DOWN HERO so selbstverständlich agieren. „Samara“ wird deutlich melodischer, „I, Unraveled“ ist hingegen eine richtige Powerballade, die gut auf METALLICAs „Schwarze“ gepasst hätte.

Während Marc Kollmann und Christian Naumann brachiale Riffs zwischen MACHINE HEAD und oben genannten Hetfield & Co. mit tollem Druckaufbau zum Höhepunkt jagen, müht sich Letzterer am Gesang ziemlich ab und kann mit den vielseitigen Stimmungswechseln an den Instrumenten nicht mithalten. Die Produktion von Martin Buchwalter wandelt am oberen Ende der Politurpalette, was zwar zur sehr zeitgenössischen Ausrichtung dieser Thrash-Interpretation passt, aber etwa Carsten Kachelmus an den Drums phasenweise fast schon etwas pappig klingen lässt.

Vocals können nicht mithalten

„Nobody Moves (Everybody Gets Hurt)“ schafft mit seiner Schulhof-Prolligkeit im Nu-Metal-Kostüm dann wirklich den ersten Grenzübertritt, für den aber die folgenden Tracks wieder etwas entschädigen. Im Großen und Ganzen ist das Songwriting auf „The Ecstasy Of Cold“ gewohntermaßen auf hohem Niveau. Würde sich Naumann auf seine starken Fähigkeiten an der Gitarre beschränken und hätte man entsprechenden Zugriff auf einen versierteren Sänger, dann spielten FACE DOWN HERO ganz oben mit.

24.08.2026

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