Firmament - Reveries Of A Forgotten Spirit

Review

Schönheit ist ein Begriff, der nur selten in Verbindung mit Black Metal fällt. Und doch zeigt FIRMAMENT, das Solo-Projekt des Einzelkämpfers J.K. aus Thüringen und nicht zu verwechseln mit den Leipziger Traditions-Metallern, dass diese Welten durchaus in Einklang zu bringen sind. „Reveries Of A Forgotten Spirit“, das bereits dritte Album von FIRMAMENT, macht’s vor.

Eine kleine Nachtmusik von FIRMAMENT

Das Vehikel der Wahl ist dabei verträumter Atmospheric/Ambient Black Metal, der sich für ein solches Unterfangen eignet wie kaum eine andere Spielart jener Musikrichtung, die sonst ja eher mit Attributen wie düster, aggressiv und bösartig einhergeht. Der Opener „Into Nocturnal Wilderness“ jedoch entführt mit sphärischen Synth-Flächen sogleich in eine nächtliche Welt zwischen Traum und Wirklichkeit, in der die Eule genügsam…nun…eult und der sternenklare Himmel über dem friedlichen Wald in all seiner Majestät erstrahlt.

Flirrende und doch irgendwie unaufgeregte Black-Metal-Gittarren und Blast Beats werden durch verwunschenen, teils an SUMMONING erinnernden Keyboardzauber und anschmiegsame Melodien aufgebrochen, während entrückter Klargesang einen Kontrast zu wie durch einen Nebelschleier erklingenden Screams bildet, die aber eher ein Gefühl von Sehnsucht als von Wut evozieren. Diese Eigenschaften gelten übrigens nicht nur für besagtes Eröffnungsstück, sondern ziehen sich so im Wesentlichen durchs gesamte Album, weshalb man oft gar nicht merkt, wann ein Song endet und ein anderer beginnt. Die Übergänge sind quasi fließend.

Hier und da werden zusätzlich sanfte Akustikpassagen eingeflochten; mal wird es wie bei „Over Old Hills And Far Away“ etwas opulenter, dann wieder setzten FIRMAMENT wie bei „From A Cosmic Shore“ und „Her Eyes In The Lake“ verstärkt auf verträumte Ambient-Klänge, Naturgeräusche und Gothic-nahen, tiefen Klargesang. Insgesamt gilt aber, dass „Reveries Of A Forgotten Spirit“ sich in einem steten Fluss befindet, von dem man sich am besten einfach gemütlich treiben lässt, während man von den wunderbaren Schauwerten links und rechts des Ufers berieselt wird.

„Reveries Of A Forgotten Spirit“ bietet ein bisschen Weltflucht

Die Crux dabei ist natürlich, dass FIRMAMENT-Mastermind J.K. nicht unbedingt mit Hits um sich schmeißt oder mit seiner Musik den Adrenalinspiegel in die Höhe treibt und die Säfte in Wallung bringt. „Reveries Of A Forgotten Spirit“ ist eher wie eine flauschige Decke, in die man sich hineinfallen lässt, um abzuschalten und den stressigen Alltag etwas zu entschleunigen.

Dementsprechend muss man für diese Musik in der entsprechenden Gemütslage sein und idealerweise auch die Dreiviertelstunde aufbringen wollen, die es braucht, um sich mit diesem schönen Album für eine Weile aus der Realität zu verabschieden und ein bisschen Weltflucht zu genießen. Und ja, dabei kann man auch schon mal wegnicken, was in diesem Fall aber gar nichts Negatives ist, da es nicht der Langeweile sondern vielmehr einem Gefühl von innerer Ausgeglichenheit geschuldet ist.

24.04.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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