Glenn Hughes - Live In Australia

Review

Während bei uns der WM-Ball rollte und ganz Germanien Balla-Balla war, begab sich GLENN HUGHES ins Heimatland der „Socceroos“, nach Australien, um im Zuge der Veröffentlichung seines neuesten Albums „Music For The Divine“ in Sidney ein ganz besonderes Konzert zu geben. Der Mann, der einst mit DEEP PURPLE vor Tausenden von Leuten aufgetreten ist, spielte im winzigen Club „The Basement“ einen stimmungsvollen, sehr intimen Akustikgig vor einer recht überschaubaren, handverlesenen Zuschauermenge. Und zu diesem Anlass ließ es sich Hughes nicht nehmen, diesen großen Karrieremoment mitzuschneiden und auf DVD respektive CD auch einer größeren Anzahl seiner Anhänger zugänglich zu machen. Welch ein Glück für alle, die nicht dabei sein konnten und vor allem für jene, die insbesondere Hughes‘ gottgegebene Rock/Soul-Wahnsinnsstimme anhimmeln, denn logischerweise kommt das Organ des nur auf dem Personalausweis in die Jahre gekommenen Ausnahmevokalisten im Rahmen eines Akustiksets wesentlich deutlicher zum Tragen als mehr oder weniger hinter lauten Gitarren- und Basswänden versteckt.

Wie es sich für solch einen Anlass gehört, fährt Hughes nur wenig instrumentales Gefährt auf. Anfangs besteht die Formation lediglich aus Keyboard und zwei Gitarren (eine von Hughes gespielt, die andere von seinem langjährigem Mitstreiter JJ Marsh, später schnallt sich Hughes noch den Bass um) bevor sich ein vierköpfiges Miniorchester, bestehend aus zwei Violinen, einer Viola sowie einem Cello, dazugesellt, um den akustischen Interpretationen zusätzliche Magie zu verleihen. Auf Percussion oder gar Schlagzeug wird gänzlich verzichtet, die Atmosphäre ist entsprechend heimelig und stilvoll, wozu natürlich auch die „Größe“ des Venues beiträgt. Wenn man am Drumherum der Performance etwas kritisieren mag, dann vielleicht die Beleuchtung, die aus nicht mehr als vielleicht zehn Leuchten besteht, diese aber bunter nicht sein könnten und den Gesamteindruck ein kleines bisschen drücken. Doch ansonsten passt alles, das Bild ist gestochen scharf und unverfälscht, der Ton (wahlweise Stereo, Dolby, DTS) klar, warm und schön räumlich und die Bildführung passt sich der ruhigen Gesamtstimmung an, wobei Protagonist Hughes logischerweise im Fokus steht, die freudigen Gesichter des Publikums aber auch nicht ausgelassen werden.

Doch was darf man musikalisch nun erwarten? Welche Überraschungen wird sich Hughes, der abseits seiner Solokarriere und seinen bekanntesten ehemaligen Baustellen TRAPEZE und DEEP PURPLE, bei etlichen Bands und Projekten mitgewirkt hat, für diesen besonderen Anlass aus dem Ärmel schütteln? Nun, die Hälfte der insgesamt vierzehn Tracks besteht aus Kompositionen seiner Soloalben neueren Datums, also von „Soul Mover“ (2005) und insbesondere von „Music For The Divine“ (2006). Einige der Tracks sind für den Akustikgebrauch geradezu prädestiniert (insbesondere das wunderschön sentimentale „Frail“ ist ein Höhepunkt), aber auch der rockigere Titeltrack von „Soul Mover“ überzeugt in abgespeckter Version. Mit „I Found A Woman“ und „Coast To Coast“ (vom legendären 82er HUGHES/THRALL-Album) finden sich auch ganz alte Schinken ein und dann wären da noch zwei Coverversionen, „Nights In White Satin“ (mit herzzerreißendem Streicherarrangement) und dem PROCOL HARUM-Classic „Whiter Shade Of Pale“. Letztlich ist es aber egal, ob sich Hughes von Natur aus ruhigeren Tracks annimmt oder rockige Versionen ins Akustikgewand presst, das Konzept wirkt wie aus einem Guss und sehr naturbelassen, so als hätte Hughes nie harte Rockmusik gemacht. Der Meister selbst scheint in Höchstform zu sein, seine Stimme setzt sich immer wieder mit beeindruckenden Schreien ins Rampenlicht, der Soul in seinem Organ glüht und wie gut der Brite drauf ist, beweist er immer wieder mit witzigen Ansagen zu nahezu jedem einzelnen Song.

Doch Hughes kann und darf natürlich nicht auf die alten PURPLE-Klassiker verzichten und davon gibt er gleich vier zum Besten: „This Time Around“, „You Keep On Moving“ (als Zugabe), das sagenhafte „Gettin Tighter“ sowie das alles überragende „Mistreated“. Die beiden letztgenannten Stücke sind zweifellos die absoluten Höhepunkte des gut 90-minütigen Sets. „Gettin‘ Tighter“ intoniert er zusammen mit der australischen Legende Jimmy Barnes (der mit der Band COLD CHISEL und als Solokünstler zum bestverkaufendsten australischen Musiker aller Zeiten avancierte) und der Song vom „Come Taste The Band“-Album strotzt nur so vor Spielfreude und Lebenslust. Große Klasse! Und dann „Mistreated“! Die Schreie von GLENN HUGHES sind markerschütternd, die Gänsehaut will einfach nicht mehr nachlassen und sogar das sitzende Publikum lässt sich enthusiastisch miteinbeziehen. Wer sich hier nicht beeindruckt vom Sessel reißen lässt, der muss entweder tot sein oder empfindet Geschichten wie Schnappi, das Krokodil, als Maximum an großer Kunst.

„Live In Australia“ ist ein großartiges Livedokument, ein echtes Highlight im Meer der laufenden DVD-Releases und das vorgezogene Vermächtnis von einem der größten Sänger dieses Planeten!

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26.11.2007

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