Gwydion - Gwydion

Review

Wer meint, dass Viking Metal mit starker Pagan-Schlagseite bereits vor einigen Jahren zum Besseren zu Grabe getragen worden sei, sollte sich dieser Tage besser in Acht nehmen. Denn die im sonnigen Portugal beheimateten GWYDION präsentieren nach nunmehr 25 Jahren Bandhistorie ihr selbstbetiteltes, mittlerweile fünftes Studioalbum und wagen damit den mutigen Versuch, neuen Wind in die Segel der sich nach und nach dezimierenden Nordmännerszene zu bringen.

“Gwydion“ – Entstaubung des Relikts Viking Metal

Nachdem sich die Band in der ersten Hälfte ihrer bisherigen Schaffensphase primär auf den partytauglichen Aspekt des nicht zuletzt eben dadurch weitestgehend zu Grunde gegangenen Genres fokussiert hat, konzentrierte man sich nach der zwischenzeitlichen Auflösung von 2014 bis 2016 auf eine modernere und geringfügig weniger generische Ausrichtung. Die omnipräsenten, Methorn schwenkenden Gassenhauer wurden zugunsten eines etwas höheren metallischen Anteils zurückgeschraubt und dieses Veränderung macht sich auch im Gesamtsound des neuen Albums durchaus positiv bemerkbar.

Gleich im Opener spielen die Portugiesen diese Stärke gekonnt aus. Die klare, sehr druckvolle Produktion und die raue Stimme von Sänger Daniel César schaffen in Kombination mit der episch anmutenden, wenngleich synthetischen Streichinstrumentierung eine dichte Atmosphäre, die schnell hohe Erwartungen an die noch folgenden Nummern schürt. Die Kombination aus zeitgemäßen Elementen mit mittlerweile gewohnten Stilblüten des Pagan und Viking Metal funktioniert sodann auch in weiteren Stücken wie etwa dem treibenden “Hostile Alliance“ oder der wahrscheinlich stärksten Nummer des Albums “Hammer Of The Gods“ ganz hervorragend. Ersterer Song weckt stellenweise Erinnerungen an die experimentelle Ausrichtung von KROMLEK auf ihrem letzten Album “Finis Terræ“, ohne dabei jedoch ziellos verkopft zu klingen. Auch der titelgebende Song schafft mit seinen Männerchören eine über weite Strecken euphorische und mitreißende Grundstimmung, die leider zwischenzeitlich von einer im Gesamtbild des Songs befremdlich anmutenden Erzählerstimme unterbrochen wird. Und genau bei derlei eigenartigen Stilmitteln liegt bereits die erste Schwäche des Albums.

GWYDION – Gute Ansätze mit mangelhafter Konsequenz

Besonders exemplarisch für fehlgeleitete Experimente musikalischer Natur ist der Song “Battle Of Alclud Ford“ mit seinem kauzigen, im Power Metal angesiedelten Gesang. An und für sich ist die Nummer keineswegs schlecht umgesetzt, nur erschließt sich ihre Notwendigkeit auf diesem Album auch bei mehrmaligem Hören nicht so recht, zu groß ist die stilistische Diskrepanz zu den restlichen Songs. Gleiches gilt für das abschließende “A Roda“, welches mit seinem akustischen Gitarrenspiel und portugiesischen Frauengesang zwar durchaus zu gefallen weiß, im großen Ganzen aber leider den Anschein erweckt, sich auf das falsche Album verirrt zu haben.

Auch können GWYDION der Versuchung, sich stilistisch bei anderen Größen der Szene zu bedienen und in für das Genre übliche Klischees zu verfallen, nicht hinreichend widerstehen. Bereits der zweite Song “The Bards“ macht mit seinen Humppa-Anleihen den Vergleich zu FINNTROLL unausweichlich und ruiniert im gleichen Atemzug den starken ersten Eindruck des Vorgängers “Stand Alone“. Der Titel “Ale Mead And Wine“ spricht bereits für sich. Dass Viking Metal auch ganz ohne mit Alkohol durchtränkte Lyrics und am Geduldsfaden sägenden Rummel-Synthesizer funktionieren kann, scheint der Band eigentlich bewusst zu sein. Wähnen die Portugiesen den Verzicht auf derlei im wahrsten Sinne des Wortes überflüssiges Liedgut als zu großes Wagnis?

Zielgruppenorientiertes Plünderfest

GWYDION erweisen sich auf Album Nummer fünf als technisch versierte und erfahrene Musiker mit klarem Hang zur Sehnsucht nach der Blütezeit des Viking Metal. Mit einem stärkeren Fokus auf die gegebenen Stärken und weniger Huldigung von EQUILIBRIUM, FINNTROLL und Konsorten wäre hier sicherlich mehr möglich gewesen. Wer allerdings ähnlich nostalgisch in der paganen Musik von vor zehn Jahren verankert ist, wird das hier dargebotene Album womöglich restlos abfeiern können. Denn in gewisser Weise steht “Gwydion“ gleichermaßen sinnbildlich für all das, was die heidnische Musikwelle damals für einen gewissen Zeitraum hat populär werden lassen, aber auch für die Ursachen des nahezu gänzlichen Verebbens besagter Begeisterung.

27.11.2020

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