HDK - System Overload

Review

AFTER FOREVER gibt es nicht mehr. Diese Nachricht war sicherlich ein Schock für die Fans. Das es in der Band nicht völlig rund lief, deutete sich schon im Januar 2008 an, als Sander Gommans einen Burn-Out erlitt und die Band daraufhin eine Pause einlegte. Scheinbar war diese Pause gleichzeitig das Ende für die Band. Knapp zwei Wochen nach dem Aus, am 23.02., erscheint also „System Overload“. Wer nun in Sanders Projekt HDK eine Art Ersatz für AFTER FOREVER sucht, wird wohl enttäuscht werden. Das Album „System Overload“ ist weitaus extremer, als es eine Gothic Metal-Band je seien könnte.

HDK ist ein sehr persönliches Projekt. Wie Sander in einem Interview mit der amerikanischen Radio-DJane Sheila Doki erklärte, steht das „System“ für sein Gehirn, das einfach überladen war. Die Songs auf dem Album sind größtenteils zu einem Punkt entstanden, als Sander den Stress nicht mehr aushalten konnte, kurz bevor er seinen Zusammenbruch erlitt. „System Overload“ ist also eine Dokumentation eines Menschen, der ein musikalisches Ventil für seine negativen Gefühle sucht und an diesen fast zerbricht.

Dementsprechend sind die Songs allesamt kraftvoll, aber auch abwechslungsreich. Die vielen verschiedenen Einflüsse verdankt das Album den unzähligen Gastmusikern, etwa Patrick Savelkoul von CALLENISH CIRCLE oder Arjen Lucassen von AYREON. Die Songtexte wurden von Amanda Somerville geschrieben, die das auch schon für Bands wie KAMELOT oder EPICA tat. Sander bedient sich zwar auch beim Gothic und Progressiv Metal, in erster Linie sind aber die Death und Thrash Metal-Anleihen tonangebend. So wie im gleichnamigen Einstiegs-Track des Albums: „System Overload“ legt ein sehr hohes Tempo vor und der brutale Sound wird nur im Refrain durch etwas poppigere Melodien entschärft. Zeit zum Verschnaufen bleibt aber nicht, denn so schnell der Song durch die Strophen pflügt, so schnell ist er auch vorbei. Der wohl interessanteste Song kommt gleich im Anschluss. „Request“ ist auch sehr schnell, aber zarte Töne geben dem Song eine deutlich melodischere Note. Außerdem hat dieses Lied einen gewissen Power Metal-Einschlag, da hat der brasilianische Sänger Andre Matos, der auf diesem Track zu hören ist, wohl eine gewisse Mitschuld. Der Song lässt sich über die negativen Seiten von MYSPACE aus, wie etwa die Besessenheit mancher Benutzer, „Freunde“ zu sammeln wie andere Briefmarken.

Wie bereits erwähnt, wurde „System Overload“ von jemanden geschrieben, der kurz vor einem Zusammenbruch stand. Das spiegelt sich vor allem in den Songstrukturen wider, die fast überquellen vor Ideen. „Terrorist“ etwa überrascht mit seiner Rock-Attitüde und einem Akkustikpart in der Mitte, „Pedestal“ wird von interessanten Tribal-Elementen à la SOULFLY eingeleitet und „Breakdown“ besticht durch seinen Wechselgesang zwischen der Frauen- und Männerstimme. So hört sich ein Gehirn an, das kurz vor dem Kollaps steht! Dazwischen donnern astreine Deather und Thrasher durch die Boxen, die alle das Gaspedal bis zum Bodenblech durchdrücken und dabei Gitarrenriffs wie Maschinengewehrsalven abfeuern.

„System Overload“ ist kein einfaches Material. Das Album ist komplex und nicht auf Eingängigkeit oder Charttauglichkeit getrimmt. Gegen Ende haben sich ein paar Songs eingeschlichen, die zwar Kraft in den Noten haben aber auch etwas chaotisch und anstrengend klingen. So nudelt sich „Fight Or Flight“ dermaßen abgefahren durch die Gehörgänge, dass fast das zentrale Nervenzentrum die Flucht ergreift.

Wer anspruchsvolle Musik mag, dürfte sich davon nicht abschrecken lassen. Mit „System Overload“ bekommen aufgeschlossene Musikfans ein prall gefülltes, akustisches Überraschungsei.

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16.02.2009

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