Messiah - Hymn To Abramelin

Review

Die Schweizer MESSIAH haben ihr Debüt „Hymn To Abramelin“ notgedrungen mehr oder weniger selbst aufgenommen. 1986. Es rappelt im Karton. Zum Glück – denn Platten wie diese, erschaffen mit jugendlichem Enthusiasmus und einer ordentlichen Kelle Wahnsinn, leben genau davon. Und davon, dass sich alle Freunde der Musik abwenden.

MESSIAH sind Enthusiasten

Ganz Kind ihrer Zeit kreieren MESSIAH also eine Art von Krach, die rein klanglich dem Thrash näher steht als den ohnehin gerade erst das dämonische Haupt reckenden Geschwistern Death oder gar Black Metal. Die Gitarren schreddern häufig totally POSSESSED drauflos, schleifen sich aber auch mal langsam kriechend das HELLHAMMER-Tattoo blutig auf der (vergeblichen) Suche nach dem Weg aus dem dunklen Keller-Proberaum. Dass aus dem Saiten-Inferno einige eher melodische als kreischende Soli hervorblitzen, geht fast unter – im Gegensatz zum grobschlächtig rumpelnden Schlagzeug, dem die Bass Drum ohne Blick nach links und rechts oft die liebste ist.
Frühe SODOM sind natürlich nicht weit und die seinerzeit verlachten SEPULTURA vor „Beneath The Remains“ auch nur geografisch. Gekrönt wird das krude Gemisch schließlich von Vocals, die zwischen minderjährigem Mille, ABC DIABOLO und tieferem Gegrowle ohne Rücksicht auf Verluste oder überhaupt irgendwas oder irgendwen hin und her pendeln.

High Roller wissen dabei, wie es geht, bringen „Hymn To Abramelin“ erneut und 2018 in zweiter Auflage in eben dieser „authentischen“ Original-Version unter das Volk. Die CD-Variante erhält zudem eine Remix-Version von 1990. Und schön aufgemacht ist das Ganze inklusive Poster und Booklet typischerweise auch.

Die „Hymn To Abramelin“ bleibt im Dunklen

So weit, so charmant. Allerdings, Hand aufs schwarze Herz … auch wenn MESSIAH ihre Stücke durch zwischengeschobene Zitate von Brentano bis Shakespeare intellektuell aufzuladen versuchen – vor allem wer qua späterer Geburt mit mehrspuriger Aufnahmetechnik oder gar Tech Death sozialisiert wurde, der gelangt konfrontiert mit „Hymn To Abramelin“ wahrscheinlich mindestens insgeheim eher zur Erkenntnis, dass tatsächlich nicht alles diabolisches Gold ist, was vor 1990 erschaffen wurde. Und das Debüt MESSIAHs eigentlich stümperhafter Krach damals Jugendlicher, dessen Defizite von steckengebliebenen Szene-Großeltern aus Nostalgie oder Gründen der Revierverteidigung mit dem angelaufenen Orden „Kult“ so notdürftig zugedeckt werden wie ihre mittlerweise ansehnlichen Wampen von der eingelaufenen Retro-Kutte, noch zugelegt zu Berufsschulzeiten. Bei Lichte betrachtet.

Allein: Bei Lichte wird hier gar nichts betrachtet. Das wäre ja noch schöner.

P.S.: MESSIAH kehren 2018 auch auf die Bühnen zurück. Auf dass es sich um solche handele, für die man der geschwungenen, rostigen Treppe erst einmal meterweit nach unten folgen muss!

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11.02.2018

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2 Kommentare zu Messiah - Hymn To Abramelin

  1. Andreas sagt:

    Oh Man(n) ich bin alt, die Scheibe hab ich schon soooo lang nicht mehr gehört. Beim Album Release 86 war ich 13. Die Scheibe hatte damals schon was. Unabhängig davon was man nun von diesem Album halten möchte, die 80er Jahre waren einfach geil und Hymn to abramelin war ein Teil davon.

    8/10