Mia Hope - We Are Just Satellites

Review

Die Gier nach eigenen Ausdrucksmöglichkeiten und einer unbewohnten Nische inmitten von tausenden von talentierten Metalbands, die sich alle doch irgendwie ähneln, treibt manchmal seltsame Blüten. Zieht man vom Promogewäsch, mit dem solche Bands zwanghaft bedacht werden, alles nicht Belegbare, Übertriebene, alle albernen Neologismen und das Stückchen Notlüge, dass es hier eben NICHT um die nächste Metalcoreband geht, ab – bleibt aber dann am Ende doch irgendwie nur eine Metalcore-Band. Oder?

Die Vollblutbriten von MIA HOPE haben sich trotz allem eine Menge Mühe geben, sich aus dieser schwierigen Lage herauszumogeln. Auf der Grundlage aller Zutaten, die im Metalcore-Bereich jeder kennt, versuchen sich die fünf ziemlich brav ausschauenden Jungs an etwas, das vielleicht doch noch ein wenig schocken könnte. Spastische Mathcore-Prügeleien brechen binnen Sekunden ein und zerfließen in weiche Postrock-Cleanparts, die auf einmal von ziemlich standardisierten Breakdowns zerfetzt werden. Wirklich straight ist MIA HOPEs Debüt „We Are Just Satellites“ nicht. Eher kreisen eine Menge anständiger Ideen und Einflüsse satellitengleich um einen flüssigen Kern, der sich auch in fast 55 Minuten nicht so recht erhärten will. Die Platte bleibt trotz einiger schöner Melodien, trotz unzweifelhaften instrumentalen Könnens und einer ganzen Menge Talent recht gesichtslos. Das tut sie auch deshalb, weil alles daran zumindest gut, aber nicht brilliant und auch nicht schlecht ist – eine gute Produktion, ein gutes Songwriting, größtenteils gute Songs.

Am Besten gefallen mir von allen zwölf Tracks (die vielleicht sogar ein wenig zuviel des Guten sind) diejenigen, in denen MIA HOPE sich die affektierte Schreierei, die langweiligen Hardcoreriffs und die Dominanz ihrer Spieltechnik sparen und stattdessen mit einer gewissen Gelassenheit und Epik punkten. Neben dem schönen Rausschmeißer „Writing In The Dark“ kommt das leider zu selten vor. Das macht den Eindruck, die offenbar noch relativ junge Band habe hier ein ungestümes, noch etwas zu experimentelles Album irgendwo zwischen den ersten THE DILLINGER ESCAPE PLAN, dem Mindestanspruch der britischen Screamoszene und den großen Postrockern dieses Planeten aufgenommen. Ich denke, diese Verwirrtheit muss nicht anhalten, wenn MIA HOPE beim nächsten Album vielleicht von Satelliten zu Flugkörpern mit einem echten Ziel werden. Wäre ich die NASA, ich würde den Planeten PostrockXJT692-C ansteuern und die vielen schwarzen Metalcorelöcher großzügig umfliegen lassen.

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28.01.2010

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