Stairway To Violet - Invictus

Review

Soundcheck Juni 2026# 21

Das erste Album von STAIRWAY TO VIOLET trägt den Titel „Invictus“: unbesiegt. (Eintritts-)Karten auf den Tisch: Bist du Cineast:in? Ansonsten hätte dir „Invictus“ nach spätestens einem Durchlauf mit Blick auf seinen Namen etwas voraus. Denn sein „Cinematic Rock“ vermag es, Menschen ohne einschlägige Vorbildung relativ gnadenlos in die Knie zu zwingen. Um die Musik von STAIRWAY TO VIOLET würdigen zu können, reicht es definitiv nicht, sich musiktechnisch schon mal in Breitband-Soundlandschaften des Post Rock verträumt oder das überlebensgroße Pathos des sehr echten Metals bereits mehrfach und routiniert vom inneren Film in edles Alltagshandeln überführt zu haben. Um es mit „Invictus“ sinnstiftend aufzunehmen, dazu bedarf es offenkundig mehr.

STAIRWAY TO VIOLET fordern

Die prinzipiell als Rocksongs angelegten Stücke ertrinken durchweg in einer Vielzahl an elektronischen Effekten. Nahezu jedes Riff pumpen STAIRWAY TO VIOLET so zur vermeintlich ganz großen Geste auf. Gitarre, Bass und Schlagzeug sind mit ihrem Klang nurmehr zu erahnen, gleiches gilt für die Stimme des Sängers. Gleichzeitig geht es in diesem hochartifiziellen Konstrukt lyrisch offenbar stets und existenziell um unverfälschte Emotionen, um alles dies- und jenseits der Teenage Angst.

In welchem Setting funktioniert so etwas? Oder eben: In welche Welt soll dich „Invictus“ entführen? Auf der Refrain-Melodie und dem „Ratatat-tatatatatat“ von „Love, Death And Pixie Dust“ schlitterst du vielleicht in die Aftershow-Party eines ELECRIC-CALLBOY-Auftritts bei „The Dome“. An anderer Stelle mag eine von Disney abgesegnete Inszenierung von ICE NINE KILLS winken. Oder BRING ME THE HORIZON im neunten Monat der Bedeutungsschwangerschaft.

„Invictus“ ist zu viel

Im Sinne der Band: Welchen Film untermalen STAIRWAY TO VIOLET mit „Invictus“? Es müsste wohl mindestens um das Multiversum gehen und aller Welten Schicksal liegt auf den Schultern des Protagonisten, der aber selbst ohne diese Quest schon taumelt (innere Zerrissenheit/Verlorenheit/Streben nach Echtheit in verlogener Welt etc.). Es hilft nichts: Es ist von allem zu viel.

Dennoch: Auf einzelne Stücke näher einzugehen, wäre wohl zu erwarten gewesen, ebenso ein sachlicherer Grundton. Denn Béla Klentze, beruflich Schauspieler und Sänger der Band, offenbart über das Ventil STAIRWAY TO VIOLET sein Innerstes: „Die Musik lebt in mir und schreit aus mir heraus.“ Das ist zu respektieren.

Sich herablassend über das Schaffen anderer zu äußern, ist tendenziell ohnehin bedauernswert. Und am Ende ist es vielleicht nur eine Altersfrage. Oder ein Metal-Magazin auch nicht das passende Medium für dieserart Musik. Eventuell ist ein Gang ins Kino zur Erweiterung des kulturellen Horizonts eine Idee. Wie auch immer: Nichts für ungut. Die Band findet kompetente Hörer:innen.

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20.06.2026

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1 Kommentar zu Stairway To Violet - Invictus

  1. doktor von pain sagt:

    „Oder ein Metal-Magazin auch nicht das passende Medium für dieserart Musik.“

    Das glaube ich auch. Für das, was er ist, klingt der verlinkte Song gar nicht schlecht.