
System Of A Down
Olympiastadion im Ausnahmezustand
Konzertbericht
Wer nach mehr als zwanzig Jahren ohne neues Studioalbum immer noch Stadien füllt, hat längst jede Diskussion über Relevanz hinter sich gelassen. SYSTEM OF A DOWN stehen mittlerweile an einem Punkt, an dem ihre Konzerte weniger von aktueller Promotion als von ihrer außergewöhnlichen Stellung innerhalb der Rock- und Metalszene leben. Der Auftritt im Berliner Olympiastadion zeigt eindrucksvoll, warum das so ist.

System Of A Down – Tour 2026 – photo by Clemente Ruiz
Starker Support
Bereits am frühen Abend sorgen ACID BATH und QUEENS OF THE STONE AGE für einen starken Auftakt. Vor allem bei QOTSA wird deutlich, dass viele Besucher längst nicht nur für den Headliner angereist sind. Zu „No One Knows“ wird bis in die hintersten Reihen mitgeklatscht, der Innenraum ist bereits bemerkenswert gut gefüllt.
Von 0 auf 100 in einem Song
Als SYSTEM OF A DOWN um 20 Uhr die Bühne betreten, benötigt die Band keine Aufwärmphase. Daron Malakian eröffnet den Abend, nach und nach komplettiert sich die Besetzung und das Olympiastadion explodiert praktisch vom ersten Moment an. Spätestens als „B.Y.O.B.“ erklingt, übernehmen die Fans große Teile des Gesangs. Die berühmte „Everybody’s Going To The Party“-Passage wird von Zehntausenden Kehlen zurück auf die Bühne geschleudert.
Überhaupt ist der Zuschauerraum an diesem Abend ein entscheidender Teil der Show. Circle Pits bilden sich nicht nur vor der Bühne, sondern an verschiedenen Stellen des Innenraums. Crowdsurfer ziehen durch die Menge, immer wieder brechen neue Bewegungswellen aus. Gleichzeitig wirkt die Stimmung positiv und gemeinschaftlich, wie ein großes Klassentreffen der Alternative-Metal-Generation.

System Of A Down – Tour 2026 – photo by Clemente Ruiz
Von musikalischer Sperrigkeit bis zu hymnischen Refrains
Musikalisch setzen SYSTEM OF A DOWN auf eine Mischung aus Fan-Favoriten und unverzichtbaren Klassikern. „Suite-Pee“, „Prison Song“, „Violent Pornography“, „Hypnotize“ oder „Aerials“ zeigen eindrucksvoll, warum die Band bis heute unerreicht klingt. Noch immer schafft es kaum eine andere Formation, politische Wut, absurden Humor, progressive Songstrukturen und unwiderstehliche Hooks so selbstverständlich miteinander zu verbinden.
Während Serj Tankian insgesamt fokussiert und stimmlich stark agiert, ist es vor allem Malakian, der der Show ihre permanente Dynamik verleiht. Gemeinsam mit Bassist Shavo Odadjian sorgt er für Bewegung auf der Bühne und hält den Kontakt zum Publikum. Besonders Odadjian wirkt, als wolle er jede einzelne Reaktion aus den Fans herauskitzeln.
Zu den sympathischsten Momenten des Abends gehört ein kurzer Auftritt am Schlagzeug. Während „Radio/Video“ sitzt ein Mädchen mit rosa Gehörschutz bei John Dolmayan auf dem Schoß. Ein unerwartet familiärer Moment inmitten einer ansonsten hochenergetischen Show.
Ohrenbetäubender Höhepunkt
Im letzten Drittel häufen sich die emotionalen Höhepunkte. „Lonely Day“ verwandelt das Stadion in einen riesigen Chor, bevor „Chop Suey!“ endgültig jede Grenze zwischen Band und Publikum einreißt. Kaum ein Song der letzten 25 Jahre besitzt im Metal- und Rockbereich eine vergleichbare Strahlkraft, und entsprechend laut fällt die Reaktion aus.
Der endgültige Schlusspunkt folgt mit „Toxicity“. Der Gesang des Publikums ist noch außerhalb des Stadions zu hören, der Jubel danach nahezu ohrenbetäubend. In solchen Momenten wird deutlich, warum SYSTEM OF A DOWN trotz ihres vergleichsweise kleinen Katalogs längst Legendenstatus erreicht haben. Nicht weil sie ständig präsent waren. Sondern weil ihre Songs auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Wucht verloren haben.
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| 10.07.26 | System Of A Down - Europa und UK Tour 2026System Of A Down, Queens Of The Stone Age und Acid BathOpen Air Park Düsseldorf, Düsseldorf |
Andrea Friedrich
































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