Syqem - A Closer Look At Yourself

Review

„Post Rock“ – gibt es ein Musikgenre, das man schwerer in allgemeine, gar konkrete Worte kleiden kann? Ich glaube nicht. Etwas Alternative und Indie lässt sich fast immer ausmachen, auch Einflüsse aus den Ursprüngen des Rock sind zu finden und fast immer ist auch irgendetwas ungewöhnliches dabei – seien es extraordinäre Instrumente oder obskure konzeptionelle Arrangements. Aber im Gegensatz zu solch griffigen Gattungen wie „True Metal“, wo einem schon die klischeetriefenden Coverbilder alles über die zu erwartende Musik verraten, ist man beim „Post Rock“ dann doch gezwungen, die CD völlig wert- und vorurteilsfrei in den Player zu werfen und sich einfach mal überraschen zu lassen.

Und so erging es nun auch der EP „A Closer Look At Yourself“ der jungen Hamburger Band SYQEM. Die Herren aus dem hohen Norden, die ihre Musik selbst als „Ambient Post Rock“ betiteln, erfüllen zumindestens einige der oben genannten Kriterien, aber lassen sich dennoch nur schwer genau charakterisieren.
[Dementsprechend auch meine nur bedingt zutreffende Stilangabe, aber irgendwas muss man ja leider auswählen…]
Eröffnet wird der gut zwanzigminütige Output von dem emotionalen „In My Pocket“ – „If you could only understand these words“ lautet der Leitsatz, der nur kurz von leichtem Klavierspiel getragen wird, um direkt danach von den losbrechenden härteren Instrumenten abgelöst zu werden. Bereits in den ersten Sekunden zeichnet sich auch die wunderschöne, feinfühlige Gesangsleistung von Sänger und Gitarrist Daniel ab. Sofort ist man gefangen von den empfindsamen Melodien, dem dynamischen Bassspiel und der vertrackten Gitarrenarbeit. In den fast sieben Minuten wird man immer wieder durch die unterschiedlichsten Gefühlswelten geschickt und begegnet dabei sowohl viel Sensibilität, als auch nackter Aggressivität. In diesen erzürnten Momenten entwickelt sich dann auch der Gesang weg von den harmonischen Klängen hinein in ein dem „Emocore“-eigentümliches Geschrei, was mir persönlich allerdings weniger beliebt.

Die anderen drei Songs auf „A Closer Look At Yourself“ schlagen in eine prinzipiell ähnliche Kerbe – immer wieder überführen SYQEM den Hörer in einen musikalischen Mikrokosmos, der fast jede menschliche Empfindung abzudecken scheint. Unterstützt wird das ganze von Klaviermelodien, elektronischen Elementen, Delay-durchzogenen Gitarren und einer angenehm wandelbaren Schlagzeugarbeit. Wie schon eingangs erwähnt ist es insbesondere der anmutige Gesang, der die Musik SYQEMs zu etwas Speziellem werden lässt – vor allem „Interested In You“ zeigt eindrucksvoll das beträchtliche stimmliche Spektrum auf.

Doch trotz des positiven Gesamteindruckes, offenbaren sich auch bei den fünf jungen Herren noch ein paar kleinere Unzulänglichkeiten, beziehungsweise einfach Aspekte, die meiner Meinung nach nicht so ganz in das restliche akustische Geschehen passen wollen. So gefällt mir der (erfreulicherweise nur sporadisch eingesetzte) Kreischgesang nur bedingt und auch das Riffing könnte beim nächsten Mal vielleicht noch ein wenig Schliff vertragen, da es – vor allem im Vergleich zu Bass und Schlagzeug – auf die Dauer doch etwas ereignis- und farblos daherkommt. Nichtsdestotrotz haben SYQEM mit ihrer aktuellen EP ein recht beachtliches Werk geschaffen und da ihr das gute Stück für nicht einmal fünf Euro erwerben könnt, kann ich ohne schlechtes Gewissen eine Kaufempfehlung aussprechen. Aber am Besten macht ihr euch noch rasch selbst ein Bild und hört euch die Ausschnitte auf www.myspace.com/syqem an!

20.05.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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