The Atlas Moth - Coma Noir

Review

THE ATLAS MOTH frönen hierzulande leider immer noch ein Nischendasein, dem folglich die große Bühne verwehrt geblieben ist. Dabei haben sie anno 2011 in Form von „An Ache For The Distance“ ein herausragendes Werk geschaffen – das sie mit dem Nachfolger „The Old Believer“ (2014) leider nicht bestätigen konnten. Schon damals wich die außerweltliche Stimmung einem größeren Fokus auf rockigere Elemente, die auf „Coma Noir“ noch präsenter sind.

THE ATLAS MOTH präsentieren sich aggressiver und schneller als je zuvor

Der Entwicklungsschritt ist für THE ATLAS MOTH selbst vielleicht der richtige gewesen. Immerhin bestätigt dies schon der Opener und gleichzeitige Titelsong „Coma Noir“, der sich ungewohnt aggressiv präsentiert. Recht flottes Tempo, bissige Vocals und nur immer wieder aufflackernde Melodien gibt es zu hören, die gleichzeitig aber eindeutig die Handschrift der Band tragen. Obendrein höchst emotional dargeboten, ist dies ein großartiger Einstieg, der spätestens beim gesanglichen Einstieg von Gitarrist David Kush einen ersten stimmungsvollen Höhepunkt bietet. Qualitativ fallen THE ATLAS MOTH zunächst trotz hinzugewonnener Schroffheit nicht. Einerseits ist das sehr eigene, aber gewohnt starke Keifen von Stavros Giannopoulos (u.a. CHROME WAVES, ex-TWILIGHT) ein Trademark, das der Musik ein kraftvolles Element beifügt. Andererseits ist Songs wie „Galactic Brain“ die weltfremde Sci-Fi-Stimmung zueigen, die sich mit Doom- und Sludge-Elementen zu einem atmosphärischen Ausflug der Extraklasse verschmilzt und ihre Stärken auch immer in den einprägsamen, klargesungenen Momenten findet.

Über weite Strecken gelingt es THE ATLAS MOTH so, wieder fesselnder als auf dem direkten Vorgänger zu wirken. Auch wenn, wie in „Actual Human Blood“, geringfügig moderne Metal-Einflüsse Raum gewinnen, wirkt es eher frisch, als dass sich die Chicagoer anbiedern würden. Und trotzdem geht in der zweiten Hälfte ein bisschen des Zaubers verloren. Zu präsent sind die harschen Gitarren, die gerade in Songs wie „Smiling Knife“ und „Furious Gold“ in sludgigen Sphären abgehakt schrammeln. Zu abstinent die dunklen Melodien und Synthies, die „The Frozen Crown“ im Anschluss noch einmal zu einem Achtungserfolg verhelfen. Zum Abschluss beweist „Chloroform“ noch einmal, wie die Mischung aus härteren Kanten und eindrucksvoller Verspieltheit mit dem Fokus, Stimmungen zu transportieren, aussehen kann. Eine Mischung aus schweren Gitarren und im Hintergrund aufflackerndem Saxophon sowie typischen THE ATLAS MOTH-Leads versöhnt für kurze Ausrutscher.

„Coma Noir“ hat eine Reihe fesselnder Songs auf Lager

Letzteres sollte man nicht falsch verstehen. Denn auch hier lässt das Sextett wenig Zweifel an ihrer Klasse aufkommen. Trotz allem ist die Entwicklung von THE ATLAS MOTH nicht von der Hand zu weisen und die stimmt, zumindest mich, nicht vollends zufrieden. Schön aber, dass sich auch auf „Coma Noir“ eine Menge fesselnder Songs finden, die eine klare Handschrift offenbaren und gerade deshalb gehört werden sollten – diese Platte ist kein Pflichtkauf, aber ein Album, das in gut sortierten Post-Metal-/Sludge-Sammlungen eine kleine Lücke hinterlassen würde.

17.03.2018

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