Thesyre - Exist

Review

Ein kurzer prägnanter Titel ziert das wenig aufwendige, dennoch aber wirkungsvolle Cover der neuen THESYRE-Platte „Exist“. Das strikte Gegenteil ist der Inhalt dieses gewagt experimentellen Albums – das diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient, ist es doch viel mehr eine überdimensionierte EP. Das Osmose Productions-Debut umfasst beinahe 33 Minuten Spielzeit, und – festhalten: Nur einen Song! THESYRE sind mit Sicherheit nicht die ersten, die dieses Wagnis in extremeren Metal-Gefilden wagen, doch fällt mir spontan kein Vergleich ein, der diese Länge erreicht. Die vorliegende Promo-CD enthält zwei Versionen von „Exist!“ mit einer zeitlichen Differenz von 2 Sekunden, sowie einen Radio-Edit, der mit nichtmals 3 Minuten allerdings etwas zu kurz ist und den Inhalt in keinsterweise repräsentieren kann.

Anstatt auf schleppende, schwarzmetallische Monotonie zu setzen, gehen die Kanadier einen Schritt weiter und verlassen sich nicht auf Altbewährtes, sondern wiederholen nur wenige essenzielle Riffs mit unbarmherziger Schlagkraft, setzen Prioritäten und öffnen ihre Box der Pandora, indem sie dem Hörer nervenzerfetzende Sechssaiter-Spielereien, wispernde, französische Textpassagen, ein zu Beginn nihilistisch wirkendes Lyrik-Gewand ins Trommelfell jagen. Insbesondere die kristallklare und druckvolle, morbide Produktion vervollständigt den atmosphärischen Gesamteindruck. Zur Hälfte dramatisiert sich die entstandene Stimmung, verliert sich in technoid anmutenden Synthesizer-Sequenzen, um nach wenigen Minuten akustisch den zweiten Akt einzuläuten. Der hasserfüllte, menschenverachtende Gesang wird beibehalten, wirkt aber noch agressiver und anklagender als zuvor, wird gelegentlich von chor-artigem Klargesang unterbrochen, während die Gitarren, vom wuchtigen Bass begleitet, repetitiv und treibend, schlussendlich den Sieg der lyrischen Individualität und des menschlichen Egoismus verkünden. Zum Ende hin wird die Geschwindigkeit noch einmal erhöht um schlussendlich noch den letzten Spritzer irrwitziger Energie entkommen zu lassen, so dass „Exist“ zum wohlverdienten Finale kommen darf, das den Hörer nach einer halben Stunde zurück ins Leben wirft, mit einer zwar plakativen, aber mindestens genau so wichtigen Aussage: Genieße das Leben, denn gestorben wird ohnin, also: Existiere!

Hoffentlich nehmen THESYRE sich die eigene Aussage zu Herzen und weilen noch lange genug unter uns, um ein weiteres Album von diesem Schlag zu veröffentlichen.

05.12.2006

Der metal.de Serviervorschlag

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