Time Has Come - The Bleeding

Review

Kollege Matthias Olejnik fand vor knapp sechs Jahren nicht viele lobende Worte für das Debüt der Hamburger Djentcore-Jungs TIME HAS COME. Von „Wahnsinnsbrei“ und „kaum sinnvoll erkennbaren Riff-Mustern“ war da unter anderem die Rede. Nun – einige Besetzungswechsel und eine längere Selbstfindungsphase später – legt der Fünfer mit „The Bleeding“ sein Zweitwerk vor. Und in der Tat präsentieren sich die Mannen aus dem Norden darauf merklich gereifter und strukturierter als noch auf dem Erstling „White Fuzz„.

Die Hamburger servieren nach wie vor eine technisch sehr präzise und ziemlich unbarmherzige Kost, wobei die Platte insgesamt aber einen aufgeräumten Eindruck macht, sprich: Anno 2014 von einem „Wahnsinnsbrei“ zu sprechen, wäre alles andere als fair. Das Strickmuster für „The Bleeding“ könnte man letztlich wie folgt zusammenfassen: Äußerste Härte und Vehemenz in der Riffarbeit, wüste Breakdowns, rüdes Gebrüll und messerscharfes Drumming. Vor allem die beiden Gitarristen Dennis Kayzer und Nils Bardowicks malträtieren sehr ausdauernd und auf gnadenlose Weise ihre abartig runtergestimmten Klampfen.

Alles gut also? Eher nicht. Denn die Scheibe hat zwei schwerwiegende Schwächen: den fürchterlich eintönigen Gesang von Fronter Chase Chypka und die überwiegende Gesichtslosigkeit des Songmaterials. Zum ersten Punkt muss zunächst gesagt werden, dass es dem Sportfreund Chypka wirklich nicht am nötigen Einsatz mangelt – der Mann brüllt und schreit, als gebe es kein Morgen. Leider bewegt er sich dabei innerhalb eines derart beschränkten Tonumfangs, dass sich bereits nach wenigen Minuten ein gewisser Nerv-Faktor einstellt. Die wenigen Momente, in denen Chypka mit gewisser Dynamik zu arbeiten versucht, klingen zudem alles andere als überzeugend. Hinzu kommen die teils arg platten Texte, die sich oft aus Standard-Bla-Bla wie „Open your eyes and look what you’ve done“ zusammensetzen und insgesamt wenig Substanzielles bieten.

Handwerklich gibt es ansonsten wahrlich nichts zu meckern: Vor allem Drummer Sören Teckenburg muss in diesem Zusammenhang lobend erwähnt werden. Mit großer Versiertheit und wie ein Uhrwerk hackt sich der Mann durch die Songs – Respekt für diese starke Performance! Allerdings – und damit kommen wir zum zweiten großen Schwachpunkt der Scheibe – bleibt von den reichlich 40 Minuten auf „The Bleeding“ am Ende kaum etwas hängen. Hier und da – beispielsweise im zu Beginn atmosphärischen „A Made Man“ oder dem phasenweise irrwitzig schnellen „The Colour Of Love“, das fast schon Tech-Death-Ausprägung besitzt – können TIME HAS COME den Hörer bei der Stange halten. Gleiches gilt mit Abstrichen für den schleppend walzenden, zehnminütigen Schlusstrack „Whithout Or With You“. Ansonsten scheppert die Scheibe größtenteils zwar äußerst brutal, aber eben auch wenig spannend dahin.

Bei einigen Tracks („Dark Passenger“, „Kings Of The Night“, „The Colour Of Love“) standen zudem ganz offensichtlich ION DISSONANCE mit ihrem Überalbum „Minus The Herd“ Pate – deren Niveau erreichen die Hamburger letztlich auch in technischer, keinesfalls aber in songschreiberischer Hinsicht. Und so bleibt ein Album, das zwar große Ambitionen und handwerkliches Können widerspiegelt, sich letztlich aber in die lange Riege von Durchschnittsplatten im Djent-Segment einreiht. Schade.

20.02.2014

"Am Ende isses immer Arbeit."

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