Inside The Wire
Interview mit Achim Ostertag

Special

The Dark Site geht hinter die Kulissen – die Interviewreihe „Inside The Wire“ widmet sich einigen Tätigkeitsbereichen im Musik- bzw. Metalbusiness, von denen der Fan normalerweise nicht allzu viel mitbekommt. Also versuchen wir mit einigen interessanten Interviewpartnern Licht in dieses Dunkel zu bringen!


Inside The Wire

Da ich mich schon immer dafür interessiert hatte, was ein Festivalveranstalter so alles zu beachten hat, habe ich mich kurzerhand mit Achim Ostertag (Summer Breeze Festival) in Verbindung gesetzt, um ihm ein paar Antworten aus den Rippen zu leiern. Es ist leider nicht ganz so ausführlich ausgefallen, wie ich es mir gewünscht hätte, aber trotzdem sind einige interessante Antworten dabei herausgekommen.

Was ist deine Jobbezeichnung, bzw. welche Postition hast du in Bezug auf das Festival?

Ich kümmere mich zusammen mit meinem neuen Geschäftspartner Michael Trengert um die gesamte Organisation.

Hast du eine Ausbildung/Weiterbildung im Bereich „Veranstalter“ mitgemacht?

Ja, ich habe bei EBAM eine Ausbildung zum Musikkaufmann gemacht, sowie mehrere Seminar der Rockstiftung Baden Württemberg besucht.

Wieviel Zeit nimmt die Planung für das Festival in deinem täglichen Ablauf in Anspruch?

Schwer zu sagen, den ich habe ja auch noch die Plattenfirma. Alles in allem bin ich ca. 10 Stunden am Tag beschäftigt, und am Wochenende vielleicht jeweils 5 Std.. Die zwei Monate vor dem SUMMER BREEZE sind es dann meistens 15 Std am tag, und das 7 Tage die Woche!

Beschäftigt dich das Festival das gesamte Jahr über?

Ja, auf jeden Fall!

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An wen wendest du dich, wenn du Rat/Unterstützung bezüglich des Festivals brauchst? Gibt es Anlaufstellen oder Informationsquellen, die du einem angehenden Festivalveranstalter empfehlen würdest?

Eine Offizielle Stelle hierfür gibt’s nicht, die Kurse von der EBAM sind aber sehr zu empfehlen. Ich habe nen recht guten Draht zu Horst (vom BANG YOUR HEAD) und zu Holger (vom WACKEN), welche ich natürlich auch öfters mal um Rat frage. Außerdem ist mein Geschäftspartner Michael Trengert auch sehr erfahren in der Musikbranche, so das dies eigentlich passt!

Wann beginnt für dich/euch die ‚heiße‘ Phase und was ändert sich ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf den Arbeitsaufwand und Arbeitsbereich?

Das kann man so nicht sagen, den es wird natürlich von Woche zu Woche mehr Arbeit, je näher das Festival rückt. Wir haben jetzt gerade mal Januar und noch 7 Monate Zeit, und langsam wird’s schon mehr Arbeit! Nach Neujahr merkt man z.B. richtig, dass es nen Schub in Sachen Bandbooking gibt!

Was ist deine Aufgabe während der Festivaltage? Ziehst du entspannt im Hintergrund die Fäden, oder bist du 24 Stunden am Löcher stopfen?

Ich versuche das aus dem ganzen Chaos, dass bei so einem Festival herrscht, organisiertes Chaos draus wird. Zurücklehen ist leider nicht, egal wie gut man sich davor drauf vorbereitet hat!

Wie ist es dazu gekommen, das du die Postition des Festivalveranstalters eingenommen hast?

Ich war schon immer der Veranstalter des SUMMER BREEZE Festivals. Die Idee entstand, weil ich mit meiner damaligen Band immer auf Festivals auftreten wollte, uns aber nie jemand genommen hat. Da hab ich eben mein eigenes organisiert. Wir waren damals noch ne große Clique, und alle waren begeistert bei der Sache!

Was waren für dich die wichtigsten Punkte in Bezug auf Ablauf/Planung beim ersten Festival, das du veranstaltet hast?

Keine Ahnung mehr, dass war damals das pure Chaos! Das erste SB war 1997, damals noch im Zelt und nur zwei Tage, und es war so ein Desaster, dass es erst 1999 wieder ein SUMMER BREEZE gab!

Hast du dir Gedanken um die rechtliche Seite gemacht? Wie hast du dir Sicherheit/Klarhaft verschafft?

Nee, natürlich nicht, wir waren all 16 – 18 Jahre alt, und wir wollten einfach ein Festival machen!

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Was sind deiner Meinung nach die Punkte, die am gewichtigsten sind und somit vorrangig zu klären?

Natürlich muss ein gutes Programm geboten werden, sonst kommt niemand, dann brauchst Du nen passenden Platz inkl. Campingplatz. Der Sound und die Bühne müssen auch passen. Aber natürlich muss auch ein gute Security vor Ort sein, und eine passende Veranstalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Es gibt eigentlich keinen wichtigsten Punkt, den im Endeffekt muss alles zu 100% passen, sonst bekommst Du irgendwo Probleme!

Wie sieht es mit der finanziellen Seite aus? Wie organisiert ihr die Gelder für das Festival? Kann man sich gegen das finanzielle Risiko eines Festivals absichern?

Das finanzielle Risiko kann man nie absichern, wir versuchen uns natürlich durch Sponsoren usw. etwas Geld im Vorfeld zu beschaffen!

Kannst du ungefähre Zahlen nennen, in welchen finanziellen Dimensionen sich das erste Summer Breeze bewegte? Wachsen die Kosten proportional zu den Besucherzahlen per Festival mit?

1997 waren die Gesamtkosten natürlich noch dementsprechend niedrig! Ich glaube das waren 5000,- EURO. Aber es waren ja auch gerade mal 300 Besucher pro Tag da! Die Kosten sind natürlich auch ganz anders zu berechnen, dass lässt sich nicht so einfach hochrechnen! Sonst wären wir jetzt alle reich! ;o)

Gibt es deiner Meinung nach Kosten/Ausgaben, die man anfänglich leicht übersieht/unterschätzt?

Ja, es gibt eigentlich bei so nem Festival viele Ecken, wo man während der Veranstaltung noch Kosten hat, die man vorhin nicht so recht einschätzen kann! Dies hat schon so manchem Veranstalter das Genick gebrochen!

Würdest du die Atmosphäre zwischen Festivalveranstalter und z.b. Catering, Bands/Labels, Grundstückseigentümer, Security eher als entspannt/professionell einschätzen, oder sollte man als Neueinsteiger im Festivalgeschäft sehr vorsichtig sein, um nicht über den Tisch gezogen zu werden?

Vorsichtig muss man als Neueinsteiger natürlich immer sein. Man muss sich eben genau umhören, und auf die richtigen Leute vertrauen!

Wie ist die Beziehung zu anderen Festivalveranstaltern? Tauscht man gelegentlich Neuigkeiten aus? Redet ihr darüber, welche Bands ihr bucht oder welche Caterer nicht zu empfehlen sind? Kurzum – ist die Atmosphäre freundlich oder eher angespannt?

Zu den meisten ist es eigentlich ein sehr entspanntes Verhältnis! Neid oder so, gibt’s eigentlich nicht!

Wie bereitet ihr euch auf kritische Sitationen während des Festivals vor ? (z.b. Krawalle, starke Unwetter, …)

Beten!

Wie wichtig ist deiner Meinung nach der Kontakt zu den Fans/Festivalbesuchern im Vorfeld? Wie wichtig schätzt du das Marketing für ein Festival ein, bzw. sollten/dürfen die Ausgaben für Werbung einen nennenswerten Anteil an den Gesamtausgaben ausmachen?

Der Kontakt zu den Fans ist mir persönlich sehr wichtig, da ich ja selbst auch die Musik liebe! Ich lass mich desöfteren im Chat auf unsrer Homepage blicken, oder versuche die Wünsch und Anregungen der Fans übers Forum umzusetzen!

Ohne Werbung läuft natürlich gar nichts, das ist neben Bands und PA/Bühne der größte Batzen auf der Ausgabenseite!

Macht ihr euch Gedanken darüber, ob Anregungen der Festivalbesucher (vor Ort oder im Vorfeld im Forum) umgesetzt werden können?

Klar, wie gesagt hier versuche ich auch oft durch eigene Einträge in Forum, die Meinung der Fans herauszufinden!

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Was würdest du jemanden ans Herz legen, der selbst ein Festival auf die Beine stellen will?

Einfach machen, der Rest kommt dann von alleine! Ich hätte selbst nie gedacht, dass das SUMMER BREEZE jemals diese Größe bekommt! Man wächst mit dem Festival!

Nach all den allgemeinen Fragen, interessiert mich natürlich auch der Stand des diesjährigen Summer Breeze Festivals. Wie siehts aus ? Gehen die Planungen für das Summer Breeze 2003 wie geplant voran?

Ja, es läuft alles bestens, wir sind sehr gut im Plan!

Ihr habt bereits jetzt ein unglaublich attraktives Band Billing. Kannst du bereits absehen, ob da noch irgendwelche Publikumsmagneten dazukommen?

Auf jeden Fall, aber näheres kann ich noch nicht sagen, da diese noch nicht 100%ig bestätigt sind!

Man hörte im letzten Jahr immer wieder, daß das Festivalgelände zu klein geworden sei und das Festival umziehen wird. Entspricht das der Wahrheit?

Nein, wir werden erstmal auf dem Platz bleiben, und dass Ganze lieber limitieren, sprich bei 12.000 Besuchern am Tag ist Schluss, so bleibt das Ganze wenigsten Familiär und gemütlich!

Habt ihr grundlegende Änderungen am Summer Breeze geplant, oder bleibt es im Großen und Ganzen so wie es 2002 war?

Wir werden alles dran setzen, dass die Campingplätze so nahe ans Gelände kommen, dass der Bus Shuttle wegfällt! Außerdem werden freundlichere Securitys geholt!

Wer näheres zum Summer Breeze erfahren will, kann sich auf der Festival Homepage genauer Informieren.

15.03.2003

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