Ion Dissonance
Clash zu "Cursed"

Special

Wie üblich war der Weg in die Chefetage des metal.de-Haupthauses ein etwas längerer, aber wenn der Chef ruft, haben die Schergen zu springen, so lautet das Gesetz. Ich ahnte bereits, dass es um meine schriftliche Verneigung vor „Cursed“ ging, dem neuen Album von ION DISSONANCE, denn das Raunen in den Redaktionsräumen war nach Veröffentlichung meines Artikels unüberhörbar. Es ist nicht üblich, dass sich gemeine Redakteure in die heiligen Hallen wagen, aber in meinem Falle war es sozusagen Ehrensache. Ich konnte diese Disserei nicht gelten lassen, und manchmal muss man auch mal den Chef zur Rede stellen, selbst wenn man dazu in den 27. Stock fahren muss. Folgendes Gespräch zeichnete ich heimlich mit meinem Diktiergerät auf…

Ion Dissonance

Bastian: Sagen Sie mal Herr Sickman, halten Sie ION DISSONANCE wirklich für das Aushängeschild für Bands, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihren Hörern mal eingängig und mal hochkompliziert den Vorgarten umzupflügen? Da fallen mir doch noch einige Bands mehr ein, die genauso auf’s Polarisieren aus sind, wie der Autowäscher auf’s Polieren. Wie wäre es denn mit dem Totschlagargument MESHUGGAH? Ja, ich weiß, die leben NICHT in Kanada!

Sickman: Liebste beta-Maus, sprechen Sie nicht von Dingen, denen sie nicht gewachsen sind. MESHUGGAH spielen in einer ganz anderen Kategorie und polarisieren schon länger nicht mehr. Davon mal ab träumen diese nur noch davon, so kompliziert zu sein wie eben ION DISSONANCE. Und ja, sie leben nicht in Kanada, deshalb keine Blasphemie bitte!

Bastian: In einem muss ich Ihnen Recht geben: Nach dem Magenblei namens „Minus The Herd“ stellt „Cursed“ tatsächlich eine Steigerung dar – eine Steigerung in Planlosigkeit und Langeweile. Unfassbar, dass man zu einer Platte, die eigentlich Hirnmasse zu Hackfleisch verarbeitet, dermaßen gut einschlafen kann!

Sickman: Was Ihnen nicht bekommt, lassen Sie gefälligst aus dem Hals! Eine Planlosigkeit kann ich höchstens Ihnen attestieren, denn sie kapieren nicht einmal im Ansatz das, was die Burschen da zusammenfrickeln. Wie wäre es denn mal mit einem konzentrierten Hördurchgang ohne dass Sie sich dabei an den Murmeln spielen?! Das braucht das Album nämlich.

Bastian: Ich darf Sie doch zitieren: „Zwischen vertracktem, sturem Riffing, gelegentlichen Blast-Schüben und (vom Gefühl her) unendlich vielen Breakdowns und Stop-And-Go-Parts wühlen sich die Nordamerikaner Track für Track durch „Cursed“ und vernichten dabei so ziemlich alles, was man an ’normaler‘ Musik schätzt. Melodien? Fehlanzeige! Eingängige Refrains? Überhaupt nicht! Nachvollziehbare Song-Strukturen? Nein!“
Und jetzt verraten Sie mir doch mal, warum ich so eine Platte kaufen soll? Wenn ich nochmal zu MESHUGGAH rüberschielen darf – die haben wirklich vorzüglichen Kopfsalat zubereitet, sehr lecker, sogar mit Strukturen, Melodien und echten Songs! Wenn ich mir so ein Gekloppe wie auf „Cursed“ anhören will, schmeiße ich doch lieber Ziegelsteine in die laufende Waschmaschine! Das rummst!

Sickman: Nun, „Cursed“ ist wahrlich mit gehobener Mathematik zu vergleichen. Meine Angaben machen klar, dass man nicht leichtfertig an dieses Album herangehen darf. Man ist quasi dazu gezwungen gewissermaßen vorausahnend einzusteigen, ansonsten erlebt man hier den Comic-Effekt der großen Fragezeichen in den Augen.

Bastian: Es war ja sonnenklar, dass Sie mit dem letzten Absatz Ihres Reviews wieder diese ewig gleiche Leier vom „technisch fantastischen Werk“ aus dem Hut ziehen. Mann, mit dieser abgekauten Ausrede kann ich wirklich jede Scheiße zu Gold machen. Nicht das ION DISSONANCE eine Mogelpackung wären oder mich überhaupt nicht berührten – aber warum soll ich denn erst einen akustischen Marathonlauf absolvieren, wenn ich doch nur mal eine Dreiviertelstunde Musik hören will?

Sickman: Hören Sie halt weiter RONAN KEATING, der gibt ihnen die nötige Portion Weichspüler. ION DISSONANCE wollen, dass Sie laufen und schwitzen; sie wollen mit Sicherheit nicht, dass Sie mit dem Fuß dazu wippen und sich nebenbei, während sie mit der Großmutter telefonieren, die Nasenhaare schneiden. Die Ansage lautet: Hinsetzen, zuhören und vor allem: Maul halten!

Bastian: Einer geht noch: Warum ist ausgerechnet der Bonustrack „Pallor“ besser als das gesamte Album? 🙂

Sickman: Für Sie schon, weil das der einzige Track ist, auf dem ION DISSONANCE ihren Weg verlassen und Muschi-Parts bringen. Genau das Richtige für einen Technikbanausen wie Sie. Aber wahrlich… das Stück ist nicht übel, da muss ich Ihnen dann doch Recht geben, auch wenn es in Sachen Intensität nicht mit dem Rest mithalten kann. Was is’n jetz‘, ’n Bier oder was?!

Bastian: Mensch, sie alter Knatterkopp, warum denn gleich so persönlich? Ich habe doch auch nix dagegen, wenn die Jungs sich in ihrer Freizeit die Finger auf den Saiten verbiegen. Außerdem mag ich Technik – alle Männer lieben Technik! Und Bier – also her damit!

05.09.2010

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