Krypteria
Listening Session zu "All Beauty Must Die"

Special

KRYPTERIA haben wirklich bisher eine starke Karriere hingelegt. Vor gerade einmal sechs Jahren gegründet, erhielten sie gleich für ihre erste Single “Liberatio“ Gold, haben schon zwei mal in Wacken gespielt und sind in Asien und Südamerika ebenso eine große Nummer, wie in ihrer deutschen Heimat. So ganz nebenbei hat das Quartett bisher auch noch drei Alben und eine EP veröffentlicht und wird im April das nächste Werk “All Beauty Must Die“ nachlegen. Jenes präsentierte die Band unlängst in ihrem eigenen Kölner Studio und wir bekamen die Gelegenheit, uns, während wir uns auf gemütliche Leder-Sofas lümmelten, einen ersten Eindruck zu verschaffen.

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Los geht das neue Machwerk gleich mit einem Knaller: “Messiah“ ist eine Up Tempo–Nummer, die direkt nach vorne losgeht. Hier machen KRYPTERIA unmissverständlich klar, dass ihre Wurzeln im Metal liegen. Der knackig-rockende Rhythmus animiert zum Kopfnicken und die Riffs fliegen dem Hörer nur so um die Ohren. Dennoch kommt bereits hier jener für die Band typische Bombast zur Geltung, der einen schönen Kontrast schafft.

“As I Slowly Bleed“ ist dagegen schon wesentlich elegischer. Zarte Melodien und vor allem die gefühlvolle Gesangstechnik von Ji-In heben den Hörer in andere Sphären. Allerdings verzettelt sich der Track auch nicht in diesen Elementen, sondern holt einen trotzdem mit einer direkt–rockigen Note ab.

Den ersten Höhepunkt stellt dann “Fly Away With Me“ dar. Der Song überzeugt mit harmonischen Melodien, die hauptsächlich von den Gitarre vorgetragen werden. Chris trägt allerdings nicht nur die für diese Stilistik üblichen Riffs vor, sondern zeigt auch eine andere Seite. Seine Arbeit wirkt mutig-modern: Einige New Metal–Einflüsse stehen in einem gelungenen Arrangement neben den üblichen Gothic Metal–Elementen, was dem Ganzen eine sehr ansprechende Note verleiht.

Mit “You Killed Me“ zeigen KRYPTERIA dann wieder ihre metallische Seite. Der basslastige Track basiert vor allem auf gelungener Rhythmus-Arbeit, die den ein oder anderen Konzert-Besucher zum Haare schütteln animieren wird.

Etwas melodisch-gotischer geht es hingegen schon wieder bei “I’ll Live To Fight Another Day“ zu Werke. Emotionen und Melodien werden hier groß geschrieben. Vor allem der ausdrucksstarke Gesang von Ji-In und die gefühlvollen Lyrics sorgen für eine fast schon nachdenkliche Stimmung, die von den Instrumentalisten mit passenden Melodien unterstützt wird. Dazu wartet der Song noch mit einem Solo auf, das auch aus dem klassischen Heavy Metal stammen könnte und einen passenden Kontrast bildet.

Jeder Fan des Female Fronted Metal dürfte sich besonders bei “The Eyes Of A Stranger“ wohl fühlen. Dabei bietet der Track hauptsächlich die traditionellen Elemente des Genres: Schnelle und mitreißende Gesangs-Parts treffen auf bombastische Chöre. Flankiert wird dieses Konzept wiederum von treibender Rhythmus-Arbeit und gelungener Melodieführung. Höhepunkt des Songs ist ein wirbelndes Drum-Solo, das den ein oder anderen aus den Socken hauen dürfte.

Anhänger der heftigeren Gangart kommen dann wieder bei “Thanks For Nothing“ auf ihre Kosten. Die Doublebass von Drummer S.C. Kuschnerus galoppiert aggressiv vorweg. Währenddessen sorgen Gitarrenmelodien für die nötige Eingängigkeit. Aber auch Sängerin Ji-In trägt zu diesem Eindruck bei. Als eine eigentlich von Natur aus eher zarte Vokalistin zeigt sie, dass sie auch ganz anders kann. Die angepisste Grundhaltung des Songs bringt sie bestens rüber. Das zweistimmige Solo erinnert hingegen schon fast an glorreiche IRON MAIDEN–Zeiten.

Seine ruhige Seite präsentiert das Quartett mit “Turn The World Around“. Der Song ist mit tollen Piano-Melodien versehen und schafft eine wunderbare Atmosphäre. Im richtigen Moment rockt er dann aber doch noch los und mutiert zu einer rockig-emotionalen Halbballade. Das wirklich besondere sind aber die New Metal-Elemente, die ganz leicht schon in der Instrumentenarbeit durchscheinen. Wenn Drummer S.C. Kuschnerus dann aber auch noch seine Künste auf dem Gebiet des Sprechgesangs beweist, fühlt sich der Hörer zunächst überrascht, fast überfahren. Nach wenigen Momenten schlägt dieser Eindruck in Begeisterung um, weil sich dieser Part so nahtlos und passend in den Rest des musikalischen Materials einfügt.

 

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An nächster Stelle ist dann wieder Kontrast angesagt: “Higher“ ist ein stark am Rhythmus orientierter Rocker. Eingängigkeit und Direktheit stehen hier im Vordergrund. Das Highlight des Songs ist aber sicherlich das Battle zwischen gleich drei Gitarristen im Solo-Part. Denn neben dem etatmäßigen Gitarristen Chris haben auch dessen Live-Vertretung Oli und Tobias “Eggi“ Exxel (EDGUY) einige Takte beigesteuert.

Auch “Victoria“ kann mit einem besonderen Gast aufwarten. Ji-In singt hier nicht alleine, sondern präsentiert ein Duett mit DORO, das musikalische Kontraste lebt. Die Queen Of Metal zeigt natürlich ihren Heavy Metal–Stil und wird auch entsprechend durch treibende Rhythmen und klassischen Riffs unterstützt. Ist jedoch die etatmäßige Sängerin an der Reihe wird es etwas gefühlvoller und auch elegischer. Mit seiner Art, zwischen guten altem Metal und modernem Bombast zu schweben, ist dieser Track vielleicht ein Paradebeispiel, um den Stil von KRYPTERIA zu beschreiben.

Natürlich darf auch eine reine Ballade nicht fehlen, die auf “All Beauty Must Die“ in Form von “How Can Something So Good Hurt So Bad“ daher kommt. Die Saiten-Franktion liefert wundervolle gepickte Melodien ab. Diese stellen aber nur das Gerüst dar, über das Ji-In ihre emotionale Gesangsarbeit spannt, die ein ums andere Mal für Gänsehaut sorgt und den Hörer fast schon körperlich mit der Protagonistin des Songs mitfühlen lässt.

Den Schlusspunkt stellt dann “The Eye Collector“ dar. Und für den Schluss haben die Kölner sich eine wahrhaft großartige Nummer aufgehoben! Das knapp zwölf Minuten lange Longtrack ist inspiriert vom Thriller “Der Augensammler“ des Berliner Autors Sebastian Fitzek. Horror-Rock trifft hier auf Stadion Glam der 80er Jahre und hymnischen Melodic Metal. Dabei singt jedes der Band-Mitglieder mindestens eine Strophe, was für Abwechslung sorgt. Höhepunkt ist dann ein bittersüßer Piano-Part, der sich musikalisch nicht hinter den großen Komponisten der modernen Klassik verstecken muss. An dieser Stelle wird überdeutlich, dass Ji-In studierte Pianistin ist.

Auf dem Digipak finden sich zudem noch zwei Bonus-Tracks. Eine moderne Interpretation von “Get The Hell Out Of My Way“ und jene Piano-Version von “Liberatio“, die dem ein oder anderen auch schon von den Konzerten der Combo bekannt sein dürfte.

Insgesamt präsentierte sich die Band an diesem Abend nicht nur sehr sympathisch, sondern auch ein starkes neues Album. Mit “All Beauty Must Die“ zeigen KRYPTERIA einmal mehr, dass ihre Stärken in der Verbindung von Metal–Elementen und gotischem Bombast liegen. Sie wagen es allerdings auch, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und moderne Fragmente einzubauen, die für eine gewisse Frische und den ein oder anderen überraschenden Moment sorgen. Dazu wird überdeutlich, dass alle vier erfahrene Musiker sind. Vor allem die Arrangements sind wirklich großartig und spannend. Dieses Album fordert geradezu dazu auf, es mehrmals zu hören. Es warten eine Menge Details darauf, entdeckt zu werden. Ein Durchgang kann dazu gar nicht ausreichen. Deshalb dürfen wir auf das offizielle Release der Platte mehr als gespannt sein!

21.03.2011

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