Monatsrückblick Mai 2017
Die besten Highlights, die größten Gurken im Mai

Special

Nicht schon wieder …

… dürfte so mancher angesichts der Terrorwarnung rund um das Rock am Ring gedacht haben. Jedem ist noch der Schrecken nach dem Bluttaten in Paris und Manchester allgegenwärtig, und dass der Wahnsinn jetzt auch Open Air-Festivals in Deutschland erreicht haben sollte, war zwar im Bereich des Möglichen, aber dann doch irgendwie weit weg. Glücklicherweise hat sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt. Schlimm genug, dass es nicht auszuschließen ist, dass durchgeknallte Minderheiten ihren Hass und ihre Menschenverachtung auf unsere Festivals tragen wollen. Das stärkste Zeichen ging indes von den Fans aus: Sie haben aus dem Festival das gemacht, was es sein soll: ein großartiges Musikfest und ein friedvolles Miteinander (hier geht’s zu unserem Bericht vom Rock am Ring 2017). Gut so.

„Nicht schon wieder“ war auch der Gedanke, als die ersten Meldungen zum Tod von SOUNDGARDEN-Frontmann Chris Cornell die Runde machten. Zu viele großartige Musiker sind letztens vorzeitig von uns gegangen. Und dass SOUNDGARDEN gerade neues Material probten, macht die Sache unwirklicher. Was bleibt, ist, den Angehörigen, Frau und Kindern, viel Kraft zu wünschen und uns am Vermächtnis Cornells zu erfreuen. So weit, wie es halt geht.

Angesichts dieser Tragik wirkt das letzte „nicht schon wieder“ wie seichteste Unterhaltung – aber das Leben bietet nun mal nicht nur die volle Dosis Drama: Jeden Monat tragen wir die Highlights und die Lowlights für den Monatsrückblick zusammen – und fühlen angesichts letzterer mit den Kollegen mit, die sich schlimme Musik geben müssen (insgeheim freuen wir uns aber wie die Schneekönige über die lyrischen Ergüsse, die Hörqualen offensichtlich aus unseren Schreibern pressen können). Allein: Im Mai gab es keine richtigen Ausfälle. Wie das kommen konnte, versuchen wir noch zu ergründen. Was wir im Juni anders machen müssen, auch. Drohungen zwischen STRIBORG und MODERN TALKING machen schon die Runde. Vielleicht müssen wir auch nur die Dinge laufen lassen – der nächste Tiefflieger kommt von ganz alleine.

So long!

Eckart & metal.de

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

The Night Flight Orchestra – Amber Galactic

Radiotauglich? Na und? Solange THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA weiter solche Alben wie „Amber Galactic“ raushauen, stört uns das nicht im Geringsten! Die schwedischen Melodic-Death-Musiker (u.a. Strid von SOILWORK und Sharlee D’Angelo von ARCH ENEMY) machen bei diesem Projekt nicht nur auf Retro-Rock, nein, dieses Album ist mehr als bloße Reproduktion. Stattdessen holt die Band das Maximum aus ihren Vorbildern heraus und hat dabei hörbar den Spaß ihres Lebens, findet unser Kollege Michael Klaas und zückt mal eben die Höchstnote.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Dragonforce – Reaching Into Infinity

DRAGONFORCE melden sich mit ihrem siebten Full-Length-Album „Reaching Into Infinity“ zurück, und damit begeistern sie unseren Kollegen Philipp Issler ganz und gar. Weniger hastige Songs, dafür ein vielseitigeres Spektrum als zuletzt bieten die Mannen rund um Saitenhexer Herman Li, und insgesamt bringen die Musiker ihre musikalischen Fertigkeiten nach Können ein und vereinen sämtliche Elemente des DRAGONFORCE-Universums zu einem bombastischen Metal-Opus. Drachenstark!

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Avatarium – Hurricanes And Halos

Die Doomster AVATARIUM sind auf ihrem neuen Album „Hurricanes And Halos“ erwachsener geworden – und das steht ihnen wunderbar. Obwohl Leif Edling kein vollwertiges Mitglied der Band mehr ist, hat er beim Songwriting nach wie vor seine Fingerchen im Spiel – und das hört man, und damit kann die Platte ja kaum schlecht sein. „Hurricanes And Halos“ ist ein starkes Album, das die Handschrift einer starken Band trägt. Wer das Glück hat, in nächster Zeit mit dem VW-Bus durch Schweden zu tingeln, hat hier den passenden Soundtrack dazu gefunden.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Miss May I – Shadows Inside

Erstmals in ihrer Karriere haben sich MISS MAY I etwas mehr Zeit für ein Album gelassen, und das Ergebnis mit Namen „Shadows Inside“ kann sich hören lassen. MISS MAY I brechen den bisher bekannten Metalcore-Sound auseinander, basteln grungiges Gitarrengeschrammel dazwischen, hauen dir Oldschool-Rhythmus zwischen die Beine, zerpflücken Core-Elemente und rammen rohe und ungewaschen Töne dazwischen. „Shadows Inside“ ist dunkel und düster, hellt sich aber immer wieder durch eben genau diese Breaks auf. Trotz eben jener „Shadows Inside“ ist dies eine Platte, die viel, viel Spaß macht.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

The Ruins Of Beverast – Exuvia

Vor kurzem bekamen THE RUINS OF BEVERAST in unserem Doom-Metal-Lieblingsplatten-Special von Kollege Möller die Doom-Lieblingsplatten-Ehrung samt Höchstpunktzahl, und dann steht auch direkt das neue Album des Ein-Mann-Projekts vom Ex-NAGELFAR-Drummer Alexander von Meilenwald an. „Exuvia“ heißt die Platte, und dass THE RUINS OF BEVERAST eines der besten Alben 2017 abliefern würden, war eigentlich schon weit vor Veröffentlichung klar. Licht und Sonnenschein spielen auf „Exuvia“ nach wie vor keine Rolle, und so darf man sich durch eine verstörende, teilweise surreale Welt wagen. Dieses ist eine imposante Demonstration musikalischer Klasse, die nahe an der Perfektion kratzt, bestürzend, faszinierend und packend zu gleichen Teilen – findet der Kollege Jan Wischkowski.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Ofermod – Sol Nox

Während andere Bands zwischen ihren Alben touren, wandert OFERMOD-Mastermind Mika Hakola mit fast schon gleicher Regelmäßigkeit zwischen Veröffentlichungen in den Knast. Zum Glück scheinen ihm dort die Ideen für neue Songs nicht auszugehen: „Sol Nox“ bietet nämlich Perfektion in den engen Grenzen des Orthodox Black Metal, wie unser Schreiber Stefan Arthur von Wolfsbrunn feststellt.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Alestorm – No Grave But The Sea

Yarrr! Wenn Kollege Klaas bei ALESTORM von „alberner Piratenmusik“ spricht, bekommt man direkt Lust, ihn kielzuholen. Aber immerhin hat es bei ihm dann doch *klick* gemacht. Und so tanzt er mit einem Papageien auf der Schulter und einer Buddel Rum in der Hand dann doch zu den neuen Songs auf „No Grave But The Sea“ ab. Yo-ho-ho!

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Ayreon – The Source

Arjen Anthony Lucassen hat sie wiedergefunden, die Quelle. Die Quelle zu Refrains und Eingängigkeit. Nach dem eher verkopften “The Theory Of Everything” ist „The Source“ jedenfalls wieder zugänglich, melodiös und, ja, ‚ohrwurmig‘. Kollege Colin resümiert denn auch: „Unter dem Strich bietet “The Source” also AYREON in Reinkultur. Was will der Fan mehr?“ Na also.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Suffocation – …Of The Dark Light

SUFFOCATION und Fußball – dank Kollege Popp kein Widerspruch. Denn da „…Of The Dark Light“ zwar gewohnt gute SUFFO-Kost bietet, es aber der Scheibe an ein bis zwei richtigen Hits fehlt, geht es den New Yorker Death-Metal-Veteranen aktuell wie dem FC Bayern: Sie sind Champions League, aber um den Titel spielen sie dann eben doch nicht mit.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Tankard – One Foot In The Grave

Auch Sauf-Thrasher werden älter: Kaum hat man mal wieder einen ordentlichen Kater auskuriert, steht man auch schon mit einem Fuß im Grab. Gut, wenn da der Rollator Halt gibt. Erst recht, wenn er die Einkäufe aus dem Getränkemarkt griffbereit verstaut. Und auf die Ohren gibt’s die neue Scheibe von TANKARD, „One Foot In The Grave“. Damit fühlt man sich immer wie 35, selbst wenn man erst 21 ist. Der Kater macht eben auch das möglich.

Der große Monatsrückblick: Die besten Alben im Mai

Sólstafir – Berdreyminn

Gibt es Hirsche und Wald auf Island? Zwei Fragen, die sich SÓLSTAFIR-Fans anlässlich der Veröffentlichung des neuen Werks „Berdreyminn“ garantiert nicht stellen werden. Vielmehr gibt es Diskussionen um die von den Isländern eingeschlagene Richtung: Zu ereignislos, uninspiriert und höhepunktarm sagen die einen. Die anderen, und dazu gehört unser Autor Markus Endres, finden das Album atmosphärisch, episch und emotional fesselnd. Klingt so, als ob es weiterhin spannend bleibt, oder?

Die Playlists der Redakteure – Das lief bei uns im Mai

Richard Mertens:

  1. FIRESPAWN – Shadows Realms
  2. GOD DETHRONED – The World Ablaze
  3. IN SOLITUDE – Sister
  4. IXION – Enfant De La Nuit
  5. KVELERTAK – Kvelertak
  6. OATHBREAKER – Rheia
  7. PALLBEARER – Heartless
  8. PARADISE LOST – Medusa
  9. THE RUINS OF BEVERAST – Exuvia
  10. WOLFBRIGADE – Run With The Hunted

Nadine Schmidt:

  1. PENSEN PALETTI – Bumm Die Welt
  2. CLOWNS – Lucid Again
  3. LOVE A – Nicht Ist Neu
  4. MONSTERS OF LIEDERMACHING – Sitzpogo
  5. DARKEST HOUR – Godless Prophets & the Migrant Flora
  6. SONDASCHULE – Klasse 1a
  7. ENTER SHIKARI – A Flash Flood Of Colour
  8. WHILE SHE SLEEPS – You Are We
  9. SYSTEM OF A DOWN – Steal This Album!
  10. SWAIN – Howl

Dominik Rothe:

  1. MANOWAR – Kings Of Metal
  2. MANOWAR – Sign Of The Hammer
  3. ICED EARTH – Incorruptible
  4. IRON MAIDEN – The Number Of The Beast
  5. LOST SOCIETY – Terror Hungry
  6. OPETH – Watershed
  7. NIGHT DEMON – Darkness Remains
  8. EXODUS – Bonded By Blood
  9. BODY COUNT – Bloodlust
  10. HAVOK – Conformicide

Marek Protzak:

  1. ROKY ERICKSON – All That May Do My Rhyme
  2. THE HELLACOPTERS – Supershitty To The Max
  3. THE OBSESSED – Sacred
  4. THE MELVINS – Basses Loaded
  5. DINOSAUR JR. – Give A Glimpse Of What Yer Not
  6. BRUCE SPRINGSTEEN – The Ghost Of Tom Joad
  7. BILLY JOEL – 12 Gardens Live
  8. MIDNIGHT RIDER – Manifestation
  9. JUDAS PRIEST – Priest … Live!
  10. TEMPLE OF THE DOG – Temple Of The Dog

Alex Klug:

  1. KRAFTWERK – 3-D Der Katalog
  2. ROGER WATERS – Is This The Life We Really Want?
  3. SÓLSTAFIR – Berdreyminn
  4. SÓLSTAFIR – Svartir Sandar
  5. ULVER – The Assassination Of Julius Caesar
  6. NOCTE OBDUCTA – Totholz (Ein Raunen aus dem Klammwald)
  7. EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN – Perpetuum Mobile
  8. BURIED AT SEA – Migration
  9. RAGE AGAINST THE MACHINE – Rage Against The Machine
  10. DESTRUCTION – Spiritual Genocide
11.06.2017

- Dreaming in Red -

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