Vyre
Listening-Session zu "The Initial Frontier Pt. 2"

Special

Vyre

Gut Ding will Weile haben. So möchte man bei VYRE meinen, deren zweites Album „The Initial Frontier Pt. 2“ ursprünglich in der ersten Hälfte 2014 via Supreme Chaos Records hätte veröffentlicht werden sollen. Leider hat sich der Termin auf Spätherbst verschoben. Leider, da der erste Teil wirklich ausgezeichnet war und Lust auf mehr machte. Leider, da wir vorab die Möglichkeit hatten, in die neuen Songs reinzuhören, und dieser erste Eindruck auf ein großes Werk der ehemaligen (G)EIS(T)-Mitglieder KG Cypher, Hedrykk und Zyan sowie der restlichen Mannschaft schließen lässt. Es wird Zeit für interstellaren Science-Fiction-Avantgarde-Black-Metal. Dann auf mit VYRE zu neuen fernen, bisher unentdeckten Galaxien!

Vyre

1.    Naughtylus

Eröffnet wird „The Initial Frontier Pt. 2“ mit dem epischen, über neunminütigen „Naughtylus“. Das komplexe Stück baut sich langsam auf mit einzelnen spacigen Gitarrenklängen auf, hat ein wenig was von NOCTE OBDUCTA, ehe Schlagzeug, Bass und Gesang einsetzen im Midtempo einsetzen, das sphärische Keyboard kommt dazu, ebenso feine Gitarrenmelodien. Ein Bruch, sägende Gitarren und rasende Blastbeats knüppeln dunkel, ehe es wieder im ursprünglichen Rhythmus mit ordentlichem Doublebass-Fundament weitergeht und auch der langsame Teil mit den melodischen Gitarren und Keyboards folgt. Es dauert fast bis zur Hälfte, bis der Refrain einsetzt, aber das Warten lohnt sich! Unvermittelt kommt klarer Gesang, der etwas an VINTERSORG erinnert. Danach regiert wieder der Black Metal, ehe ein total relaxter, langsamer Part folgt, mit sehnsuchtsvollen Streichern und abgespacten Synthesizern. Der Bruch zum rasanten Schwarzstahl Marke ältere KEEP OF KALESSIN ist wieder überraschend. Und zum Schluss toben sich die Lead-Gitarre als auch Keyboard herrlich bombastisch und progressiv aus. In diesem einen dynamischen, sehr abwechslungsreichen Stück haben VYRE mehr aufgefahren, als es viele andere Bands auf ganzen Alben nicht schaffen. Richtig gut! Wer waren nochmal ARCTURUS?

2.    Diabolum Ex Machina

Langsame, schleppend sägende Gitarren, minimalistisches Schlagzeug, verstörendes Keyboard und schmerzerfüllter Gesang läuten das über zehnminütige „Diabolum Ex Machina“ doomig ein. Nach einem Break geht es dann wieder mit Blastbeats und sägende Gitarren weiter. Immer wieder wird das Tempo rausgenommen und tolle Harmonien gestatten eine kurze Verschnaufpause. Ganz toll sind die kurzen klaren Chöre zwischendurch, was für ein unerwarteter Kontrast zum grimmigen Kreischgesang. Unverhofft folgt ein Break, das Keyboard spielt kurz alleine, dann geht es schleppend doomig weiter mit wuchtigem Schlagzeug und griffigen Riffs. Danach wird es mit effektbeladenen Gitarren sowie Schlagzeug und abgefahrenem, verschrobenem Synthesizer erst entspannend relaxt, dann regelrecht psychedelisch, ehe sich die Musik immer weiter mit Gitarrenwand, Keyboards und dezent steigendem Tempo stetig aufbaut, nein, auftürmt, um sich wieder im Black-Metal-Sturm zu entladen. Das Ende ist wieder so episch wie es abgefahren ist. 

3.    Order 66

Kerniges Stakkato-Riffing, dickes Doublebass, treibende Rhythmen und untermalende Keyboards leiten mit kraftvollem, markantem Kreischgesang „Order 66“ ein. Immer wieder wird das Tempo rausgenommen, und der eingestreute Klargesang kann Akzente setzen. Dazu einige richtig schön verspielte, rockige Gitarrenläufe, die das Stück manchmal in Richtung Black’n’Roll drücken. Im letzten Drittel wird dann nochmal vehement der Schwarzmetall-Knüppel ausgepackt, während das Ende sphärisch ausklingt.

4.    For Carl

„For Carl“ beginnt sehr schleppend zuerst mit einer herrlich verzerrten Gitarre, ehe die komplette Instrumentalfraktion von VYRE getragen einsteigt. Keyboard und Gitarre duellieren zwischendurch um das tragende Motiv. Nach etwas über 2 Minuten wandelt sich das Stück in puren Soundtrack. Man hat zumindest das Gefühl einem kompletten Orchester zu lauschen. Das ist bildgewaltige Epik, das ist beschwörender Pathos, um diesen Soundtrack wären einige Science-Fiction-Filme froh.  Das kontrastreiche, rein instrumental angelegte Stück durchlebt in den über zehn Minuten Spielzeit noch einige Wechsel, schafft das Spagat zwischen Soundtrack, Black Metal, Progressive Rock bis hin zu Ambient.

5.    Neutronenstern

Deutlich treibender läutet der „Neutronenstern“ das Finale ein. Griffige, harmonische Leads, kerniger Kreischgesang, sägende Gitarren, Blastbeats, eingänger Refrain, untermalende Keyboards, die auch mal die Führung übernehmen, Tempowechsel, das Stück hat alles, was man von einem modernen, variantenreichen und ausschweifendem Black-Metal-Song erwarten kann. Das Finale ist wieder herrlich Sci-Fi Synthesizer abgedreht.

„The Initial Fronter Pt. 2“ ist wie es auch der erste Teil war: sehr abwechslungsreich, komplex, dynamisch, ausschweifend, kontrastreich, hochmelodisch, atmosphärisch und spannend. Ein nicht einfaches, forderndes Album an anspruchsvollem, modernem Avantgarde Black Metal auf verdammt hohem Niveau. Man weiß beim ersten Durchhören nie, wohin diese Reise in den Klangkosmos von VYRE führt, und das ist auch gut so. Qyâsik!

Galerie mit 6 Bildern: Vyre - Culthe Fest 2018 - Münster
11.09.2014

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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