
Evil New Year Festival 2026
Der große Festivalbericht
Konzertbericht
Pünktlich zum Einlass in die schlauchartige Halle02 in der Heidelberger Innenstadt, ist diese schon recht ordentlich gefüllt. Während sich draußen eiskalte Temperaturen und Schneegestöber breit machen, ist kaum zu übersehen, dass die Dresdener von ULTIMA NECAT so etwas wie ein Geheimtipp in der Black-Metal-Szene sind. Das Trio hat sich zuletzt die Finger wund gespielt, mit „Fragments Of Sin“ eine gute EP am Start und ist inzwischen bei Vendetta Records untergekommen. Der Geruch nach Weihrauch gibt die Richtung vor, denn hinter dem tiefblauen Nebelschleier ist die Band anfangs nur schemenhaft zu erkennen. Musikalisch geht das Gebotene aber über Opener-Qualitäten hinaus. Zwar bedienen die Sachsen praktisch den Setzkasten atmosphärischen Schwarzmetalls – das allerdings auf einem beachtlichen Niveau. Während die hypnotischen Passagen Wirkung zeigen, liefern die treibenden Elemente den richtigen Kontrast.
Damit können die Würzburger von BOÖTES VOID nicht ganz mithalten. Frontmann Boötes ist eingepackt wie der Revenant, seine Bandkollegen entweder verhüllt oder wenigstens durch Bemalung anonymisiert. Der Übergang zwischen Soundcheck und tatsächlicher Show ist so fließend, dass dem einen oder anderen erst während des zweiten Songs klar wird, dass das Theater bereits begonnen hat. Der Gesamtsound ist zunächst etwas dünn und es mag nur das monotone Gekeife des Sängers wirklich hängen bleiben. Das wandelt sich im Laufe der Show ein wenig, Melodien bahnen sich ihren Weg und die Franken klingen durchschlagskräftiger. Dennoch nicht mehr als ein Achtungserfolg.
Urgewalt und archaische Wirkkraft
FIRTAN sind derzeit als Support mit ELLENDE und KARG auf Tour und zeigen sich an diesem Nachmittag nicht wie ein Anheizer. Die Baden-Württemberger setzen fast ausschließlich auf ihr aktuelles Album „Ethos“, welches die Pagan-Einflüsse der Vergangenheit praktisch vollkommen auf Eis legt. In guter Black-Metal-Gesellschaft gelingt es der Band dennoch Alleinstellungsmerkmale zu generieren. Insbesondere mit welcher Intensität und Spielfreude der Fünfer zu Werke geht, ist von Anfang an vereinnahmend. Der dezente Einsatz von Klara Bachmair an der Violine soll zwar am heutigen Abend keine Monopolnummer werden, doch einzig bei FIRTAN ist sie über die komplette Spielzeit aktiv. Fronter Phillip Thienger macht dazu unablässig Dampf, sodass die Show einen urgewaltigen Drive erhält.
Wer von „Urgewalt“ und archaischer Wirkkraft spricht, der kann, nein, der muss direkt an Ort und Stelle stehen bleiben, denn IMHA TARIKAT können da nur noch eins draufsetzen. Dass sich Kerem Yilmaz & Co. nach ihrer kathartischen Schlachtstunde mit einem breiten Lächeln auf den Lippen herzen, ist nur ein Teil dessen, der die Besonderheit dieser Band ausmacht. Davor gibt es einfach nur eine Dreiviertelstunde mit kaltem Stahl auf die Fresse. Das Gebelle von Yilmaz verfügt über eine abstoßende Anziehungskraft. Jerome Reil am Schlagzeug ist stark genug, um das brutale Knüppellevel zu übersteigen und sorgt bei aller Aggression für die nötigen Feinheiten. Auch wenn die große Abwechslung ausbleibt, vergeht dieses punkige Wutexempel wie im Flug und die Schlussentladung funktioniert mit „The Day I Died (Reborn In Flames)“ herausragend.
Der emotionale Niedergang
Wenn alles funktioniert, dann kommt die Katharsis eigentlich nach dem emotionalen Niedergang. Erstere haben FIRTAN und IMHA TARIKAT schon aufs Tableau gebracht, mit KARG, dem ehemaligen Soloprojekt von J.J. (u.a. HARAKIRI FOR THE SKY), wird es ungleich wehmütiger und depressiver. Letztendlich leben die Salzburger unter anderem von der Bühnenpräsenz ihres Fronthünen und können das auch an diesem Abend erneut abrufen. Zwar fällt die Umstellung von asozialer Bahnhofsschlägerei auf vertontes Selbstmitleid etwas schwer, doch im Großen und Ganzen können KARG das Publikum wieder umpolen und mit ihren teilweise post-rockigen Passagen in Trance versetzen. Schließlich geht es inhaltlich vorerst analog weiter.
Auch HERETOIR haben seit Herbst 2025 mit „Solastalgia“ ein neues Album am Start und sind kurz danach gemeinsam mit der DER WEG EINER FREIHEIT auf Release-Tour gewesen. Im Rahmen der Setlist der Augsburger hat man sich somit nicht die große Mühe einer Anpassung gegeben und fährt mit einer vergleichbaren Songausstattung. Nicht am Start ist krankheitsbedingt Drummer Nils Groth, der von Multi-Band-Drummer Marco Prij (u.a. CRYPTOSIS) ersetzt wird. Ansonsten wird wieder deutlich, dass sich Sänger David Conrad über die letzten Jahre enorm gesteigert hat und bei HERETOIR inzwischen absolut und bedingungslos die zentrale Rolle übernimmt. Das funktioniert, trotz Ersatzschlagzeuger, als mittlerweile sehr eingespielte Einheit und mündet daher in einer sehr aufgeräumt wirkenden Show.
Lukas Gosch, Kopf hinter dem Österreicher Projekt ELLENDE, hat in den letzten Jahren mit Merchandise, Neueinspielungen und vielen Live-Konzerten sehr hart am Standing seiner Band gearbeitet und erntet mittlerweile die Früchte seiner Mühen. In der Halle02 ist die Grazer Truppe jedenfalls prominent platziert, sei es beim Verkauf oder bei der generellen Ausstattung von T-Shirts. Die recht eigenwillige Mischung aus Post Black Metal mit teilweise doch sehr depressiven Zügen, klassischen Instrumenten und Texten, die streckenweise in Mundart verfasst sind, ist inzwischen in ein routiniertes Live-Korsett gegossen, ohne an Atmosphäre und Authentizität zu verlieren. Auch wenn das neuste, ganz frisch erschienene Werk „Zerfall“ zweifellos im Vordergrund steht, haben sich auch andere Stück fest ins Live-Set der Österreicher gebrannt. Gerade nach hinten heraus bilden die „Ballade auf den Tod“ oder „Der Letzte Marsch“ feste Institutionen, die auch entsprechend gefeiert werden.
Perfekter Riecher
Nun ist es Zeit, Heidelberg noch ein wenig auf den Kopf zu stellen. Eine Rückkehr zum kathartischen Nachmittag wäre die falsche Aussage, und doch gelingt es den Schweden von DÖDSRIT, den Tag schlüssig abzurunden. Das Quartett setzt mehr auf den Faktor Spaß und liefert eine geile Schweinerei zwischen Crust, Punk und Black Metal. So vergeht eine Stunde wie im Flug, gerade weil die Truppe den perfekten Riecher dafür hat, wann sich galoppierende Punk-Rhythmen und sphärisches Schwarzheimer-Riffing die Klinke in die Hand geben sollten. So eignen sich die Salven von DÖDSRIT sowohl zum Aufnehmen, als auch zum Abgehen. Zwar ist die Kombination nicht wirklich etwas Neues, doch diese vier Skandinavier beherrschen ihr Handwerk dermaßen gut, dass die Besonderheit einfach in der perfekten Vorführung liegt. Nachdem die letzten Melodien verklungen sind, bleibt ein Abschluss, der nicht passender hätte sein können.
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Patrick Olbrich































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