
Hinter den weit über 30 aktiven Bandprojekten von Rogga Johansson verbirgt sich tatsächlich die eine oder andere Perle, bei denen der Schwede nicht auf den millionsten HM2-Abklatsch setzt und vielleicht auch die richtigen Mitmusiker am Start hat. LEPER COLONY ist ein solcher Fall und das dritte Album „Back To Primal Sludge“ ein außerordentlich guter Blick darauf, was möglich ist, wenn die eigene Komfortzone wenigstens ein wenig ausgedehnt scheint. Um sich geschart hat er hier Drummer Jon Rudin, mit dem er bei unzähligen weiteren Projekten zusammenarbeitet, sowie Frontmann Marc Grewe (u.a. ASINHELL), der ebenfalls großen Anteil hat, dass man hiermit aus der Masse herausstechen kann.
Nicht der millionste HM2-Abklatsch
Wie gehabt übernimmt Johansson auf „Back To Primal Sludge“ Bass sowie Lead- und Rhythmusgitarre, für ein paar Soli ist wieder Hakan Stuvemark dabei, der ebenfalls von gemeinsamer Sache bekannt ist. Der Klang der Saiten ist unverkennbar, doch für das Konstruktionsmaterial bedienen sich LEPER COLONY nicht dem schon viel zu oft gehörten Ein mal Eins. Viel mehr sorgt die gehörige Thrash-Kante für einen Ortswechsel aus dem hohen Norden irgendwo zwischen die Niederlande und Florida.
Die vorab veröffentlichte Single „These Blades“ steht dabei nicht gerade repräsentativ für die Ausrichtung des Albums, denn mit flinker Rhythmusfraktion, einem kurzen Solo und angezogener Geschwindigkeit kommen LEPER COLONY schnell auf den Punkt und erinnern an die eine oder andere Blitzkrieg-Attacke von BODYFARM. Ansonsten wird „Back To Primal Sludge“ nämlich eher von massiven Midtempo-Brechern regiert, die durch die klare, aber bösartige Phrasierung Greves mächtig zwischen die Rippen pressen.
Spurhalteassistent erfolgreich!
Mit dem Auftakt „Madness Is A Kingdom“, „Thrown To The Pigs“ oder dem Titeltrack entstehen jeweils kurzweilige Nackenknacker, die theoretisch nicht noch schneller ins Ohr gehen könnten. Selbstredend verliert die Platte nach hinten heraus ein bisschen ihr Momentum und man könnte langsam doch den einen oder anderen Tempowechsel vertragen. Ähnlich wie die letzte EYE OF PURGATORY, ist das aber im Johansson-Kosmos fast schon innovativ, was hier passiert. Trotzdem: Wenn der gute Herr eine Spur gefunden hat, dann bleibt er drauf. Komme was wolle.

Patrick Olbrich


















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