Crone
"Das Foto von Alan Kurdi traf mich mitten ins Herz!"

Interview

CRONE – das ist die Band von Sänger/Gitarrist Phil “sG” Jonas (SECRETS OF THE MOON) und Schlagzeuger/Gitarrist Markus Renzenbrink (EMBEDDED). Nach der ersten EP „Gehenna“ folgt nun das Debütalbum „Godspeed“, das wunderbar vielfältigen (Dark) Rock/Metal mit einem zutiefst düsteren Textkonzept kombiniert. Um mehr darüber zu erfahren, führten wir mit beiden Protagonisten folgendes Interview per Email.

 

Was steckt hinter CRONE?

Mit „Godspeed“ habt ihr gerade euer Debütalbum, nach der EP „Gehenna“ veröffentlicht. Könnt ihr uns bitte vorab erzählen, wie es zur Bandgründung von CRONE kam und was eure Intention dahinter ist?

Phil: CRONE wurden irgendwann vor ein paar Jahren gegründet. Zwei Typen, die jammen wollten und irgendwann ein paar Songs hatten. Daraus wurde die „Gehenna“ EP, die wir in sehr kurzer Zeit aufnahmen. Es folgte eine Show beim Prophecy Fest mit zwei weiteren Musikern. Das fühlte sich gut an und wir beschlossen, zusammen ein Album zu machen.

Markus: Richtig. Als es die Zeit erlaubte, trafen wir uns im Proberaum, noch ohne zu wissen wohin es führen würde… weder musikalisch noch in welchem Ausmaß. Und hier sind wir nun.

Euer Bandname CRONE kann man als „altes Weib“ übersetzen. Welche Bedeutung hat für euch der Bandname?

Phil: Das ist tatsächlich irreführend und interessant, weil der Name für mich persönlich überhaupt keine Bedeutung hat und erst jetzt durch unsere Musik für mich an Gewicht gewinnt. Ich wollte einen sehr kurzen, prägnanten Namen mit schönen Buchstaben. Da kam mir das Wort „Krone“ in den Sinn. Das „K“ weg und mit einem „C“ getauscht und fertig. Ich habe tatsächlich erst vom englischen Begriff Crone gehört, als wir im Studio E waren um „Gehenna“ aufzunehmen und Markus Stock sagte, dass das Wort Crone des Öfteren in den Texten der neuen THE VISION BLEAK Platte „Witching Hour“ auftaucht. Ganz schön blauäugig, würde ich sagen.

Zur Musik von CRONE

Inwiefern unterscheidet sich das Songwriting für CRONE im Vergleich dazu, wie bei SECRETS OF THE MOON und EMBEDDED neue Songs entstehen?

Markus: Letzten Endes gibt es keinen Unterschied. Der Ablauf ist der gleiche. Man hat eine Idee, baut sie aus, und versucht Parts sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Die Richtung spielt dabei keine Rolle.

Phil: Genau. Der Anfang ist immer gleich. Man startet alleine zuhause, bringt Songstrukturen mit in den Proberaum oder ins Studio und arrangiert/finalisiert die Songs dann im Kollektiv. Erst dann merkt man, ob eine Idee funktioniert oder nicht.

Musikalisch mischt ihr in CRONE Dark Rock mit Alternative, Classic Rock sowie Post Rock. Was würdest du sagen sind die wichtigsten Einflüsse für CRONE und wie siehst du selbst eure Musik?

Markus: Ich würde es schlichtweg Rockmusik nennen, aber ich bin auch nicht fit in all den verschieden Genres und Bezeichnungen. Einflüsse gibt es allerdings viele…Von PORCUPINE TREE, über GARY MOORE und GOV’T MULE, bis hin zu JOE WALSH. So sollte es sich zumindest am Ende darstellen, weil ich diese Künstler sehr schätze… auch wenn es während der Entstehung der Lieder natürlich keine Vorgaben gab.

Phil: Ja, man wird schon des Öfteren mit einem Haufen Bands verglichen, die man selbst noch nie gehört hat. Danke für die vielen Tipps liebe Rezensenten.

Schreckliche Schicksale!

Das von euch gewählte Textkonzept ist wirklich düster. Jeder Song erzählt über das tragische oder verfrühte Lebensende einer Person. Wie kamt ihr auf dieses Konzept und was übte für euch die Faszination an diesen Geschichten aus? Nach welchen Gesichtspunkten hattet ihr diese ausgewählt?

Phil: Ich habe tatsächlich nicht aktiv nach den Geschichten gesucht. Sie kamen aus vielen Richtungen zu mir und ich habe sie als Inspiration genutzt. Erst nach und nach fiel mir dabei auf, dass sie ein interessantes Gesamtbild ergeben. Das war nie so geplant. Wonach ich gesucht habe, ist ein neuer Weg Texte zu schreiben, als ich es bei SECRETS OF THE MOON mache. Den Weg habe ich zum Glück gefunden. Ich möchte außerdem zwei Dinge loswerden. Erstens: „Godspeed“ ist kein Album über „krasse“ Selbstmorde/Todesarten, wie manchmal irrtümlich dargestellt wird. Es geht um das menschliche Schicksal. Zweitens: Diese Schicksale haben alle Lyrics auf dem Album nur sehr lose inspiriert. Es geht mir nicht darum, das alles historisch perfekt wiederzugeben, sondern nur darum, den emotionalen Moment einzufangen.

Besonders traurig und fast schon unerträglich finde ich die Geschichte des fünfjährigen Mädchens Marilyn DeMont, das von ihrem eigenen Vater zum Selbstmord gezwungen wurde („Mother Crone“). Wobei auch der Tod des dreijährigen syrischen Jungen Alan Kurdi im Mittelmeer natürlich insbesondere die Seele eines jeden Familienvaters berührt. Sind das auch die Geschichten, die euch besonders berührten?

Phil: Definitiv. Im Nachhinein betrachtet war das Foto von Alan Kurdi der Auslöser dafür, was aus „Godspeed“ textlich später werden sollte. Das Foto traf mich mitten ins Herz. Ich musste etwas auf Papier bringen. Das war der Anfang.

Ihr habt in den Texten auch verschiedene Sichtweisen gewählt. Wie gingt ihr dabei vor, aus welcher Sichtweise ihr erzählen wolltet?

Phil: Das geschah rein instinktiv. Bei Alan Kurdi spielte z. B. mein Beschützerinstinkt eine große Rolle, den ich als Familienvater wohl einfach in mir habe. „Godspeed“ hingegen erzählt die fiktive Geschichte von Jim Sullivans Ende, während „H“ fast schon einem Tribut oder Hohelied für eine erfolglose Schauspielerin gleicht. Die Sichtweise/die Perspektive in den Songs ist immer eine andere. Aber mir gefällt die Idee, all diesen Personen mit den Songs ein kleines Denkmal zu setzen und ihnen etwas Leben einzuhauchen.

Und sonst…

Was gibt es neues von euren anderen Bands SECRETS OF THE MOON und EMBEDDED zu berichten?

Markus: EMBEDDED  wird nächstes Jahr 25 Jahre alt, und wir wollen versuchen dazu ein neues Album fertig zu haben. Ansonsten geht alles seinen Weg. Zu wenige Proben, noch weniger Konzerte… aber immer noch zu viel Motivation; um es eben nicht doch weiterzumachen.

Phil: Mit SECRETS OF THE MOON nehmen wir gerade unser siebtes Album auf. Wann es fertig ist wissen zwar nur die Sterne, aber es wird gut.

Was habt ihr in nächster Zukunft mit CRONE geplant?

Phil: Wir spielen im Juni eine Show beim „House Of The Holy II“. Eine große Ehre für mich, ein zweites Mal dort oben aufzutreten. Ich hoffe, dass wir noch ein paar weitere Gelegenheiten bekommen, „Godspeed“ auf die Bühne zu bringen. Das wird die Zeit zeigen.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören euch!

Danke für das Interview und dein Interesse. An alle anderen: Hört mal in „Godspeed“ rein. Ist teilweise echt ganz gut geworden. 🙂

25.04.2018

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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