Damnation Defaced
Damnation Defaced

Interview

Damnation Defaced sind eine dieser Underground-Death-Metal-Bands, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihre aktuelle EP "Resurrection Stillborn – The Blackest Halo" kam auch bei metal.de gut weg, so dass wir die Gelegenheit nutzten, der Band ein paar Fragen zu stellen. Nachfolgend unser Interview.

Damnation DefacedGuten Tag, vielen Dank für die Zeit und für das Interview. In meinem Review zu eurer aktuellen Scheibe habe ich eure Musik sinngemäß als vielseitig, inspiriert, eigenständig und anspruchsvoll beschrieben. Technischer Death Metal, dessen Anspruch nie zu Lasten der Songs und der Eingängigkeit geht, und musikalische Einsprengsel, die eine düsterem interessante Atmosphäre erzeugen. Was spricht aus deiner Sicht für „Resurrection Stillborn – The Blackest Halo“ und was unterscheidet es im positiven Sinne von dem Großteil anderer Underground-Veröffentlichungen?

Philipp: Moin erstmal an alle Metal.de-Leser! Es wird immer schwerer sich im Underground einen Namen zu machen, weil es einfach so viele geile Bands allein in Deutschland gibt. Ich muss nur einen Radius von 40 km ziehen und kann dir auf Anhieb 10 Metalbands sagen, die einen Vertrag bei einem Label verdienen würden. Ich denke jedoch, dass wir mit unserer Mischung aus Melodischen und progressiven Death Metal uns gegen sämtliche Trends und Entwicklungen wehren und einen interessanten Metal machen, der nicht nur dahinplätschert sondern im Kopf bleibt. Zudem versuchen wir stets bewusst viel Atmosphäre und Epik mit in die Songs zu bringen, ohne eine Keyboardwand nach der anderen aufzufahren.

Ich habe absichtlich keine Querverweise zu anderen Bands genannt, was ich für gewöhnlich tue, hier habe ich mir jedoch mit einer Einordnung eurer Einflüsse schwer getan. Bands wie DEATH oder auch GOJIRA dürften sicherlich Pate gestanden haben, du hast jetzt aber Gelegenheit in dieser Hinsicht für Aufklärung zu sorgen. Welche Einflüsse machen euch als Band aus und woraus zieht ihr eure Inspiration?

Philipp: Wir sind alle Die-Hard Metalfans und öffnen uns für alle Stile in dieser großartigen und vielschichtigen Musikrichtung, aber bei mir ist es vor allem älterer, schwedischer Melo Death wie ARCH ENEMY, THE CROWN, DISMEMBER, HEARSE, EDGE OF SANITY, AT THE GATES und Konsorten. Für die aufwändigen und vertrackten Songabläufe dürften jedoch vor allem OPETH für die Songwriting-Fraktion Paten sein.

Lutz: Ich kann natürlich nur von mir als Hauptsongwriter der Band sprechen. Haupteinfluss bilden für mich wohl Bands wie IN FLAMES, OPETH, DISILLUSION, BLOODBATH, DIMENSION ZERO, AT THE GATES, KEEP OF KALESSIN und etliche weitere… aber auch aus ganz anderen Bereichen. Mit DEATH und GOJIRA hab ich eher weniger zu tun, auch wenn ich sie gelegentlich höre.

In Zeiten, in denen viele junge Bands dazu tendieren, ihren Sound immer extremer zu gestalten, immer schneller, immer abgedrehter, was aus meiner Sicht häufig zu Lasten der Songs geht: Wie bewertest du den derzeitigen Zustand der Szene? Findest du es gut, dass sich derzeit so viel tut im extremen Bereich oder würde ein wenig mehr Übersicht und mehr musikalische Substanz dem Ganzen gut tun?

Philipp: Oft wird es mir einfach zu langweilig, wenn ich die zig Deathcore-Bands oder andere abstruse Genre-Neuschöpfungen mir anhöre, die wie Pilze aus dem Boden sprießen. So geil Geknüppel ist, ist es mir oft zu monoton und solche Platten werden bei mir nie einen persönlichen Kultstatus erreichen. Zudem bin ich kein Fan vom Hardcore-Einfluss, was nicht heißt, dass diese Bands keine Darseinsberechtigung haben, ich meine die Kids gehen drauf ab. Aber wie du schon sagst fehlt mir auch der Bezug zu alten Größen. Wenn Geballer, dann Bands wie VITAL REMAINS oder KATAKLYSM, die auf ihre Art und Weise einzigartig sind.

Lutz: Ich denke es wird versucht, etwas neues und innovatives zu produzieren… leider endet das, aus meiner Sicht, zu oft in den besagten Frickelorgien. Natürlich ist das Geschmackssache, ob man auf diese abgedrehten Sachen steht, aber mir sagt das eher wenig zu, wenn die Gitarre völlig unharmonisch und nicht nachvollziehbar dahin spielt. Einen Song von PSYOPUS o.ä. kann ich mir mal anhören aber eine ganze Scheibe wäre da schon grenzwertig. Und ob das der Szene gut tut oder schadet? Jeder soll das machen wozu er Lust hat und sich nicht auf die Szene fixieren.

Welche Gedanken, Fantasien oder Gefühle verarbeitet ihr in euren Texten?

Philipp: Ich halte mich bei der Antwort wie viele andere Texter etwas zurück und lass die Lyrics für sich sprechen. Ich find’s immer interessanter, wenn der Hörer die Möglichkeit hat die Texte aus seiner Sicht zu interpretieren. Mensch was für eine diplomatische Antwort haha.

Wie entstehen bei euch die Songs? Viele Bands nehmen sich ab einem gewissen Moment die Zeit und arbeiten nur an neuen Songs, bis alle fertig sind, andere arbeiten ständig an neuen Ideen und sammeln erst kurz vor der Albumproduktion alle Ideen zusammen. Wie läuft das bei euch ab?

Lutz: Ich arbeite hauptsächlich an den Songs für mich alleine von zu Hause aus. Rohe Ideen und Riffs nehme ich auf und schicke sie an die anderen aus der Band und lasse mir erstmal Eindrücke geben. Meistens nehm ich nur etwas auf, wenn ich das Gefühl hab, das daraus etwas werden kann. Ich arrangiere dann schonmal einen groben Song und gebe dem Song Struktur und Dynamik. Die anderen geben dann Anmerkungen, Ideen und Verbesserungsvorschläge, vor allem Lucas in Sachen Rhythmik etc. oder Ulf (anderer Gitarrist) steuert noch Riffs hinzu. Die letzte Bearbeitung kommt dann im Proberaum, wenn das neue Stück zusammen gespielt wird, merkt man wo es noch nicht so flüssig läuft oder wenn bestimmte Parts noch etwas zu lang oder zu kurz sind.
Ich bin auch nicht der Typ, der im Proberaum komplette Songs schreibt und sich schnell auf Riffs festlegen möchte. Ich arbeite quasi ständig an neuen Ideen und das solange, bis genug Stücke für eine Aufnahme vorhanden sind. Während der Aufnahmen schreib ich an keinen Stücken, weil ich mich stark auf die Aufnahmen an sich fixiere.

Welche Pläne bestehen derzeit bei euch auf dem so wichtigen Live-Sektor?

Philipp: Du sagst es, live spielen ist das wichtigste für uns, aber leider ist es unendlich schwer geworden an Auftritte ran zu kommen, die über die Landesgrenzen hinaus gehen. Oft mach ich mir Gedanken, ob unser progressiver Kram bei den Leuten ankommt, aber bislang sind die Zuschauer, selbst bei gemischten Metal-Abenden, immer gut abgegangen, sodass sich meine Bedenken mittlerweile zerschlagen haben. Da unsere EP leider mit etwas Verzögerung veröffentlicht wurde, konnten wir uns leider für die Festivalsaison nicht mehr ins Spiel bringen, aber wir hoffen, dass sich das nächstes Jahr ändern wird.
ALSO! Leute/Booker hört euch unseren Kram an und bucht uns, wir spielen für Sprit, Fressen und was zu Saufen und werden eurem Publikum einheizen!!!

Gibt es bei euch stilistische Limits? Könntet ihr zum Beispiel mit Cleasgesang oder Balladen arbeiten, wenn ihr der Meinung seid, es passt, oder seit ihr zu sehr im progressiven Death Metal verwurzelt, um derzeit mit solchen Gedanken zu spielen?

Lutz: Limits gibt es so gesehen nicht, es muss einfach passen. Wenn sich das Stilelement gut einfügt, benutzt man das auch, da kommen dann auch mal kurze Funk Passagen oder ähnliches in Songs vor. Man sollte sich eigentlich überhaupt keine Grenzen stecken, solang es noch zum Bandsound passt, sprich, man sollte sich davor nicht verschließen. Eine reine kitschige Ballade wirds aber trotzdem nicht geben, würde einfach nicht zur Band passen und Cleangesang ist zwar in bestimmten Fällen ’ne feine Sache, aber nicht unser Ding.

Lucas: Natürlich sind wir in der Art unseres Genres limitiert, eine Technonummer zu machen käme nicht in Frage, aber innerhalb dieses Genres sind wir denke ich relativ offen. Wir haben ja auch viele sehr ruhige melodiöse Parts gepaart mit heftigen Blastattacken innerhalb eines Songs. Auch elektronischer Unterstützung durch Synthesizern sind wir ja prinzipiell nicht abgeneigt, solange es nur der Atmosphäre dient. Und in einem unserer neuesten Songs gibt es einen sehr funkigen Part, der so auch aus einem „Tower of Power“ Song stammen könnte. und in einem weiteren neuen Stück spiele ich z.b. einen Latin-Rhythmus, den da so sicherlich keiner erwartet hätte bei dem Riffing. Demnach denke ich, dass es da musikalisch wenig Grenzen gibt, solange es dem typischen DD-Sound dient.

Ihr klingt als Musiker alle recht professionell, im positiven Sinne routiniert, als ob ihr schon lange auf den Bühnen dieser Welt herumlärmt. Woher kommt diese Einstellung und Überzeugung, die euch sicherlich einiges an Respekt entgegen bringen dürfte?

Philipp: Vielen Dank für dieses Kompliment! Unser Anspruch an uns selbst ist es stets, auch auf „Amateurniveau“, so professionell wie möglich zu arbeiten. Das fängt mit dem Songwriting an, geht z.B. über unseren Webauftritt und endet mit der Performance auf der Bühne. Auch wenn wir noch alle mit 21-22 Jahren noch recht jung sind haben wir bis auf unseren Basser Maze schon alle reichlich Erfahrungen aus anderen Bands gesammelt, sodass DEMNATION DEFACED nun die richtige Band ist um mehr zu erreichen. Die Zukunft wird es jedoch zeigen…

Lucas: Fast jeder von uns hat schon vorher in Bands gespielt und demnach schon auf der Bühne gestanden. Jeder von uns ist sehr engagiert an seinem Instrument, was natürlich von großem Vorteil ist. Wir versuchen immer alles möglichst professionell zu erledigen. Wir organisieren hier selber einige Konzerte und ein Festival und wissen daher, worauf Veranstalter, Agenturen etc. Wert legen und setzen dies in unserer Bandarbeit entsprechend um. Wir versuchen auch uns zudem immer wieder zu verbessern und sind kritikfähig.

Gibt es noch etwas, was ihr uns und unseren Lesern mitteilen wollt?

Philipp: Jau, vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und wir hoffen euer Interesse für unsere Musik geweckt zu haben, also hört euch den Scheiß einfach auf www.myspace.com/defacedmetal an, und wenn ihr uns Live erleben wollt, bucht uns oder sagt es euren Kumpels, die selber organisieren, weiter, dass wir günstig zu haben sind ­čśë

Horns Up! Damnation Defaced

30.03.2009

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