Wacken World Wide
Scheiß drauf, wir machen es trotzdem!

Interview

Müssen wir uns Sorgen um Wacken machen?

Das gesamte Konzept ist in diesem Jahr kostenlos streambar. Gibt es Überlegungen beispielsweise eine on-demand-Lösung vergleichbar mit Sky Ticket oder ähnlichen Anbietern einzuführen?

Ja, werden wir vielleicht auch machen. Es ist einfach immer so: Während der Aufbauphase sabbeln wir schon davon, was wir nächstes Jahr machen werden. Mein Partner Holger sagt immer, dass das Festival nie fertig wird. Und das ist auch gut so. Wir wollen natürlich eine gewisse Verlässlichkeit drin haben und das wird uns ja auch gedankt. Aber eigentlich ist jedes Festival immer eine neue Herausforderung. Wir wissen daher aktuell nicht, ob es irgendwann einen Premiumbereich oder Ähnliches geben wird.

Wie sieht es denn nächstes Jahr aus? Wir hoffen natürlich, dass das Festival 2021 stattfinden wird. Gibt es dennoch einen Plan B?

Das ist ein super Gedanke. Wir wissen aber überhaupt nicht, welche Probleme es im nächsten August geben wird. Deshalb ist es schwierig, heute Konzepte dazu vor zu denken. Technisch ist das alles kein Problem. Wir können das alles auch nochmal ganz anders denken. Diese ganzen technischen Sachen. Ich finde einen Western in schwarz-weiß immer noch gut und habe viele 3-D-Sachen im Kino nicht verstanden. Man muss immer Chancen sehen, unsere Community ist breit gefächert. Das betrifft beispielsweise die Gaming- und Mittelalter-Szene. Wir müssen die Grenzen in verschiedene Richtungen verschieben und dann gucken: Bringt das alles eigentlich etwas für das, was wir machen wollen? Und was wir machen wollen ist Metal und Leute zusammenbringen.

Um nochmal die vorherige Frage aufzugreifen. Was können wir heute unseren Lesern sagen, die sich Sorgen um Wacken machen?

Wir werden überleben! Es ist schwierig. Aber beim Wacken World Wide ist auch eine große Crew mit dran. Da sind Beleuchter, Soundcrew und so weiter am Start. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir wissen, dass das maximal eine Symbolwirkung hat. Wir kommen ja von der Küste, ein Leuchtturm in der stürmischen Brandung.

Die Liveszene wird Schaden nehmen. Wir werden ein paar gute Leute verlieren, weil die gezwungen werden, andere Jobs anzunehmen, um ihre Familien zu ernähren. Ich will ja immer positiv rüberkommen, aber der Rock’n’Roll ist von Subventionen noch nie geküsst worden. Die besten Songs entstehen aber auch, wenn die Freundin weggelaufen ist und alles ganz schrecklich ist. Aber, let’s face it: Vom Staat haben wir noch nie Kohle gekriegt. Und ich habe auch schon wieder das Gefühl, dass wir die letzten in der Schlange sind.

Auf der anderen Seite, wir sind nicht hier zum jammern, sondern wollen kreativ an die Probleme gehen. Wir haben trotzdem immer gute Unterstützung von den Behörden bekommen und wir haben hier oben in Norddeutschland eine Kultur mit den Behörden entwickelt. Das hat uns früher viel ermöglicht und wird uns auch in Zukunft viel ermöglichen. Aber: Wir sind da noch nicht durch! Für die Branche, für die Künstler, ist es, auf Deutsch gesagt, scheiße! Leute, lass uns dazu nochmal im Herbst zusammensetzen und dann sehen wir weiter.

Am Ende hat Thomas aber noch eine wichtige Nachricht für uns alle: „Nächste Woche einschalten. For free!“

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Quelle: Interview am 23.07.2020
27.07.2020

Stellv. Chefredakteur

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