Kill 2 This
Kill 2 This

Interview

Fast will man meinen, sie seien zum ewigen Geheimtipp verdammt, sind Kill 2 This dank durchgehend gutklassiger Alben auch ausserhalb Englands kein unbeschriebenes Blatt mehr. Album Nummer 4 "Mass.[Down]-Sin.(Drone.)" ist ein weiterer Neo-Thrash-Brocken, der sich hören lassen kann und zu dem Drummer Steve Rooney auch etwas zu erzählen hat.

Kill 2 ThisZunächst einmal die Frage: wie läuft’s derzeit bei Kill II This?

Im Moment läuft alles gut im Kill II This-Camp. Wir kommen grad von einer klasse Woche in Skandinavien zurück, wo wir einige Dates mit Type O Negative spielten und wir starteten ebenfalls eine Woche UK-Dates mit Anthrax. Wir sind gut drauf und kommen gut miteinander aus, was die Dinge einfacher macht. Man könnte sagen, wir ziehen alle am gleichen Strang. Das Album ist nach all dem Warten und dem ganzen Papierkram endlich rausgekommen und für uns als Band hat sich der Kreis seit letztem Jahr geschlossen und wir haben viel an altem Boden zurückgewonnen. Definitiv ein Gefühl von Rehabilitation und eine Erleichterung für jeden einzelnen von uns. Wir haben eine lange Zeit des Versuchens hinter uns gebracht und die Zukunft eröffnet sich uns, fühlt sich an wie das Ende eines langen Schlafes.

Wie sind die Reaktionen auf euer neues Album „Mass.[Down]-Sin.(Drone.)“ ausgefallen.

Wir machen uns keine Illusionen, dass dieses Album ein weiteres „Trinity“ oder „Deviate“ (nebenbei gesagt beides klasse Alben) wäre. „Mass… “ ist eine wesentlich komplizierte Platte und außerdem sind einige wirklich innovative Sounds und Texturen darauf zu hören, welche viele Leute aufgreifen. Einiges an Presse in England war uns wirklich eine Unterstützung. Diejenigen, die sich nicht die Mühe machten das Album anzuhören, waren eindeutig auszumachen. Wir hatten einen bestimmen Journalisten, der offensichtlich nur einen Blick aufs Cover geworfen und die Songs überflog hatte und uns eine Tracht Prügel verabreichte (Bemerkung Rob: ich hoffe nur im übertragenen Sinne.). Wie auch immer, die Zeit wird ihn Lügen strafen wenn die Band weiter mit Musik machen und Touren fortfährt. Die Reviews überall in Europa sind im Großen und Ganzen hervorragend gewesen und auch die Reaktionen auf unsere Liveshows vor kurzem in Skandinavien waren durchgehend beeindruckend. Ich habe das Gefühl, dass die europäischen Journalisten sich wirklich die Zeit genommen haben, um in das Album einzusteigen bevor sie es rezensieren. Meiner bescheidenen Ansicht nach sollte so ein Review geschrieben werden. Der „Trend“ sollte keinen Einfluss auf den Schreiber haben, genauso wenig wie Sensationsmache die Karriere voranbringen sollte. Letztendlich machen wir Musik und hoffentlich werden es einige Leute mögen. Ein wahres Klischee, aber das ist eben schon alles!

„Mass.[Down]-Sin.(Drone.)“ ist ein ziemlich durchgedrehter Albumtitel, welcher mich an die Releases von Earthtone 9 erinnert. Was steckt hinter diesem Titel?

Dieses Albumtitel-Ding, hm… ?! Wir hatten einen Haufen Wörter zum Albumtitel herumschwirren und die genaue Geschichte, wie es zusammenkam ist nicht einfach offiziell zu rekonstruieren. Ich erinnere mich, dass Mark (der Gitarrist) eine originelle Titelweise hatte, lange vor dem „Drowning Syndrome“. Ich war davon nie so begeistert. Irgendwann mal meinte irgendwer, man wollte schon immer das Wort „Down“ im Titel benutzen. Gegen September hatten wir schließlich den kompletten Titel. Die eigentliche Bedeutung ist für mich wahrscheinlich nicht die selbe wie für die anderen. Ich denke, wir haben alle einen persönlichen Bezug dazu und es ist ja auch ein provokanter Titel. Die einzelnen Wörter erzeugen viele Bilder, aber für mich drücken alles Gesamtheit die globale Banalität aus, die traurige Unvermeidlichkeit von Stumpfsinn und Dummheit und, ich hasse es zu sagen, das Gefühl der inneren Panik während die Welt sich weiter dreht. Die Worte „Down“, „Sin“ und „Drone“ sind für mich traurige Worte, die Mittelmäßigkeit und Langeweile suggerieren, all jenes, dass eine Person an den Rande der Verzweiflung bringt. Das Wort „Mass“ ist eine sehr starke Darstellung von Präsenz und kollektiver Bewegung sowie Gefühl. I hoffe, dass dies für den Leser Sinn macht, aber offen gesagt sind die Zusammenhänge sehr komplex.

Wie würdest du den Sound von Kill 2 This mit deinen eigenen Worten beschreiben? Wie denkst du über Vergleiche mit Fear Factory und Machine Head? Sind diese abwegig?

Ich mag den Gedanken, dass wir als Band über unseren ganz eigenen Sound verfügen, aber wir haben kein Problem mit so großartigen Bands verglichen zu werden. 2 Alben, die mein Leben definitiv verändert haben, waren „Burn My Eyes“ und „Demanufacture“ und ich weiß, dass die anderen Jungs in der Band mir zustimmen würden. Beides beeindruckende Alben und es war eine wunderbare Erfahrung mit Fear Factory zu touren. Einfach gesagt, wenn mich jemand bitten würde, seine CD-Sammlung nach musikalischem Genre zu ordnen, ich würde unser neues Album zwischen Radiohead’s „OK Computer“ und Machine Head’s „Burn My Eyes“ packen. Das wäre nicht einmal nah an einer Beschreibung, aber wenigstens hat man, wenn man mal links oder rechts daneben greift, immer noch einen Klassiker in der Hand!

Welche musikalischen Einflüsse sind bei euch präsent?

Unsere Einflüsse beim Schreiben dieses Albums waren sehr unterschiedlich. Mark hörte viel Trip-Hop/Chill-Out wie auch neue und klassische Metalbands. Ich selber hörte viel norwegischer und schwedischen Black, Death und Doom. Pete (der Bassist) kehrte zu dem klassischen Oldschool-Bands zurück und auch zu so genialen Sachen wie Alice In Chains und Pearl Jam. Er besitzt die beste Kollektion von alten Grunger-Shirts! Phil (der Sänger) hört sehr viel unterschiedlichen Kram wie Hardcore, klassische Sachen, alten Metal von den frühen 90ern, eine gute Portion Dance-Sachen und so weiter. Ich denke, als Musiker kann man durch absolut alles beeinflusst sein. Musik, Fernsehen, der eigene Lebensweg, selbst deine persönlichen Beziehungen innerhalb der Band formen die Musik, die du erschaffst.

Bislang habt ihr eure stilistischen Merkmale beibehalten. Das neue Album weist allerdings einige Veränderung auf, vor allem das verbesserte Songwriting und der kontrolliertere Gebrauch von Elektronik. Was ist aus deiner Sicht der Unterschied zu den vorangegangenen Alben?

Für mich liegt der Hauptunterschied im Sound darin, dass wir als Musiker wesentlich ausdrucksstärker geworden sind. Es gibt mehr Vielfalt auf dem Album, unterschiedliche Takte, mehr komplizierte Gesangsmelodien und ein ausgeprägter Sinn für ein Gesamtkonzept innerhalb des Albums. Was die elektronischen Sachen angeht, so wollten wir ursprünglich all das weglassen. Aber als die gesamten Aufnahmen erledigt waren, haben wir das wirklich coole Industrial-Element vermisst! So haben wir ein bisschen programmiert, aber weil es nicht von vorneherein geplant war, ist dieser Effekt ein wenig unterschwelliger. Mark ist ein besserer Songwriter geworden, schlicht und einfach weil er älter und gescheiter geworden ist und an Lebenserfahrung gewonnen hat. Schätze, man würde das in jedermanns Schaffen erkennen, von Sting hin zu Bono. Leute sehen für gewöhnlich Metal als lärmig und anti-song-orientiert. Am Ende kriegt jeder sich in den Griff.

Die neue Veröffentlichung ist weitaus Melodie-orientierter und hat sogar ein paar balladeske Momente. Auch der Gebrauch von Akustikgitarren ist recht überraschend. Ist dies der Weg, den Kill 2 This für die nächsten Jahre eingeschlagen hat?

Die akustischen Gitarren sind SO notwendig für die Tracks auf denen sie auftauchen. Beispielsweise versuchten wir eine wuchtige Heavy-Version von „Circles“ zu machen und am Ende habe ich aufgehört in mein Drumkit zu prügeln und habe den Song das sein lassen was er wirklich war, eine aufs Wesentliche beschränkte Version, die den Hörer die Melodie und die Lyrics vernehmen lässt, ohne jede Zerstreuung. Die Parts in „Wintergreen“ sind reizend, diese Akustikgitarren sind meiner Meinung nach einfach genial. Das erste Mal als ich das fertige Ding gehört habe war ich den Tränen nah. Es war gut endlich das ganze mit all den Höhen und Tiefen zu hören. Wir schrieben die Musik, die sich zu dem Zeitpunkt richtig angefühlt hat. Ich weiß ehrlich nicht wie die nächste Scheibe werden wird. Ich hoffe nur, dass es die selbe Bedeutung für uns hat wie bei diesem als es schließlich veröffentlicht wurde.

Kill 2 This haben ja einige Line-Up-Wechsel hinter sich. Ist das neue Line-Up denn bewährt? Wie wichtig wäre ein stabiles Personal?

Das Line-Up der Band ist eine komplexe Geschichte und wir hängen da nicht mehr so sehr dran. Es erscheint wie eine Ewigkeit seit der wir nun zusammen und beständig sind. Persönlich denke ich kaum noch an die alten Tage mit Matt und Caroline in der Band. In gewisser Weise fühlt es sich wie eine Wiedergeburt von Kill 2 This ebenso wie ich weiß, dass es keinen Zeitpunkt gab, an dem die Band nicht existierte. Nun ist die Band gut drauf und schreibt gute Musik. Wir geben auf der Bühne 110%, das ist alles was man von einer Band verlangen kann.

Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich würde gerne wissen, wie es zum Duett mit Burton C. Bell auf „Trinity“ gekommen ist. Wie kam der Kontakt zustande?

Nun, Dino Cazares erhielt eine Kopie unseres „Deviate“-Albums vom Produzenten Colin Richardson. Dino war in der Tat interessiert an der Band für sein eigenes Label Kool Arrow. So bekam Burton C. Bell offenbar unser Zeug zu hören und war angetan. Als Mark ein paar trockene Heavy-Vocals für das „Trinity“-Album brauchte, sprach er einfach Burton an und es lief alles glatt. Nur eines dieser netten kleinen Zufälle!

Ich wundere mich immer, dass Kill 2 This konstant gute Scheiben hervorbringen, aber nie mit einem großen Label zusammengearbeitet haben, das eure Popularität weiter voranbringen könnte. Habt ihr bisher nicht die Chance auf einen Major-Deal gehabt? Seid ihr zufrieden mit der Arbeit kleiner Indie-Labels?

Auf einem Major-Label zu sein ist ein zweischneidiges Schwert, so wie auch mit den kleinen Indie-Labels. Ein Major-Label kann zwar mehr Geld in dich investieren, aber am Ende bedeutet dies, dass man ihnen finanziell mehr schuldig ist woraufhin die Hürde in Sachen Plattenverkäufe wesentlich höher angesetzt wird. Aber wie erwähnt, sie können einem fast jede Tür öffnen die kleinen Firmen verschlossen bleiben. Eine kleine Firma mag eher dazu neigen sich um die Zukunft der Band zu kümmern, im Sinne eines großen Fisches im kleinen Teich. Aber das gilt nicht für jeden Indie, manche servieren einen ab wenn die Dinge sich langsam entwickeln. Man kann frei darüber mutmaßen, Fakt ist, dass wir auf derzeit auf einem Indie sind und sie hart für uns arbeiten. Wer weiß, vielleicht kommen auf uns größere Labels zu, aber auf lange Sicht zahlt es sich nicht zwangsläufig aus. Wir bleiben offen für alles und setzen unsere Arbeit erst mal fort.

Denkst du es ist schwerer für eine britische Band die Aufmerksamkeit in den Staaten zu ergattern?

Traurig aber wahr. Es scheint, als dass US-Firmen keine englischen Bands wollen, da sie meinen uns schwer im Griff zu haben oder, dass wir nicht gut genug sind um mitzuhalten. Amerika ist nicht das der Welt Leute! Klar, es ist groß, aber wir haben großartige Musik und unsere eigene Kultur im Rest der Welt. Dieser ganze „Durchbruch in Amerika“-Mist langweilt mich. So viele Bands, die nach Amerika gegangen sind, sind übel gescheitert und wurden daraufhin gedropped, während andere in den Staaten fast durch Zufall ihren Durchbruch erreichten. Seine ganzen Zukunftshoffnungen an so etwas festzumachen ist naiv und extrem kurzsichtig. Wenn es passieren wird, dann passiert’s halt, aber für mich erscheint das wie reine Glückssache und der Reiz des Neuen, wohingegen man in Europa mit reiner harter Arbeit und Hingabe wie auch einem guten Plan nach oben kommen kann!

Wie lauten die Zukunftspläne für Kill II This?

Wir haben ein neues Album zu schreiben und dieser Prozess beginnt sobald die Type O Negative- und Anthrax-Shows vorüber sind. Außerdem sind wir derzeit drauf und dran einen Haufen neuer Deals mit einigen neuen Organisationen zu schließen, welche uns nächstes Jahr wesentlich häufiger in Europa auf einigen von den Metal-Festivals spielen sehen sollten. Wir haben gehört, dass unsere Tour in Frankreich bestätigt wurde und selbst jetzt planen unsere Agenten und das Management eine Tour durch Deutschland, Holland und wahrscheinlich der Schweiz. Es sieht aus, als ob wir die nächste Monate ernsthaft beschäftigt sein werden!

Danke für’s Gespräch. Die letzten Worte kannst du nun direkt unseren Lesern widmen…

Danke an alle, die in der Vergangenheit unsere Musik gekauft/runtergeladen/gehört haben und auch speziell danke an alle Leute, die sich unser neues Album „Mass Down Sin Drone“ gekauft haben. Es bedeutet uns viel, dass unser Album quer durch Europa seine Hörer findet. Wir hoffen euch alle zu sehen, wenn wir später in diesem Jahr auf Tour nach drüben kommen.

22.08.2003

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