Laster
Es gibt keine Regeln, nur experimentieren!

Interview

Wenn die Musik einer Band als „obskure Tanzmusik“ benannt wird, ist das schon für sich ganz schön suspekt. Im Falle von LASTER passt das aber eigentlich recht gut, wobei eine originelle, stilistische Mischung aus atmosphärischem Post Black Metal mit Shoegaze, Avantgarde, Jazz Rock, Dark Pop und Progressive Metal besser den Nagel auf den Kopf trifft. Nach dem vielbeachteten und gelobten „Ons Vrije Fatum“ (2017) veröffentlicht das niederländische, maskierte Trio nun über Prophecy Productions das dritte Album „Het Wassen Oog“. Dieses ist erneut sehr vielschichtig und detailverliebt ausgefallen und zeigt LASTER deutlich in Richtung Avantgarde weiterentwickelt. Was die Band selbst dazu zu sagen hat, lest ihr in folgendem Interview!

 

Bandfoto von LASTER

Bandfoto von LASTER

 

„Het Wassen Oog“ ist ein sehr interessantes, vielschichtiges und abwechslungsreiches Album geworden. Wann hattet ihr mit dem Songwriting angefangen, hattet ihr an dem Prozess etwas verändert und wie passt alles zu den Songs, die ihr für „Ons Vrije Fatum“ geschrieben hattet? Was waren die Herausforderungen, das neue Album zu machen?

Wir schreiben alle unsere Musik zusammen, indem wir gemeinsam im Proberaum spielen und dabei jeweils jeder an seinem hauptsächlichen Instrument. Hier ist es, wie und wo viele der musikalischen Entscheidungen getroffen werden. Nach dem Schreiben von „Ons Vrije Fatum“ fanden wir, dass einige Elemente aus diesem Album mehr Aufmerksamkeit benötigten. Einige der dissonanteren Riffs und Melodien, die uns auf diesem Album gefallen hatten, drängten uns dazu, tiefer in die dunklen, nächtlichen Wege einzutauchen. Diese Ideen hin zu ihrer Essenz zu entblößen führte zu „Stadsluik“, einer EP, die in der Artbook-Ausgabe von „Het Wassen Oog“ enthalten ist. „Het Wassen Oog“ dagegen fühlt sich für uns wie ein natürlicher Nachfolger von „Ons Vrije Fatum“ an, aber übertrieben. Wir strebten nach technischen Verbesserungen unserer instrumentalen als auch gesanglichen Fähigkeiten, stärkere Kontraste und breitere Experimente um die Offenheit und Vielfalt des Albums zu erreichen.

Die Texte handeln von archetypischen Konzepten. Bitte erzähle uns mehr über das lyrische Konzept von „Het Wassen Oog“!

Wie bei den beiden vorherigen Alben erkunden wir die täglichen, aber dennoch „großen“ Konzepte der Liebe, Bedrängnis, Verwirrung, Sexualität, Identität… Während wir die Eventualitäten, die Teil unseres gesamten Lebens sind, überdenken und neu interpretieren, mischen wir diese mit szenischen Erlebnissen und Fantasien, in denen das Unerwartete auftritt.  Dies ist keine Verzerrung unserer Erinnerungen. So lange wir in einer enttäuschenden Welt leben, für die einige der großen Intellektuellen argumentiert haben, suchen wir danach, unser Leben neu zu verzaubern, aber ohne Religion im traditionellen Sinne.  Diese magische und realistische Art von Erfahrung beeinflusst und hilft uns, unsere künstlerischen Projekte zu gestalten. Wir haben auf diesem Album auch versucht, die genannten breiten Konzepte explizit darzustellen, dass diese wirklich unser privates und soziales Leben beschäftigen, und dass wir festgestellt haben, dass diese auch für andere in verschiedenen sozialen Schichten um uns herum zählen. Als Resultat davon denken wir, dass der böse Blick für uns nicht mehr weiter relevant und interessant ist. Im Gegenteil scheint er immer mehr von der Bühne abgestoßen zu werden. Wir denken, dass viele der traditionellen Extreme Metal-Themen, die sich mit dem Bösen und Satan beschäftigen, in ihrer Sinnhaftigkeit bedroht sind, weil sie so viel recycelt wurden, ohne dass deren Relevanz ausreichend diskutiert wird.

„Het Wassen Oog“ bedeutet das reinigende Auge – richtig? Was ist die Bedeutung dahinter und wie ist die Verbindung zu den Texten?

Der Titel des Albums bezieht sich nicht auf ein reinigendes Auge. Es ist eigentlich eine Kombination aus zwei Konzepten, wobei das erste von ihnen ein „traditionelles“ niederländisches Sprichwort „Een wassen neus“ ist, welches wörtlich „Wachsnase“ bedeutet. Es bezieht sich auf Müll, etwas ohne Bedeutung oder Wert. „Het Wassen Oog“ würde in „Wachsnase“ übersetzt werden und hat eine starke Verbindung zu diesem niederländischen Sprichwort. Das zweite Konzept wäre das Auge selbst. In (Sub-)Kulturen wird es häufig als ein böses Wesen oder eine Entität dargestellt, die „durchschaut“. Es ist eine Präsenz, die behauptet, die Wahrheit, Macht und Zuverlässigkeit. Wir beziehen uns auf das böse / alles sehende Auge, verwenden aber dieses alte holländische Sprichwort, um es subtil lächerlich zu machen. In der Zwischenzeit schauen wir uns um und finden alle ebenfalls sehend, auf Bildschirmen, politische Persönlichkeiten, sich selbst…

Ihr beschreibt eure Musik als obskure Tanzmusik. Welche Bedeutung steckt dahinter?

Musik, die aus fatalen Einschränkungen entlassen wird, wie auch immer sie gewollt ist.

Der Black Metal stellt noch immer die harschere Seite eurer Musik dar, aber ihr habt euch stark weiterentwickelt, weit über die Grenzen des Genres hinaus. Euer Sound enthält viele verschiedene Elemente von Shoegaze bis Avantgarde, Ambient, von Post Punk bis Jazz. Was waren die wichtigsten musikalischen Einflüsse, als ihr euch in diese Richtung weiterentwickelt hattet?

Wir können mit Sicherheit sagen, dass wir Fans von allen Genres sind, die du erwähnt hast. Es ist schwer von uns, unsere Einflüsse genau festzulegen, da wir neue Stile, Strukturen und Energien in Musik seit dem Tag entdecken, wenn wir sie zuerst hören. Als wir das letzte Mal ein Interview mit metal.de geführt hatten, hatten wir euch eine gewaltige Liste mit Künstlern und Einflüssen aus dem Bauch heraus gegeben. Bitte lass uns das nicht noch einmal machen, haha!

Wie die Musik selbst hat sich auch euer Gesang immer weiter geöffnet, ihr verwendet nun deutlich mehr Klargesänge als in den Anfängen von LASTER. Wie hat sich der Ansatz für den Gesang entwickelt?

Wenn ein Song Klargesang benötigt, dann braucht er Klargesang. Wenn ein Song Chöre benötigt, braucht er Chöre. Wenn ein Song hohe Schreie benötigt, benötigt er hohe Schreie. Wir versuchen, die richtige Art von Gesang mit der jeweiligen Musik zu mischen und umgekehrt. Es gibt keine Regeln, nur experimentieren.

Die Black Metal-Szene in den Niederlanden ist ziemlich stark. Wie seid ihr damit verbunden? Wie betrachtest du die Szene?

Wir lieben die Szene, sowohl unsere Freunde als auch die weinerlichen, sauren, alten, traurigen Heulsusen, die nicht unsere Freunde sein wollen. Hin und wieder gibt es Diskussionen darüber, was und in welchem Umfang als Black Metal bezeichnet wird, in Gesprächen während Konzerten, in Interviews, durch Hörensagen usw. Wir lieben es, aber die Herausforderung des Experimentierens und Offenheit entfachen uns mehr als sich mit einem Glauben zu identifizieren, wie Black Metal sein sollte.

Was gibt es sonst noch Neues bei euren anderen Bands und Projekten?

NUSQUAMA, roher und atmosphärischer Black Metal mit N. und S., haben gerade ein neues Album mit dem Titel „Horizon Ontheemt“ über Eisenwald veröffentlicht. NEVEL, atmosphärischer Black Metal mit W., werden ihr zweites Album „Leven“ auf Babylon Doom Cult Records veröffentlichen. S. spielt noch in GREY AURA, einer Band, die für ihren harschen Stil von experimentellem Black Metal bekannt ist. Es wird noch weiteres Material an die Oberfläche kommen, aber es ist jetzt noch zu früh, um darüber zu sprechen.

Was habt ihr in nächster Zukunft alles geplant?

Wir werden in diesem Jahr viele Touren spielen. Zuerst im Mai in China, danach besuchen wir Kanada. Kommt und seht uns später im Jahr in Deutschland! Wir spielen auf dem Prophecy Fest in Balve und beim Wintermelodei in Münster!

09.05.2019

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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