Laster
Die Spannung zwischen Freiheit und Schicksal

Interview

LASTER zeigen sich auf ihrem zweiten Album „Ons Vrije Fatum“ so kreativ, wie andere Bands auf drei Alben zusammengenommen gerne wären. Die Niederländer stehen metal.de Rede und Antwort.

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LASTER im Interview mit metal.de

Hallo zusammen, und Gratulation zur Veröffentlichung eures neuen Albums.

Es ist fast unglaublich, wie viel Kreativität LASTER auf ein einziges Album packen. Obwohl das eine häufig gestellte Frage ist, würde ich also gerne damit starten: Wie arbeitet ihr? Wie schreibt ihr Musik, und wie fügt ihr der Musik so viele Ebenen hinzu?

Hallo, vielen Dank für deine netten Worte! Wenn wir Musik schreiben, arbeiten wir an unterschiedlichen Zeitpunkten an unterschiedlichen Layern. Die meiste Inspiration – der Drive sozusagen – entnehmen wir unserem Alltag. LASTER ist eine Reaktion auf das Mundäne und auf die Medien, welche auch immer wir zu verschlingen wählen … oder welche uns verschlingen. Wir sind uns da nie sicher. Wie auch immer, wir nehmen diesen Drive in unsere kleine Höhle, wo wir Drei versuchen, einen Song daraus zu bauen. Wir nehmen das auf und tragen die Aufnahme eine Weile mit uns herum; dank unserer magischen, tragbaren Abspielgeräte ist das ja einfach. So ist es uns möglich, unsere Arbeit zu reflektieren, während wir von A nach B radeln, in einem übervollen Zugwagon sitzen, die Wäsche machen, durch die Stadt spazieren, und so weiter.

Das klingt nicht sehr heroisch, weil es das nicht ist, aber es sorgt dafür, dass wir mit frischen Ideen für die Entwicklung der Songs in unsere Höhle zurückkehren. Und von dort aus wiederholen wir und wiederholen wir und wiederholen wir, bis alles irgendwie „Klick“ macht.

Wenn man dem Internet glauben darf, besteht LASTER aus drei Musiker, von denen jeder jedes Instrument bedient und jeder auch für den Gesang zuständig ist. Was ist der Grund dafür, warum seid ihr diesbezüglich keine „normale“ Musik?

Jeder von uns hat sozusagen sein Hauptinstrument, aber es ist uns wichtig, jedes Instrument zu verstehen – und in der Lage zu sein, es spielen zu können -, um Ideen auszutauschen. Indem wir das tun, sind wir in der Lage, etwas zu erschaffen, das mehr einer Symbiose gleicht – und das halten wir sehr hoch.

Neben Einflüssen aus diversen Subgenres des Black Metal, konnte ich Electro, Ambient, sogar Jazz auf „Ons Vrije Fatum“ hören. Stimmt ihr zu, dass das auf dem Album zu hören ist? Und gibt es noch mehr Einflüsse, die ihr nennen wollt? Oder anders gesagt: Welche Art(en) von Musik inspirieren euch, Musik für LASTER zu schreiben?

Die Leute fragen uns das ziemlich oft, und wir haben immer Probleme damit, eine ehrliche und komplette Antwort zu finden. Deshalb haben wir uns entschieden, eine Liste an Künstlern und ihren Werken zusammenzustellen, die uns während oder vor dem Arbeitsprozess zu „Ons Vrije Fatum“ beeinflusst haben. Das alles mag auf unserem Album gehört oder nicht gehört werden, aber das ist auch nicht wirklich der Punkt bei Einflüssen, richtig?

[Es folgt eine lange, lange Liste, die ich unter den Artikel gepackt habe, statt sie in den Text einzufügen. Interessierte bitte nach unten scrollen. – Anm. d. Red.]

Da viele unsere Leser nicht in der Lage sein werden, eure niederländischen Texte zu verstehen, könntet ihr die Grundlagen zusammenfassen?

Liebe, Intimität, Zeit, Selbstironie und gestohlene Fahrräder.

„Ons Vrije Fatum“ bedeutet, wenn ich mich nicht irre, „Unser freies Schicksal“ oder „Unser Schicksal der Freiheit“? Was steckt hinter diesem mehr oder weniger ironischen Statement? Und wie ist es mit den Inhalten des Albums verbunden?

Du irrst dich nicht, „Ons Vrije Fatum“ lässt sich als „Unser freies Schicksal“ übersetzen. Und ja, man könnte das als ironisch interpretieren. Ironie ist etwas, das bei LASTER sehr gut funktioniert. Auf „Ons Vrije Fatum“ geht es um eine gewisse Spannung zwischen Freiheit und der Erfahrung des Moments oder des Ortes, an dem Freiheit endet. In den Tracks dreht sich alles um die Freiheit, die du in deinen Handlungen erfährst, und wie du ihr Resultat als Schicksal interpretieren könntest, ohne jemals wahrhaftig dessen Präsenz zu akzeptieren. Diese Spannung war schon immer ein allumfassendes Thema für uns. Sie ist keine negative Sache, sondern kreiert neue und unvorhergesehene Möglichkeiten. Sie startet ein neues Leben. Dieses Gefühl der Spannung ist, was LASTER – als Zusammenspiel von Symbolik und Klang – immer für uns war.

Eines der auffallendsten Dinge, wenn man auf LASTER schaut, ohne die Musik zu hören, ist für mich, dass eure Produkte keinerlei klassische Black-Metal-Ästhetik beinhalten. Es gibt kein Corpsepaint, keine Kapuzen, kein Leder auf eurem Promofoto zu sehen, es gibt keine satanische oder okkulte Symbolik in euren Artworks, und soweit ich sie verstehen kann, gibt es davon auch nichts in euren Texten. Wo seht ihr euch im Kontext mit der klassischen Black-Metal-Ästhetik?

LASTER lebt immer irgendwo in der Mitte. LASTER kennt keinen Anfang und kein Ende. Es gibt keine allumfassende Repräsentation von Black Metal – oder jedem anderen Genre – in unseren Köpfen. „Black Metal ist eine versiegelte Umgebung, in die du gehörst oder nicht gehörst“, sagt das lange überfällige Stereotyp. Wir sehen es als idiotisch, irgendeine Art von Musik auf diese Weise anzugehen. Musik ist eine offene Struktur, innerhalb derer alles auf den Tisch gebracht werden darf, solange es die Intensität der Spannung steigert – egal in welcher Art oder Weise.

Theatralik scheint für LASTER eine große Rolle zu spielen – nicht nur ist eure Musik theatralisch, sondern Theatralik scheint mir auf einer Metaebene selbst Inhalt des musikalischen und textlichen Konzepts zu sein. Überinterpretiere ich da? Oder könnte man das das Konzept nennen?

Es gibt bei uns kein allumfassendes Konzept, da LASTER ein offenes Ende hat, die Band entwickelt sich immer und immer weiter. Man könnte sagen, dass Bewegung der Motor hinter dem Prinzip ist, das LASTER heißt. Wir wissen nicht, was werden wird, wir wissen nur, wie es wird.

Und die berüchtigten letzten Worte …

Utrecht wacht, bij nacht.


Die Liste der Einflüsse von LASTER und „Ons Vrije Fatum“:

JESU’S HEART ACHE – s/t, „Silver“, „Conqueror“ und „Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came“. ALEJANDRO JODOROWSKYs „La Danza De La Realidad“ und „The Holy Mountain“. VIRUS‘ „The Againt That Shapes The Desert“, „Oblivion Clock“, „The Black Flux“ und „Carheart“. MANES‘ „Vilosophe“, „How The World Came To An End“ und „Be All End All“. GODFLESHs „Hymns“ und „Us And Them“. ALBERT CAMUS‘ „L’estrange“. CHARLES BUKOWSKIs „Post Office“. DAVID LYNCHs „Twin Peaks“, „Eraserhead“, „Inland Empire“ und „Mullholland Drive“. ULVERs „Teaching In Silence“, „Blood Inside“, „Bergtatt“ und „Metamorphosis“. BRET EASTON ELLIS‘ „Glamourama“. FRANZ KAFKAs „Der Verschollene“. FRANCIS ALŸS‘ „Cuentos Patrióticos“ und „Sometimes Making Something Leads To Nothing“. FRIEDRICH NIETZSCHEs „Die Fröhliche Wissenschaft“. FUTURE ISLANDs Singles. EVERYTHING UNLIMITEDs „THe Beginner’s Guide“. HAROLD SCHWEIZERs „On Waiting“. FYODOR DOSTOYEVSKIs „Gebrüder Karamasov“. DIAPSIQUIRs „A.N.T.I.“ BOHREN & DER CLUB OF GOREs „Sunset Mission“, „Midnight Radio“, „Dolores“. IGORRRs „Nostril“ und „Hallclujah“. FERDINAND BORDCWIJKs „Blokken“. LUGUBRUMs „De Vette Cuccken“ und „Albino De Congo“. BAS JAN ADERs „Fall 2“ und „Broken Fall“. FLUSITERAARs „Luwte“. ORCHIDs „Le Desordre C’est Moi“, „Dance Tonight! Revolution Tomorrow!“ und s/t. JACOB ISRAEL DE HAANs „Pathologieen“. LUNAR AURORAs „A Haudiga Fluag“. HEIRs „Hunter“. MILES DAVIS‘ „Ascenseur Pour L’echafaud“. CRYWANKs „Tomorrow Is Nearly Yesterday And Everyday Is Stupid“. SUN KIL MOONs „Among The Leaves“ und „Benji“. TERZIJ DE HORDEs Live-Auftritte. BRUTUS‘ Seven-Inches und ihre Kollaboration mit THE GURU GURU. The LUMEs „Lust“. HIROMI UEHARA: „The Trio Project’s Live Performances“. DÄLEKs „Gutter Tactics“, „From Filthy Tongue Of Gods And Griots“ und „Absence“. THE PINEs „Days Slipping By“. DR. DUVALs Seven-Inches. LENGSELs „Solance“ und „The Kiss – The Hope“. JAMES M. CAINs „The Postman Always Rings Twice“. SPINVIS‘ s/t und „Dagen Van Gras, Dagen Van Stro“. NEFASTs Live-Auftritte. SLINTs „Spiderland“. MISERE LUMINIS‘ s/t. VED BUENS ENDEs „Written In Waters“. AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDRENs „Try Not To Destroy Everything You Love“. BEASTMILKs „Use Your Deluge“ und „Climax“. SLOWDIVEs „Souvlaki“. PAYSAGE D’HIVERs s/t und „Kristall & Isa“. CITY OF CATERPILLARs s/t. JOHAN VAN HATTUM. CHARLIE BROOKERs „Black Mirror“. ASCETIC:s „Self Initiation“. BERLINDE DE BRUYCKEREs „Kreupelhout“, „Marthe“ und „Into One – Another II.To P.P.P., 2010-2011“. FRANCOIS TUFFAUTs „Jules et Jim“. SAMUEL BECKETTs „Waiting For Godot“. MG?As „Exercises In Futility“. MY BLOODY VALENTINEs „Loveless“. PESTE NOIREs s/t und „La Sanie Des Siecles – Panégyrique De La Dégénérescence“. TALK TALKs Greatest Hits. THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLEs „Here Be Dragons“ und „Mutations“. GUSTAVE FLAUBERTs „Madame Bovary“. MESOEURs „Ruines Humaines“. DEAFHEAVENs „Sunbather“. JORGE LUIS BORGES‘ Kurzgeschichten. KLAGEs „Die Weihe des Eises“ und „Dystopias Wiege“. HERMAN BRUSSELMANs „Mijn Haar Is Lang“. GILLES DELEUZEs „Rhizome“. TURIAs „Dor“. ALCESTs „Souvenirs D’un Autre Monde“. THE XXs „xx“. J.G. BALLARDs „Crash“ und „Concrete Island“. Rotwein. Desperados (nicht der Film mit Antonio Banderas).

Wir könnten ein paar vergessen haben.

17.01.2017

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