Lost Soul
Lost Soul

Interview

Viel zu selten werfen wir einen Blick zu unseren Nachbarländern gen Osten. Auf der Metalllandkarte ist Polen wohl für viele nur ein großer schwarzer Fleck, wenn man mal von dem leuchtenden Punkt "Vader" absieht. Dabei tummelt sich dort doch einiges an musikalischem Potenzial, dass durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Ähnlich wie "Behemoth", die sich in den letzten Jahren schon einiges an Bekanntheit erspielen konnten, pflegen "Lost Soul" sich schön zwischen die Genrestühle Death und Black Metal zu setzen, und zwar mit einem ganz ansehnlichen Ergebnis. Schlagzeuger Adam Sierzega fand ein wenig Zeit und klärte mich ein wenig über ihr aktuelles Album "Übermensch" auf.

Lost SoulHi! Wie geht’s Dir?

Hallo! Danke, gut.

Könntest Du vielleicht die Band kurz vorstellen? Wenn ich richtig liege, gibt es Euch doch schon gut zehn Jahre. Was waren so die Höhen und Tiefen?

Die Band wurde 1991 gegründet. Am Anfang standen wir sehr auf extreme und brutale Musik, die wir auf unseren Demos „Eternal Darkness“ ’93 und „Superior Ignotum“ ’94 verewigt haben. Mit dem dritten Demo „Now is Forever“ ’98 haben wir dann unsere Kreativität in eine etwas andere Richtung verlegt. Unser Debüt „Scream of the Morning Star“ kam 2000 über Relapse Records raus. In der Zwischenzeit haben wir viele erfolgreiche Gigs mit Vader, Dying Fetus oder Deranged gespielt. Und jetzt haben wir unser neues Album „Übermensch: Death Of God“ veröffentlicht.

Wie kamt ihr eigentlich auf dem Titel?

Der Titel hat eine tiefe Verbindung zu den Texten auf diesem Werk. Philosophie, Magie und generell die dunkle Seite [Schleichwerbung :-)]waren immer ein Teil unserer Kreativität.

Für mich klingt das sehr nach Nietzsche. War er ein Einfluss für den Titel? Liest oder magst Du seine Werke?

Ja, stimmt. Ich denke „Übermensch“ ist das wichtigste Wort in seiner Philosophie. Das ist auch der Grund warum wir es als Albumtitel gewählt haben. Natürlich lese und mag ich Nietzsche, besonders „Also Sprach Zarathustra“ und „Morgenröte“. Also ja, es ist schon sehr von ihm beeinflusst, aber Du findest nicht nur philosophische Texte auf unserem Album.

Der Titel suggeriert, meiner Meinung nach, auch ein tiefer liegendes Konzept. Ist es also ein Konzeptalbum?

Ja. Kraft, Courage, und ein starker, freier Wille sind die Hauptthemen und „Übermensch“ ist für uns das ideale Symbol dafür. Wir müssen alle die Kraft in uns finden, um unser eigenes Schicksal zu bestimmen. Wir brauchen keinen Gott über unseren Köpfen.

Euer Album hat mich ein wenig an Kataklysm und atmosphärischen Black Metal erinnert. Würdest Du mir da zustimmen?

Das stimmt. Wir liegen irgendwo zwischen Death und Black Metal. Das ist eine große Herausforderung für uns. Wir mögen sehr viele Genres und Stile und wollen sie zu interessanter Musik vereinen. Vor allem aber spielen wir extreme Musik.

Was mich besonders auf „Übermensch“ überrascht hat, sind die Instrumentals. Ich meine, ich mag sie wirklich sehr, aber sie scheinen so untypisch für ein im Death Metal angesiedeltes Album. Hattet Ihr nicht ein wenig Angst, dass Ihr damit nicht angenommen werdet?

Danke, das freut uns sehr, dass sie Dir gefallen haben. Die Instrumentals sind von unserem Ex-Bassisten Krzysztof komponiert worden. Da wir auch Dark Wave und Industrial Fans sind, hatten wir uns entschieden, ein neues Element zu Lost Soul hinzufügen. Wir waren uns darüber klar, dass das vielleicht ein gewagter Schritt ist, aber ich bin jetzt hundert Prozent sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Kann schon sein, dass einige Leute das Album deshalb nicht mögen werden, aber das ist uns egal. Wenn wir ein Album machen, erschaffen wir unsere Musik und denken nicht daran, ob die Leute es mögen oder ob die Reviews gut werden. Musik ist Kunst. Wir machen Musik und keinen Pop-Scheiß, falls Du weißt, was ich meine.

Ich denke schon. Lasst mich mal auf Eure Kollegen von Vader kommen. Einige sehen Euch ja als mögliche Anwärter auf deren Thron als beste polnische Death Metal Band. Seht Ihr Euch selbst auch in dieser Position?

Also, Ich weiß nicht. Ich meine, wir sind fokussierte Musiker und versuchen, so gut zu spielen wie wir können, aber Musik ist kein Rennen. Das ist wirklich sehr wichtig. Vader sind großartig und bedeutend für die Geschichte des polnischen Death Metals, aber wir müssen nicht besser sein als sie. Wir wissen wer wir sind.

Wo denkst Du steht die polnische Szene im europäischen Vergleich?

Ich denke, dass wir eine der stärksten Szenen in ganz Europa haben! Wir haben viele gute Bands ? Vader, Behemoth, Traume, Hate oder Vesania. Es gibt auch viele Magazine, die die extreme Szene unterstützen. Ich denke die Szene ist gut und gesund.

Gibt es Lost Soul in naher Zukunft auch, außerhalb Polens live zu sehen?

Ich hoffe es. Es wäre wirklich großartig, wenn wir eine Europatour machen könnten. Wahrscheinlich werden wir im November mit ein paar anderen polnischen Bands touren. Checkt einfach unsere Homepage.

Mit wem würdet Ihr am liebsten auf Tour gehen und warum?

Hmmm… vielleicht Emperor, Morbid Angel oder Samael. Es gibt so viele gute Bands. Die Liste ist endlos.

Ok. Ich werfe Dir ein paar Stichwörter an den Kopf, die mir zu Polen einfallen, und Du sagst dazu, was Dir so einfällt.

Klar, natürlich.

Der Papst?

Der alte Mann.

Billige Zigaretten?

Nein, danke. Ich bevorzuge anderes Zeug.

Die EU?

Ich bin Optimist.

Irak?

Geld, Geld, Geld…

Behemoth?

Unsere „brothers in crime“. Respekt!

Gestohlene deutsche Autos?

Kein Kommentar, hehehe.

Zu guter Letzt noch. Was sind Eure musikalischen Ziele für dieses Jahr?

Als aller erstes eine Tour durch Europa. Danach mit der Arbeit zum dritten Album anfangen. Ich hoffe, wir sehen Euch bald auf unseren akustischen Ritualen in Deutschland. Hail!

01.07.2003

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