Mirror Of Deception
Mirror Of Deception

Interview

Eine der dienstältesten und besten Doom Metal Bands Deutschlands sind sicherlich MIRROR OF DECEPTION aus Göppingen, welche in Kürze ihr neues und drittes Album "Shards" über Cyclone Empire Records (u. a. COUNT RAVEN, SOLSTICE) veröffentlichen. Dieses zeigt die schwäbischen Doom Metal Monster stärker denn je und führt dabei die eingeschlagene Linie konsequent fort. Über das neue Werk und andere Themen gab Gitarrist und Doom Shall Rise Veranstalter Jochen Fopp bereitwillig Auskunft.

Mirror Of DeceptionEuer neues Album „Shards“ ist sehr abwechslungsreich, vielseitig, dicht und originell! Wie bist du selbst damit zufrieden und wie waren die bisherigen Reaktionen?

Danke, das freut mich zu hören. Ich bin sehr zufrieden mit dem Album und die ersten Resonanzen von Bekannten, befreundeten Musikern und der Presse waren bislang durchweg positiv.

Dieses Mal habt ihr ja weniger cleane Parts, auf der anderen Seite doch mehr Soli. War dies eine natürliche Entwicklung oder wolltet ihr eure Musik ein klein wenig verändern?

Wir wollen uns nicht wiederholen, konstruieren die Lieder aber auch nicht am Reißbrett. Die Musik entsteht aus dem Bauch heraus und die Stücke bekommen das, wonach sie verlangen. Dieses Mal haben sie unter anderem nach mehr Soli geschrieen.

Wie lange habt ihr denn insgesamt an dem Teil gearbeitet, was Songwriting, Produktion und Artwork angeht?

Der Song „The Eruption“ stand bereits 2004 in Grundzügen, wurde allerdings nochmals gründlich überarbeitet. Kurz nach der letzten Scheibe entstand dann „Haunted“ und der Grossteil der restlichen Songs wurde während der letzten 2-3 Monate vor den Studioaufnahmen fertig gestellt. Das ist meist unsere aktivste Phase. Die Studioarbeiten erstreckten sich vom ersten Trommelschlag bis zum Abschluss des Endmixes über 6-7 Wochen, welche wir aber nicht ununterbrochen im Studio waren. Das Artwork hat dieses Mal länger gedauert, da unser bisheriger Grafiker zeitbedingt nicht zur Verfügung stand und wir daher erst jemand anderen finden mussten. Die Fotografin Caroline Traitler (www.photopit.com) sprang schließlich in die Bresche und erstellte das Artwork.

Worin siehst du die Unterschiede zwischen „Foregone“ und „Shards“?

Ich finde, dass „Shards“ frischer und wie Du schon sagtest abwechslungsreicher als der Vorgänger klingt. Die generelle Atmosphäre ist verglichen mit „Foregone“ etwas weniger düster, aber natürlich ist es immer noch keine Platte für die nächste Strandparty. Die Texte hingegen sind zum Teil persönlicher und finsterer als auf dem Vorgänger.

Was kannst du uns von den Studioaufnahmen erzählen? Ihr habt ja zum zweiten Mal im Soundmann Studio aufgenommen, was ist das Spezielle an diesem Studio?

Wir waren sehr angetan von dem fetten Sound, der uns dort für „Foregone“ verpasst wurde. Darüber hinaus ist das Studio erschwinglich und liegt nicht weit von unseren Wohnorten entfernt. Die eigentlichen Aufnahmen liefen konzentriert, weitgehend nach Zeitplan und ohne schwerwiegende Vorkommnisse ab. Wer sich für Einzelheiten interessiert, findet auf unserer Webseite www.mirrorofdeception.de einen Studioreport.

„Foregone“ erschien ja auf dem belgischen Label Final Chapter, während „Shards“ nun auf Cyclone Empire Records veröffentlicht wird. Weshalb der Wechsel und was erwartet ihr von der neuen Zusammenarbeit?

Final Chapter hat letztes Jahr den Betrieb eingestellt, allerdings nicht ohne die Bands rechtzeitig zu informieren und tatkräftig Kontakte zu neuen Labels herzustellen. So sind unsere Ex-Kollegen THE GATES OF SLUMBER mittlerweile bei I Hate Records gelandet und RISING DUST sollten mittlerweile auch einen neuen Deal in der Tasche haben. Wir selbst hatten mehrere Angebote, haben uns aber für Cyclone Empire entschieden, da uns die Konditionen hier am Besten erschienen, das Büro ganz in unserer Nähe ist, uns die bisherigen Veröffentlichungen und die Arbeit des Labels dafür gefallen haben. Zu guter letzt kannte man sich bereits persönlich. Wir erwarten uns Unterstützung und Vertrauen von einem Label und daran lassen es Cyclone Empire bislang bestimmt nicht mangeln. Zudem hoffen wir durch ihre Kontakte ein paar Schritte nach vorne machen zu können und die Band noch bekannter zu machen.

Kommen wir zu euren musikalischen Einflüssen, wie haben sich diese im Laufe der ganzen Jahre (die Band existiert ja immerhin seit 1990) verändert?

Die Wurzeln sind in all den Jahren dieselben geblieben, sprich die klassischen Doom Bands wie CANDLEMASS, COUNT RAVEN, PENTAGRAM, SAINT VITUS, REVELATION, BLACK SABBATH und andere. Mit der Zeit lernt man, sein Instrument besser zu beherrschen, Hörgewohnheiten und Vorlieben verändern und erweitern sich. Ich befasse mich neben Rock und Metal auch mit anderen Musikrichtungen und das färbt mit Sicherheit auch ab. Ganz allgemein gesagt hat letztlich alles, was man hört, sieht und fühlt Einfluss auf die eigene Musik.

Erzähl uns doch bitte, wie es war, mit COUNT RAVEN zusammen in Finnland einige Shows zu spielen!

Das war sicherlich ein Highlight unserer bisherigen Laufbahn. Nicht unbedingt aufgrund der Besucherzahlen, denn die bewegten sich zwischen 50 und 100 Leuten. Aber die Finnen sind schon ein ganz besonderes Völkchen und es war einfach ein Erlebnis, mit den alten Helden durch die Taiga zu ziehen und gemeinsam zu musizieren. Besonders Wilbur und Renfield, die mittlerweile ja leider nicht mehr zu COUNT RAVEN gehören, waren sehr spaßige Gesellen. REVEREND BIZARRE’s Auftritt in einem Plattenladen in Turku hinterließ auch einen bleibenden Eindruck und zum Abschluss gönnten wir uns noch ein paar relaxte Tage am Meer. Auch hier wieder der Hinweis auf die ausführliche und reich bebilderte Reportage auf unserer Webseite.

Die Doom Szene scheint ja langsam wieder etwas mehr im Kommen zu sein. Wie siehst du die Entwicklung des Ganzen? Welches sind deine momentanen Faves in diesem Bereich?

Zum einen ist es natürlich schön, dass es mehr Interesse am Doom gibt und auch immer wieder viel versprechende Newcomer aus dem scheinbaren Nichts auftauchen. Es ist zwar alles nicht mehr ganz so familiär und persönlich wie noch vor einigen Jahren, aber immer noch besser als das, was ich von anderen Szenen so mitbekomme. Bei Konzert- und Festivalveranstaltern hat man als Doom Band jedoch nach wie vor einen schweren Stand.

Meine momentanen Faves sind THE RIVER aus England. Sängerinnen sind ja in diesem Genre noch eher selten zu finden und das Debütalbum „Drawing Down The Sun“ ist eines meiner bisherigen Lieblingsalben des laufenden Jahres. Wer es etwas deftiger und mit NEUROSIS Einflüssen mag, ist mit den Österreichern OUR SURVIVAL DEPENDS ON US gut beraten. Auch das neue THE GATES OF SLUMBER, sowie das neue DREAMING Album sind ganz hervorragend geworden. Einer der Doom Höhepunkte des Jahres wird jedoch mit Sicherheit das zweite WARNING Album „Watching From A Distance“.

Ich würde noch gerne eine Frage zum Doom Shall Rise Festival stellen. Wie ist dein Fazit zum diesjährigen Festival und gibt es schon Informationen zum nächstjährigen Doom Shall Rise?

Aus Veranstaltersicht ist einmal mehr alles rund gelaufen, wenn man mal vom unerwarteten Ausfall des SOLITUDE AETURNUS Sängers absieht. Zum nächsten Festival kann ich derzeit leider noch nicht viel sagen, aber der genaue Termin und die ersten Bands für das Doom Shall Rise V werden in einigen Wochen bekannt gegeben. Ob und wie es danach weitergeht, muss sich zeigen. So langsam gehen uns doch die potentiellen und für uns finanzierbaren Headliner aus.

Was sind die nächsten Pläne mit MIRROR OF DECEPTION?

Erstmal stehen im Oktober und November einige Konzerte an und wir freuen uns schon darauf, die „Shards“ Songs auf die Bühne zu bringen. Nach unserer Releaseparty werden wir erstmals in Berlin zu sehen sein, spielen auf der Belgian Doom Night und sind dann noch Special Guest bei der SACRED STEEL Releaseparty. Im Frühjahr wollen wir dann einige neue Songs für eine geplante Split-12″ mit den Finnen GARDEN OF WORM aufnehmen. Dann gibt es für 2007 noch Planungen für einige Konzerte in England und Irland, sowie eine weitere Deutschlandtour. Wir haben also noch einiges vor.

Was bedeutet Metal für dich?

Sehr viel, denn ohne Metal wäre mein Leben in ganz anderen Bahnen verlaufen und ich hätte bestimmt nicht die gleichen Erfahrungen machen dürfen und Erlebnisse gehabt. MIRROR OF DECEPTION wird immer eine Metal Band bleiben, denn das sind unsere Wurzeln. Aber der Metal ist inzwischen ein recht unüberschaubarer Dschungel geworden und man kann und muss nicht alles mögen, was da so wächst und sich durchs Gestrüpp bewegt.

Galerie mit 15 Bildern: Mirror Of Deception auf dem Doom In Bloom Festival 2016
19.09.2006

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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