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Im Waschzettel zu VENOMs 16. Studioalbum „Into Oblivion“ steht es geschrieben: Die Band bedarf keiner Vorstellung! Und doch – für viele sind die Briten Vorreiter und Gründer eines sich stets weiterentwickelnden Sub-Genres. Andere nutzen VENOM mit dem ikonischen Artwork als Fashionbrand ohne weitere Bezugnahme auf die Musik und wieder andere sehen in Cronos und Co. nicht ganz ernstzunehmende Anti-Musiker. Vom scheppernden Sound aus den Anfangstagen ist das Trio bekanntlich zwar ein ordentliches Stück abgerückt, die Einfachheit im Songwriting hat sich über all die Jahrzehnte aber gehalten.
VENOM bleiben sich und ihren Fans treu
Der Titeltrack „Into Oblivion“ versprüht zunächst ganz andere Vibes. Da geht es thrashig zu, während uns Cronos gar ganz zart an James Hetfield erinnert. Der Song ist ein Banger. Weiter geht es dann mit „Lay Down Your Soul“. Wem diese Textpassage bekannt vorkommt, denkt womöglich an „Black Metal“. Laut Cronos ist der Songtitel eine klare Reminiszenz an den wichtigsten Song seiner Karriere. Seiner Einschätzung nach „werden die Fans total ausflippen“. Praktischer Weise lässt sich der Chorus sofort mitgrölen. Grölen ist auch ein gutes Stichwort, wenn wir uns die Platte weiter anhören. Cronos wechselt vom anfänglichen Breitbrustgesang wieder ins bekannte Schreien ohne Schönfärbung. Das ist beruhigend und irgendwie auch schade.
Gerät „Into Oblivion“ bald in Vergessenheit?
…nicht unbedingt. Immerhin halten VENOM neben all den MOTÖRHEAD-Schmachtfetzen auch noch ein paar echte Überraschungen bereit. „As Above, So Below“ verzaubert uns mit einem niederträchtigen Intro, während das Mainriff ein Killer ist und Cronos Stimme schön 80s-mäßig gemastert ist. Auch „Kicked Outta Hell“ fetzt wieder thrashig und das Lick könnte aus der Feder eines gewissen Gary Holt stammen, der es freilich um 120 bpm gepimpt haben würde. Dann greift Cronos wieder in die Mottenkiste der Belanglosigkeiten und trällert im Chorus zu „Legend“ an den Noten vorbei. Später kramt die Band tatsächlich noch Songtitel wie „Metal Bloody Metal“ oder „Dogs Of War“ aus. Die Musik passt sich den Worten übrigens sehr genau an. Das alles haben wir viel zu oft gehört, als dass wir „total ausflippen“ würden.
Wo VENOM draufsteht, ist VENOM drin
Alles in allem liefern die Briten mit „Into Oblivion“ ein Werk ab, dass unverkennbar die eigene Handschrift trägt, immer noch mit Satanismus kokettiert und dessen Hülle ein humanoider Ziegenkopf ziert. Muss man die Platte besitzen? Als Fan mit Sicherheit. Als passionierter „Ich-Ziehe-Meine-Kutte-nur-unter-der-Dusche-aus“-Heavy-Metal-Maniac vielleicht auch. Für VENOM-Gelegenheitshörer:innen mit Respekt für die Entstehungsgeschichte dieser Musik reichen die ersten drei Alben (plus „Eine Kleine Nachtmusik“) höchstwahrscheinlich aus, um nicht im Höllenfeuer zu enden. Dazu passt auch der letzte Absatz in der Review von Kollege Lattemann zum Vorgänger „Storm The Gates„.

Venom - Into Oblivion
Oliver Di Iorio



























Venom waren echt wichtig.
Venom waren echt geil.
Manchmal sollte man gewisse Dinge einfach ruhen lassen.
„In Würde altern“, darunter versteh ich was anderes 😉
Es ist ja schon interessant, dass ausgerechnet Cronos den Namen „Venom“ weiterführen kann, wo doch die eigentlich Gründer der Band ursprünglich mal Mantas und Abaddon waren… aber egal wie die Namensrechte gerade liegen, wer gerade mit wem musiziert und wie die jeweilige Band gerade heissen mag, musikalisch Relevant waren immer nur die Alben, die in der klassischen 3er-Konstellation Cronnos, Mantas, Abaddon entstanden sind. Und auch da gab es schon einen deutlichen Qualitätsabfall zu verzeichnen…
Mantas und Abaddon haben letztes Wochenende zwar einen großartig klischeetriefenden Auftritt mit etlichen tollen Gästen (Schmier, Angelripper, Andy Brings, Attila Csihar, Danny Lilker, etc) auf dem Keep it True gespielt, aber auch der hat halt hauptsächlich vom Kult der Songs aus den 80ern und der großartigen Stimmung an dem Abend gelebt.
Neue Musik von Venom brauchen vermutlich maximal noch die Musiker selbst, um ihre Rechnungen zu bezahlen…