Poostew
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Interview

POOSTEW haben mit ihrer Scheibe "Plutocracy" überall gute Kritiken geerntet und vor Kurzem mit etlichen Liveshows die Häuser gerockt. Höchste Zeit also, mit der Band über Musik, Szenegeschehen, Politik, Misere und musikalische Zukunftsmusik zu plaudern. Lest hier, warum die Band gegründet wurde und auf was für Platten man sich in Zukunft freuen darf.

PoostewMoin Moin! Wie sieht es momentan aus im POOSTEW-Lager?

Ja Moin! Bei uns ist grad heiße Songwriting-Phase. Im April geht´s nach Hamburg ins Studio für die Aufnahmen der kommenden Split mit Infested. Diese soll dann pünktlich zur Sommertour draußen sein. Achja, und das
wär dann auch direkt der zweite große Aktivitätsposten … wir planen zur Zeit Shows wie die Wilden. Neben der Tour im Sommer gibt´s vorher noch das Death Feast in Hünxe, das Death over Düsseldorf-Festival und ein
paar Einzel-Shows zum Aufwärmen.

Gut! Kommen wir zu Anfang doch erst mal zu Eurer Bandgeschichte. Unter welchen Umständen seid ihr damals entstanden, was war die Intention dieser musikalischen Vereinigung?

Eine spannende Story gibt es dazu leider nicht, alles lief ziemlich unspektakulär ab. Chris und Guido haben vorher in einer Band gespielt und wollten nach deren Auflösung zusammen weiter Musik machen. Durch die
Bekanntschaft mit Guido ist Paul an der Gitarre dazugekommen. Das war der Kern der Band und seitdem kamen und gingen einige Leute an der 2. Gitarre und Bass. Mittlerweile bin ich (Felix Michalkowski) als fester Bassist dabei.
Die Intention Musik zu machen war wohl, dass keiner Lust hatte für Shows Eintritt zu bezahlen. 😉

Mit POOSTEW habt Ihr Euch ja einen wirklich bedeutungsgeschwängerten Namen erwählt. Wer hatte die Idee zu dieser „Scheiße“ und was ist die eventuell vorhandene, tiefere Bedeutung? (Anmerkung: POOSTEW für „Scheißeintopf“ aus den englischen Begriffen poo und stew)

Also wenn du meinst, der Bandname sollte ursprünglich der Verkaufsförderung dienen… ich garantiere dir: das war nicht so!! Die tiefere Bedeutung des Namens suchen wir übrigens selbst seit geraumer Zeit. Leider ist der Interpretationsspielraum einfach viel zu groß.

Kommen wir zu Euren Liveshows; vor Kurzem habt ihr einen Haufen Gigs gespielt, um Eure neue Scheibe deftig zu promoten. Wie ist diese Tour für Euch verlaufen, hattet Ihr eventuelle Bühnenhighlights?

Die Winter-Tour für „Plutocracy“ war wirklich genial. Insbesondere die Dänemark-Shows und das Festival mit den JAPANISCHEN KAMPFHÖRSPIELEn in Essen waren echte Highlights. Aber auch an einem Montagabend in Hamburg
zu spielen hat seinen Reiz, denn das Hafenklang Exil war echt gut gefüllt.

Vor Kurzem hattet Ihr einen Gig mit MISERY INDEX, NECROPHAGIST und COLDWORKER. Ich behaupte einfach mal, dass zumindestens die Ersten ein großer Einfluss für Euch waren und auch sind. Ehrt es Euch, gemeinsam mit solchen Bands aufzutreten?

Die Show mit MISERY INDEX in Trier war wirklich so was wie ein lang gehegter Traum. Den großen Einfluss den die Band auf uns hat, kommunizieren wir ja auch ganz offen. MISERY INDEX waren dann auch in jeder Hinsicht großartig. Ebenso menschlich wie auch live auf der Bühne.

Kommen wir zu Eurer Musik im Allgemeinen. Liege ich richtig in der Annahme, dass Ihr ursprünglich aus dem Hardcore kommt?

Naja, die Verhältnisse stehen momentan 50:50 😉 … Sänger Chris und Bassist Felix sehen sich da historisch schon irgendwie dem Hardcore verbunden. Was aber nicht heißt, dass Paul und Guido damit überhaupt nichts anfangen können. Im Prinzip stehen wir aber alle auf extremen Metal und Grind, was letztlich auch die Verbindung in der Band ausmacht denke ich.

Wie wichtig sind Euch Eure Wurzeln und wie fühlt Ihr Euch in Eurem aktuellen Szene-Umfeld?

Auch da hat wohl jeder sein persönliches Statement zu.
Szene-Entwicklungen und so was wie ein Szene-Umfeld haben uns nie ernsthaft interessiert, da wir da sowieso in mehreren Lagern zu Hause sind. Mal spielen wir eine reine Grind-Show mit Hardcore-Background – dann auch mal wieder vor beinharten Metallern. Das funktioniert für uns jedenfalls super. Das macht touren für uns auch irgendwo aus, nicht immer vor dem selben Publikum zu spielen.

Nun zu Eurem aktuellen Schaffen. Letztes Jahr brachtet Ihr, als Vorgeschmack auf die neue Platte, einen Split mit den recht progressiven JaKa heraus. Wie war die Zusammenarbeit für Euch, würdet Ihr sie als interessante Erfahrung beschreiben?

Die Jaka-Jungens sind alles gut aussehende junge Männer, mit denen Mann viel Spaß haben kann! Daher war die Zusammenarbeit natürlich auch ein schönes Ding. Besonders gefreut hat es aber Chris, weil der nämlich seit langer Zeit mit dem Paul (Ex-Jaka-Grunzer) dicke ist – welcher übrigens auch auf der neuen Scheibe am Gesang ausgeholfen hat.

Auf „Heirat Auf Hass / Scheidung Aus Spaß“ habt ihr das Album „Plutocracy“, das im Dezember erschien, schon eingeläutet. Dieses stieß, was ich bisher so gesehen habe, überall auf sehr positive Resonanz. Was sagt Ihr zu dem Feedback der Presse, hattet ihr ähnliche Stimmen erwartet?

Das Feedback und die Reviews sind wirklich unglaublich gut. Als in etwa feststand, welches Songmaterial auf die Platte kommt und später dann die Aufnahmen anfingen, war schon irgendwo klar, dass „Plutocracy“ ein ganz heißes Ding wird. Auch für Produktion und Artwork bekommen wir immer wieder positive Resonanz. Das Album ist einfach richtig rund und geil geworden.

Und wie sieht es mit Eurer persönlichen Zufriedenheit aus, seid ihr z.B. mit dem Studiowechsel rückblickend glücklich?

Die Zusammenarbeit mit Jens Balaschke im 3rd Studio war wirklich unglaublich! Das Endprodukt und die Reaktionen darauf haben uns wie gesagt einfach umgeblasen. Die kommende Split wird auch wieder mit Jens in Hamburg entstehen. Er und seine Band sind – nicht zuletzt durch die Österreich-Tour 2006 – mittlerweile zu echt guten Freunden geworden und sind immer eine Anlaufstelle wenn wir im Norden unterwegs sind.

Jetzt wird es politisch… Der Name „Plutocracy“ ist ja Beschreibung für eine sehr extreme Regierungsform – die Macht des Geldes. In der Geschichte gab es sowas ja tatsächlich mehrfach, seht ihr das auch auf der aktuellen Welt gegeben?

Das trifft auf das aktuelle Weltgeschehen mehr zu als je zuvor. Das wird jeder verstehen, der sich aktuelle demografische und ökonomische Daten ansieht. Der Kurs, den einige Länder verfolgen hat plutokratische Züge.
Ergebnis: Soziale Misere und Ausbeutung.

Ich las mal etwas relativ interessantes über die so genannte „Corporatocracy“, die quasi eine besondere Form der Plutokratie darstellt, nämlich eine solche, in der jedwede Macht über Großkonzerne bestimmt wird, wobei selbst schwer reiche Menschen bis zu einem gewissen Grad kaum Macht haben. Haltet ihr den Gedanken in der heutigen Gesellschaft für nahe liegend?

Ebenfalls ein Phänomen, das sich von einer Randerscheinung zu einem bestimmenden Gradmesser der Gesellschaft entwickeln wird. Irgendwann wird jeder Staat faktisch nur noch über Macht in einem Maße verfügen, wie es seine größten Konzerne zulassen. Das führt irgendwann zu einem Punkt, an dem der Kapitalismus die Demokratie entwertet. In Ansätzen
können diese Vorgänge bereite heute beobachtet werden.

Auch wenn wir uns an der Politik nicht aufhängen wollen, kommt hier noch eine Frage zu dem Thema. Ich betrachte POOSTEW als recht sozialkritische Band, was sich auch in den Texten widerspiegelt. Macht Ihr Euch mit anklagend erhobenem Finger auf gewisse Art zu Botschaftern?

Gesellschaftskritisch wäre das bessere Attribut. Sicherlich ein Faktor der Band, den wir auch selbst als eine sehr starke Eigenschaft einschätzen und vertreten. Textlich gab und gibt es immer einen Leitfaden, wie auch auf „Plutocracy“. Gesellschafts- und Systemkritik
sehen wir dabei auch nicht als ein abgegriffenes Thema, dass in hunderten von Songtexten immer neu aufgewärmt wird. Tatsächlich ist doch das Anliegen dahinter so aktuell und präsent wie nie zuvor. Schau dir die Entwicklungen vom März in Kopenhagen an. Hier macht eine christliche Sekte die Errungenschaften von über 20 Jahren Jugendkultur zunichte, indem sie mit ihrer Finanzmacht ein Jugendhaus erst kauft und dann niederreißen lässt. Und was in den Köpfen deiner Nachbarn passiert, kann – vielleicht in kleinerem Rahmen – ähnliche Prozesse bewirken.

Wenn das so ist, seht Ihr auch Positives? Ansätze, die der Misere entgegenwirken oder aber eigene Gedankengänge zur Problemlösung?

Klar. Die positive Seite darf bei so einer Betrachtung nicht fehlen. Zunächst geht es einfach darum, sich selbst Freiheit zu verschaffen und seine eigenen Mauern einzureißen. Was dabei die Konsequenz für jeden einzelnen ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Jetzt reicht es mit aber auch mit Sozialkritik! Musikalisch habt Ihr schließlich auch was auf dem Kasten, kehren wir also zu Euch als Musikern zurück. Mit „Plutocracy“ habt ihr ja wirklich eine gelungene CD
abliefern können. Wie wird es weitergehen, wann darf man neues Material, vielleicht auch wieder einen Split, erwarten?

Da wird tatsächlich schneller was Neues kommen, als du jetzt vielleicht annimmst. Die Split mit INFESTED aus Lübeck steht in den Startlöchern. Im April sind wir im Studio unser neues Material auf Band zu bannen. Für
die Split arbeiten wir mit dem Label eines Freundes „Nimbus Module“ zusammen und freuen uns natürlich insbesondere über deren Vinyl-Ambitionen was die Split angeht. Darüber hinaus ist noch ein Sampler-Beitrag geplant.

Kommen wir noch mal auf Eure Einflüsse zurück. Welche Künstler habt Ihr stets bewundert und bewundert Ihr auch heute noch, wen würdet ihr als prägend bezeichnen?

Über MISERY INDEX haben wir ja bereits kurz gesprochen. Die müssten vielleicht sogar an allererster Stelle stehen. Für die Band im Gesamten müssten dann noch Bands wie Carcass und Assück in die Liste. Ich denke
aber, jeder hat dann noch seine ganz persönlichen, für ihn prägenden Platten im Schrank.

Bevor unser Interview nun zu Ende geht, wollen wir unseren Blick noch einmal in die Zukunft schweifen lassen. Wie wird es nach den jetzigen Auftritten mit Euren Liveshows weitergehen, werdet Ihr schon bald wieder auf Tour die Bühnen unsicher machen?

Unter dem Namen „Pigs Is Beautiful“ wird unsere zweiwöchige Sommer-Tour über Europa rollen. Neben POOSTEW sind IRATE ARCHITEXT (mit neuer Platte) und INFESTED aus Lübeck mit dabei. Der Tourplan sieht Shows in Deutschland, Österreich, Schweiz und den Benelux-Ländern vor. Die genauen Tourdaten sind natürlich im Internet abrufbar. Als Warm-Up haben
wir ein ganz besonderes Show-Highlight am Start: Das Death Feast Open-Air in Hünxe. Hier stehen bereits Namen wie NAPALM DEATH, ABORTED usw. im Line-Up fest.

Und nun noch ein letzter Blick nach vorn. Momentan seid ihr ja bei Silent Stagnation Records unter Vertrag. Ist die Zusammenarbeit für Euch befriedigend und werdet Ihr bei dem Label weitermachen oder seht ihr für das, was vor Euch liegt, ganz andere Perspektiven?

Die Zusammenarbeit mit SxS war für uns sicher ein Schritt nach vorne. Marcel hat viel Kraft in die Promotion der neuen Platte gesteckt – und wir sind gespannt was die Zukunft so bringt…

Das war’s auch schon mit der Fragestunde – vielen Dank für das Interview! Wenn Euch noch irgendetwas auf dem Herzen liegt, so habt ihr nun die finale Möglichkeit, es loszuwerden.

Checkt die neue Platte „Plutocracy“ und besucht uns auf der Tour im Sommer. Danke für´s Interview.

14.03.2007

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