PRIMEsth
PRIMEsth

Interview

Nach Amerika soll jetzt auch Europa erobert werden. Das Debütalbum der Schweden PRIMEsth wurde im April letzten Jahres bereits in den Staaten veröffentlicht (Giant Records). Ende des Jahres kam die Scheibe mit insgesamt elf Titeln schließlich auch in Scandinavien auf den Markt – elf straighte Rocknummern. Und jetzt sind wir dran. Am 12. August wird "Underneath the Surface" hier veröffentlicht. Für den Mix des Albums war Stefan Glaumann (Backyard Babies, Rammstein) zuständig. Als erste Deutschlandstation war Hamburg an der Reihe und die Jungs machten ihre Sache gut. Der Schlachthof war bei dem öffentlichen Showcase erstaunlich gut gefüllt und die Jungs rockten die Bude. Die Stimme von Sänger und Gitarrist Noa röhrte dabei noch intensiver und kräftiger als auf dem Album. Vor dem Gig sprachen wir über das Album, die ersten Schritte der Band und über das, was kommt. Kommen werden auf jeden Fall viele Festivalauftritte. Neben Finnland kommen die Schweden auch nach Deutschland und werden die Bühne beim Summer Breeze erklimmen.

PRIMEsthEs ist Euer erster Auftritt in Deutschland. Was erwartest Du von heute Abend?

Ich war zwar schon mal hier in Deutschland, aber es stimmt, es ist unser erster Auftritt hier. Heute ist es ein Showcase – es werden also viele Presseleute da sein. Es ist eine Show wie jede andere auch, nervös bin ich eigentlich nicht. Es bringt jedes Mal Spaß zu spielen – besonders in kleineren Clubs so wie heute. Ich erwarte nichts Besonderes, möchte einfach Spaß haben und hoffe, dass die Menge uns mag. Ich weiß nicht, ob die Leute hier schon etwas von uns gehört haben, aber ich freue mich auf den Auftritt.

Eure Musik wird oft als „amerikanisch“ bezeichnet. Den Vergleich mit BUSH kann ich selbst nicht ganz nachvollziehen. Was denkst Du darüber?

Unsere Musik ist von vielen Stilen beeinflusst, zum Beispiel von Grunge und Rock. Ich denke aber nicht, dass wir so sehr amerikanisch klingen, jedenfalls nicht so wie die Kalifornischen Pop Punk Bands wie Blink 182. Sicher, wir klingen irgendwie amerikanisch, aber auch skandinavisch. Ja, mit Bush werden wir oft verglichen, aber das kann ich auch nicht ganz verstehen. Besonders in Schweden werden wir oft als amerikanisch bezeichnet. Das liegt wohl daran, dass wir einfach anders klingen als die Backyard Babies oder die Hellacopters. Wir wollten das Album rockig und energiegeladen machen, aber auch so, dass einige Songs auch noch im Radio gespielt werden. Die Leute brauchen immer etwas zum Wiedererkennen, deshalb ist Radio so wichtig.

Was ist Dein persönlicher Lieblingssong auf Eurem Album?

Der älteste Song „Underneath the Surface“ ist immer noch einer der besten. Es gibt eine Menge Songs, auf die ich wirklich stolz bin. Bei einigen ist es auch so, dass sie richtig gut sind, wenn Du sie schreibst, Dich dann aber nach einem Jahr langweiligen. Aber auf der Bühne bringt immer noch jeder einzelne Song eine Menge Spaß.

Wie hart war denn die Zeit im Studio für Euch?

Die einzige Schwierigkeit war, Studiozeiten zu bekommen. Wir teilen uns das Studio nämlich mit anderen Bands, unter anderem mit den Backyard Babies. Außerdem haben wir nicht die ganze Zeit an dem Album gearbeitet, sondern immer in Schüben. Das Album war deshalb erst nach etwa zwei Jahren fertig. Es sind also wirklich alte Titel dabei. Wenn ich jedoch Songs schreibe, möchte ich sie am liebsten sofort aufnehmen und veröffentlichen. Wir schreiben eine Menge Sachen. Ich sage jetzt nicht, dass es dann auch immer gleich Meisterstücke sind. Wenn wir keine Platten machen würden, spielten wir wahrscheinlich bei jedem Gig zehn neue Songs. Ich mag es einfach, schnell zu arbeiten. Ich könnte alle fünf Monate eine neue CD veröffentlichen, aber das wollen die Plattenfirmen natürlich nicht.

Was kann man von Eurer nächsten Platte erwarten?

Acht Songs haben wir bereits aufgenommen, aber das machen wir noch mal. Wir haben uns auch noch nicht für einen Produzenten entschieden. Das Album wird auf jeden Fall schneller und einfacher gehalten sein. Wir werden die Cd dieses Mal jedoch innerhalb kürzerer Zeit aufnehmen.

Euer Album „Underneath the Surface“ wurde als erstes in Amerika veröffentlicht und Ihr seid dort mit vielen bekannten Bands, zum Beispiel mit „Live“, getourt…

Ja, das Album wurde dort im April des letzten Jahres veröffentlicht und wir sind dann nach L.A. gezogen, aber das war nicht für immer. Wir haben dort zwar ein Appartment, leben aber jetzt wieder in Schweden. Wir dachten, dass es besser sei, hier zu sein, wenn die Platte in Europa veröffentlicht wird. Die Auftritte in Amerika waren in jedem Start anders. Der Gig in Milwaukee war einer der besten. Denn dort waren wir eine Zeitlang die Nummer eins im Radio und so waren richtig viele Leute nur wegen uns bei dem Konzert. Das ganze war ein Festival mit fünf Bands. Ich denke, wir haben immer eine gute Antwort vom Publikum bekommen. Jedenfalls haben wir keine Flaschen an den Kopf bekommen…

Wie schwer ist es denn, vor solchen Bands wie „3 Doors Down“ die Bühne zu entern?

Natürlich ist es nicht einfach, als erstes auf die Bühne zu müssen, wenn man weiß, dass das Publikum auf die Hauptband wartet. Aber die Leute haben uns immer eine Chance gegeben – und das ist es, was zählt. Wir hatten Glück, mit diesen Bands zu spielen. Sonst hätten wir nie vor so einem großen Publikum gespielt. Es war immer verschieden, manchmal waren es einige Hundert, manchmal einige Tausend Zuschauer. Es war dennoch hart, so viele Auftritte zu absolvieren. Es waren etwa 60 Gigs in sieben Monaten, manchmal sechs in einer Woche. An so etwas waren wir nicht gewöhnt. Ich denke, wir brauchen noch eine weitere Platte, um dort den endgültigen Durchbruch zu schaffen. Das ist natürlich nicht einfach, wenn wir nicht ständig vor Ort sind, sondern woanders leben.

Was hast Du gelernt, als Ihr mit Bands wie Nickelback und Staind auf Tour gewesen seid?

Es war alles so neu für uns: Ein großes Label, ein Video für 1,8 Millionen Dollar, mit all diesen Bands touren… Wenn ich es noch mal machen würde, hätte ich gerne mehr Kontrolle, mehr Einfluss. Es war, als ob wir in ein großes Rad geworfen wurden. Es war einfach eine Nummer zu groß für uns würde ich jetzt im Nachhinein sagen. Mir hat dennoch alles Spaß gebracht… auch wenn wir nur stundenlang im Auto saßen. Ich würde mich nie beschweren.

Ihr spielt seit Eurem 12. Lebensjahr zusammen. Gab es nie Zeiten, in denen Ihr ans Aufhören gedacht habt?

Wir wären nicht im Musikbusiness, wenn es nicht diese Band geben würde. Wir haben uns bisher nie getrennt. Ich warte immer noch auf den großen Streit. Wir kennen uns alle einfach so gut, dass es bisher nie soweit gekommen ist. Wir lassen uns auch immer genug Raum, das ist wichtig. Klar streiten wir manchmal, aber nicht wirklich heftig. Und wenn man manchmal genervt ist, ist das okay.

Hast Du von Beginn an den Traum gehabt, ein Rockstar zu werden oder hast Du da nie drüber nachgedacht?

Natürlich hat man Vorbilder, Helden. Aber ich glaube nicht, dass ich wirklich daran gedacht habe, ein Rockstar zu werden. Ich wollte einfach nur die Möglichkeit haben Musik zu machen und nicht irgendwo in der Kasse am Supermarkt sitzen zu müssen. Mein Traum ist es immer noch, von der Musik leben zu können – es geht mir nicht darum, ein großes Haus oder ähnliches kaufen zu können. Es war natürlich immer ein Traum, in Amerika touren zu können… und das ist bereits wahr geworden.

Menschen ändern sich im Laufe der Zeit, entwickeln sich weiter, ändern ihren Musikgeschmack. Wie sieht es bei Euch in der Band aus?

Wir haben anfangs ganz verschiedene Musik gehört. Kaz und Jesper mochten lieber Hard Rock, ich habe eher den ganzen Pop Wave-Kram wie Duran Duran oder Peter Gabriel gehört. Dann kam aber die Zeit, in der ich angefangen habe, härtere Musik zu hören. Das fing mit THE CULT an. Wir hatten unseren ersten Auftritt mit 12 Jahren. Damals haben wir hauptsächlich Coversongs unter anderem von THE CULT gespielt, nachher auch viel Trash Metal. Genau wie früher hören wir auch jetzt nicht die gleiche Musik. Wenn ich jedoch Songs schreibe, höre ich die anderen in Gedanken dabei spielen.

War es von Beginn an klar, dass Deine Stimme für die Band herhalten muss?

Nein, keiner von uns wollte der Sänger sein. Eigentlich wollten wir alle ans Schlagzeug. Jeder hat sich dann einfach ein Instrument genommen. Dass ich schließlich gesungen habe, ist einfach so passiert. Aber jetzt genieße ich es, singe gerne, obwohl ich es nicht wirklich kann. Am Anfang war die Vorstellung für uns alle einfach zu unangenehm, oben auf der Bühne zu stehen und zu singen. Anfangs war ich auch immer sehr nervös.

Die letzten Worte gehören Dir…

Die Veröffentlichung hier in Europa ist für uns genauso wichtig wie die in den USA. Wir sind sehr gespannt… insbesondere auf Deutschland. Denn der Markt ist hier wirklich groß und ich glaube, es ist ein guter Platz für unsere Musik. Ich freue mich jetzt einfach auf die Auftritte und die Aufnahmen zu unserem nächsten Album.

19.06.2002

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