Stone The Crow
Stone The Crow

Interview

Stone The Crow kann man wohl mit gutem Gewissen als eine der größten deutschen Hoffnungen in Sachen Rock bezeichnen. Mit ihrem aktuellen Output "Reduce To The Max" haben die mittlerweile nur noch drei Schwaben nicht nur ein astreines Album abgeliefert, sondern auch für einiges an Aufregung in der Presse gesorgt. Sänger Marc stand mir für ein paar Fragen bereitwillig zur Verfügung.

Stone The CrowHallo, Marc!

Hallo.

Vielleicht stellst Du Dich und Deine Bandkollegen unseren Lesern kurz vor.

Ja, wir sind zu dritt. Hilli an der Gitarre, Tom am Bass, er macht auch das Programming, und ich bin Marc, der Sänger. Und wir sind so durchschnittlich 25 Jahre mittlerweile.

Und Ihr kommt aus dem schönen Schwäbisch Hall.

Genau.

Wunderbar. Ihr habt ja sehr gute Kritiken in der Presse bekommen. Hattet ihr das selbst so erwartet oder wart kam das denn doch eher überraschend für Euch?

Wir hatten auch bei den Vorgängeralben immer durchweg relativ positive Kritiken. Aber wir haben es jetzt nicht erwartet, zumal wir alles selber gemacht haben. Wir waren einfach sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Na gut, wir haben jetzt uns ja auch nicht ausgemalt, da so und soviel Punkte zu bekommen. Darüber macht man sich irgendwie keine Gedanken. Wenn es anders wär, könnte man ja auch nichts dran ändern.

Euer Album ist ja nun gut zwei Wochen in den Läden. Wie haben die Fans das neue Album aufgenommen?

Ich denke diejenigen, denen es nicht gefällt, werden sich kaum melden. Soweit ich weiß, sind die Rückmeldungen auf der Homepage sehr, sehr positiv. Und da hat auch jeder seinen eigenen Favoriten auf dem Album. Das finde ich auch sehr wichtig.

Und für dich selbst? Was bedeutet „Reduce To The Max“ für dich?

Es ist schon so, würde ich mal behaupten, dass wir das Wesentliche am Album erkannt haben. Wir haben uns auch, glaube ich, selber überrascht durch die Produktion, die drückt das echt alles zu spät ist. Die Band ist jetzt auch nur noch zu dritt, und dass macht alles ein bisschen so wie es ist.

Ihr habt also Euren musikalischen Punkt gefunden?

Ja, denke ich schon. Der ist schon immer sehr variable gewesen. Ob das Ganze jetzt in die elektronische Richtung oder noch mehr in die rockige Richtung tendiert, aber ich denke das wir immer auf Alben verschiedene Songs und Stimmungen haben werden. Das ist schon irgendwie Bestandteil des Ganzen.

Oft sagt man ja immer das dritte Album ist das „Make it or break it“-Album. Denkt Ihr an so was oder ist Euch das völlig egal?

Och, nö. Ich denke das sind eher so Pressesprüche. Wenn jeder Bock hat und Energie weiterzumachen, dann wird das auch was. Wir sehen das nur als eine Perle an einer Kette. Da kommen noch weiter dazu.

Na, das hoffe ich doch mal. Aber gehen wir nochmal etwas zurück in der Geschichte. Mit Eurem Album „Daylight“ habt ihr damals ja einen recht guten Start hingelegt und auch einiges an Airplay auf den deutschen Musiksendern bekommen. Bei „Year of the Crow“ lief es dann nicht mehr ganz so rund mit der Plattenfirma. Was waren Eure Beweggründe Euch von Polydor zu trennen?

Ja, da gab es halt einige Ungereimtheiten bei der Plattenfirma selber. Das ist einfach eine große Firma, die nur irgendwelche Popacts macht. Und dann war es so, dass sie im Zuge der Veröffentlichung einiges falsch gemacht hat. Sie hat das Video wochenlang nicht eingereicht, dann kam die Single gar nicht mehr raus. Dann wurde das Album eine Woche zu früh ausgeliefert, so dass es die Charts verpasst hat, und dann kam noch hinzu, dass auf den Alben, die sie zu früh ausgeliefert hatten nicht mal Stone The Crow drauf waren, sondern irgendwie der Wolf. Das war so eine Fehlerkette, dass wir uns gesagt haben, bevor wir da weitermachen und letztendlich an der langen Hand verhungern, gehen wir lieber weg und suchen uns eine andere Firma. Was dann auch auf Gegenliebe gestoßen ist. Polydor hat uns dann auch sehr fair behandelt und uns frei gelassen und auch die Rechte an unseren Songs zurückgeben.

Fiel in der Zeit auch die Entscheidung Eures alten Schlagzeugers Kai Ortmann, die Band zu verlassen? Oder war das total unabhängig voneinander?

Das war schon ein viertel Jahr später. Schon nachdem wir begonnen hatten neue Songs zu schreiben.

Und uns eigentlich entschieden hatten das Ganze zu dritt zu machen, da das doch immer sehr aufreibend war. Da kam dann eins zum anderen. Also, die Entscheidung, dass er nicht mehr mit Songs schreibt, war bereits Ende letzten Jahres gefallen. Und dass er ausstieg, kam einfach dadurch, dass er so viele Sachen nebenher macht. Da hat sich dann soviel überschnitten, dass es für alle Beteiligten besser war, wenn wir es so hinkriegen.

Mit dem Split von Polydor, kam da auch die Idee selber zu produzieren?

Ne, das kam erst nachdem wir die B-Seiten zur „People are People“ Single aufgenommen haben. Das haben wir halt selber gemacht, um zu sehen ob da was geht. Und das hat so hervorragend funktioniert, dass wir gesagt haben „Hey, lasst uns doch das Album komplett selber machen.“ Es sollte definitiv rocken, direkt sein und so rough wie die Band live ist. Da haben wir auch ein bisschen Angst gehabt, dass ein Produzent da etwas von der Roughheit wegnimmt.

Dass der Sound dann zu glatt gebügelt wird.

Genau.

Wie ich gelesen habe, habt ihr mit 4 Drummern aufgenommen. Ich kann mir vorstellen, dass das sowohl Schwierigkeiten bereiten kann, als auch eine Bereicherung sein kann? Wie hat sich die Arbeit mit 4 Leuten gestaltet?

Das muss man sich einfach so vorstellen, dass wir immer verschiedene Zeiträume im Studio waren und wer gerade Zeit gehabt hat, der hat dann gespielt. Das war einfach so, dass wir die Drums vorprogrammiert hatten und so zwei Tage vorher mit den Drummern in den Proberaum gegangen sind und die einzelnen Lieder durchgegangen sind. Danach haben wir noch die Fills und die Feinheiten abgesprochen und dann schwuppdiwupp ins Studio gegangen sind. Recht unkompliziert so.

Und wie werdet ihr die Sache auf Tour angehen? Habt Ihr schon einen neuen Drummer?

Wir haben noch keinen neuen festen Drummer, aber wir haben einen Tourdrummer, den wir von einer anderen Band leihen, der auf jeden Fall auch die Februartour mit uns spielen wird. Aber wir sind auch dabei einen neuen Drummer zu suchen, weil wir definitiv das nächste Album wieder mehr im Proberaum schreiben wollen. Mehr in einer Jam-Situation. Das komplette „Reduce To The Max“ Album ist ja am Computer entstanden.

Du hast ja eben schon gesagt, dass ihr für „Reduce To The Max“ nur noch zu dritt Songs schreiben wolltet. Was hat sich da hinlänglich des Songwriting-Prozesses verändert?

Es hat sich von daher eigentlich verändert, dass es keine Pattsituationen mehr gab. Wir sind halt immer zu dritt und finden so immer eine Entscheidung, wenn es um eine Frage geht. Das war früher echt schwierig und war oft dann letztendlich nur noch durch den Produzenten möglich. Es war einfach immer sehr anstrengend. Und jetzt ist es halt so, dass wir Ideen sammeln, dass ich Gesangslinien zusammen mit irgendwelchen Tönen auf dem Keyboard suche oder die Jungs ein Playback erstellen oder Tom macht auch manchmal Playbacks mit Gesangsideen. Die stellen wir uns dann gegenseitig vor, und dann wird weitergearbeitet am Computer. Und so haben sich auch all die Songs auf dem Album entwickelt.

Und wer schreibt bei Euch die Musik und Texte? Schreibst Du eher die Texte und die anderen die Musik? Wie ist das verteilt?

Also die Musik verteilt sich komplett gleich, wobei ich am wenigsten Ahnung habe von der ganzen Recordingsache, da ist der Hilli super fit. Da bin ich nicht so bewandert. Und ich mache halt die ganzen Texte. Wir machen das halt Credit-mäßig immer gleich, weil wir ja auch eine Band sind, und jeder das gleiche macht.

Bei den Texten, wo holst Du Dir da Deine Ideen?

Das sind eigentlich hauptsächlich persönliche Sachen. Das sind die Sachen, die mich berühren und mich beschäftigen. Was mich berührt, will ich auch in meine Songs bringen, weil ich denke, so berührt es die Zuhörer noch mehr. Ich will es immer jeweils in eine Geschichte packen, damit sich jeder selber entdecken kann und selber seine Geschichte drumherum denken kann.

Damit es noch ein bisschen offen ist, worum es geht.

Ich mag es nicht, wenn es einfach zu direkt ist. Es sollte schon ein bisschen die Fantasie der Hörer selbst angeregt werden.

„Reduce To The Max“ hat, meiner Meinung, einen stärkeren Depeche Mode -Touch als Eure Vorgängeralben. Ist das nur mein subjektives Empfinden oder habt ihr das schon öfters gehört?

Ich habe es schon öfters gehört. Aber den Depeche Mode-Touch haben uns auch schon viele bei „Year of the Crow“ angehängt. Ich habe keine Ahnung.

Das ist also nichts Bewusstes.

Ne ne, in keiner Weise! Für mich hört sich auch gar nichts nach Depeche Mode an. Weil als Künstler steckt man so tief drin in seinen Sachen. Und deshalb ist das ein bisschen schwierig, glaube ich. Für Motörhead hört sich wahrscheinlich auch noch jedes Lied verschieden an. Auch wenn der Zuhörer keinen Unterschied mehr machen kann.

Ok, nochmal zurück zu eurem letzten Album „Year of the Crow“, das ja zur Zeit sehr gut in Südost-Asien läuft. Wie sind denn die Reaktionen der Asiaten auf Stone The Crow?

Ahem, weiß ich noch nicht. Ich habe noch mit keinem gesprochen. Also es ist eine ganz lustige Geschichte einfach deswegen, weil unser aktuelles Video hier gerade Nachts auf MTV ein paar Mal lief und dort haben wir mit „In One“ eine Rotation gehabt auf MTVAsia. Das ist alles sehr abgefahren. Aber das ist alles sehr, sehr weit weg, weil es einfach auf der anderen Seite der Erde ist. Ich glaube die Reaktionen waren sehr gut. Und mal schauen, vielleicht dürfen wir auch mal zum Spielen. Das wäre natürlich ein absoluter Traum.

Also ist noch nichts geplant. Eine Tour oder so was?

Heute habe ich wieder eine Mail bekommen, wo im Moment was für März angedacht wäre, aber…das glaube ich erst, wenn ich im Flieger sitze.

Du hast eben gesagt Ihr geht im Februar auf Tour.

Ja.

Wo geht es überall hin?

Deutschland, Österreich, Schweiz.

Der deutschsprachige Raum also. Und wie sieht es mit anderen Teilen von Europa aus?

Da wird sich zeigen, was sich da tut. Also keine Ahnung. In Italien waren wir auch schon mal, vielleicht kommen wir da wieder hin. Italien und Spanien sind gerade im Gespräch, dass das Album da veröffentlicht wird. Da muss man halt sehen, was passiert. Von uns aus ganz Europa oder die ganze Welt. Je weiter desto besser.

Sind für den Sommer schon irgendwelche Festivals geplant?

Da ist noch nichts geplant. Das Booking für den Sommer beginnt im Februar, so um den Dreh. Ich hoffe mal, dass wir so viele Festivals wie möglich haben, und auch hoffentlich ein paar große. Wäre schon cool.

Das wäre es dann auch von meiner Seite. Noch Irgendwelche Dinge die Du loswerden möchtest?

Nein. Also…nur was für die Leserschaft. Wenn Ihnen das Album gefällt, dann sollen sie uns erstmal live gucken.

Dann bedanke ich mich ganz herzlich für das Interview und wünsche Euch noch viel Erfolg.

Danke. Tschö.

16.12.2002

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