Sumerlands
im Gespräch mit Arthur Rizk

Interview

Du hast ja jetzt auch schon ein paar Mal JUDAS PRIEST erwähnt. Einer meiner Lieblingssongs auf dem Album ist „Force of a Storm“, weil mich besonders der Anfang und generell der Vorwärtstrieb sehr an „Turbo Lover“ erinnern. Ein Song, den ich trotz seines teilweise schwierigen Standes unter Metalfans liebe. Ich nehme an diese Ähnlichkeiten waren Absicht?

Ja, viele Leute hassen den Song aber ich liebe ihn. „Force Of A Storm“ hat allerdings erstmal gar nicht so geklungen. Wir haben das Stück in letzter Minute auf das Album gepackt, denn ursprünglich hatte das Album nur sieben Songs und ein Synthesizer-Outro. Dann dachte ich: „Hey, lasst uns einen Drumbeat drüberlegen und ich spiele dann später noch etwas mit der Nummer rum.“

Wir hatten einige Ideen für den Song, JUDAS PRIEST gehörte anfangs aber noch nicht dazu. Ich habe also ein wenig an der Nummer rumgebastelt und um es simpel zu halten habe ich diesen dröhnenden Synthesizer-Beat unter den ganzen Song gelegt, ursprünglich nur als Hilfe beim Komponieren. Wir haben ihn dann im Song gelassen, erstmal klang das aber zu sehr nach Italo-Disko. Also habe ich mit ein paar verschiedenen Effekten rumgespielt und bin dann auf diesen einen gestoßen, der wie „Turbo Lover“ klang. Also habe ich mich dazu entschieden, eine kleine Verbeugung an PRIEST einzubauen.

Der Song selbst ist eigentlich gar keine direkte Hommage an „Turbo“, er basiert auf schnellem, Action orientierten Yacht Rock, während „Turbo Lover“ ja eher eine Hymne ist.

Folgt das Album abseits von der stilistischen Ausrichtung einem besonderen inhaltlichen Konzept oder stehen die Songs komplett für sich?

Wir folgen nicht direkt einem bestimmten Konzept, aber besonders auf diesem Album drehen sich alle Songs irgendwie um Galgenhumor der Marke „das Leben ist ein Witz und immer, wenn du denkst, dass du ein paar Schritte Vorsprung hast, drehst du dich um und stellst fest, dass du eigentlich ein paar Schritte hinterher hängst“. Brenden hat ein paar tolle Lyrics geschrieben und sich weitestgehend an solchen Themen orientiert.

Ich finde die neuen Elemente in eurem Sound helfen auch dabei, SUMERLANDS stilistisch ein wenig mehr von ETERNAL CHAMPION abzuheben.

Ja, absolut, als die ersten Alben von SUMERLANDS und ETERNAL CHAMPION herauskamen, hatte ich im gleichen Zeitraum Songs für beide Bands geschrieben. Den Titelsong des ersten ETERNAL CHAMPION-Albums „The Armor of Ire“ hatte ich z. B. ursprünglich für SUMERLANDS geschrieben. Das hört man auch, denn der Song ist melancholischer als der Rest des Albums.

Phil war die Nummer aber damals zu chaotisch, um Lyrics dazu zu schreiben, also habe ich dem Stück einen leichten MANOWAR-Anstrich verpasst. Wobei ich mit MANOWAR in dem Fall weniger die Band, sondern einfach einen gewissen Stil verbinde. Es ist Stahl und Epik, ich habe dem Song also ein wenig Stahl verpasst.

Man könnte also schon sagen, was für die eine Band funktioniert hat, ging auch für die andere klar. Inzwischen machen wir mit SUMERLANDS aber unser eigenes Ding und schreiben Song-orientierter. Auf dem Debüt waren wir mehr auf lineares Songwriting fokussiert, d.h. die Lieder haben sich immer in eine Richtung auf einen einzelnen Höhepunkt zubewegt, das typische Strophe-Refrain-Strophe-Schema gab es auf dem Album gar nicht. Das wollten wir diesmal etwas anders machen und das Songwriting damit etwas ausgereifter gestalten.

Es geht teilweise ein wenig in Richtung Arena Rock.

Ja, ein wenig, ich war immer ein großer Fan der SCORPIONS und von DOKKEN, die zwar ein wenig cheesy sind, deren frühe Alben aber absolute Perfektion waren. ETERNAL CHAMPION dagegen gehen eher in eine etwas doomige Richtung.

Eine meiner letzten Fragen betrifft deine Arbeit als Produzent und Tontechniker. Du warst ja schon mit vielen verschiedenen Bands wie SOULFLY, UNTO OTHERS und zuletzt KREATOR im Studio. Wirkt sich die Arbeit mit all diesen verschiedenen Künstlern auch auf deine eigene Musik aus?

Gute Frage. Ich würde sagen die Sachen, die ich auf technischer und handwerklicher Ebene im Studio lerne, werden auch immer bei meinen eigenen Bands wiederverwertet. Wenn mir z. B. bei den Aufnahmen mit KREATOR ein Mikrofon gefiel, habe ich das auch für SUMERLANDS verwendet. Ich höre aber selten im Studio eine Band und denke mir, dass ich jetzt auch sowas machen muss.

Ich konzentriere mich beim Songwriting auf meinen eigenen Prozess, denn meine Gedanken sind oft sehr chaotisch. Ich habe ADHS und lasse mich daher leicht ablenken, deshalb kann ich Songs nicht auf die gleiche Weise schreiben wie andere Leute und deshalb dauert es manchmal auch etwas länger.

Trotzdem ist die Arbeit mit diesen Bands großartig und besonders von älteren Jungs wie Mille (KREATOR) und Max (SOULFLY) kann man so viel lernen. Sie machen das teilweise schon seit 40 Jahren, können auf einen enormen Fundus an Erfahrungen zurückblicken und viele spannende Geschichten erzählen. Beide sind gute Freunde von mir und haben mir geholfen, als Produzent und als Person zu wachsen. Das hat zwar keinen Einfluss auf mein Songwriting, aber für mein persönliches Leben ist das eine große Sache. Und man kann mit beiden ständig über Metal quatschen.

Viele Bands haben während der Pandemie neue Alben aufgenommen und ich habe von einigen Musikern gehört, dass es teilweise schwer war, überhaupt einen Studiotermin oder den Wunschproduzenten zu kriegen, weil es so viele Anfragen gab. Kannst du das aus deiner Sicht als Produzent bestätigen und war die Nachfrage tatsächlich höher als sonst?

Lass mich kurz darüber nachdenken (grübelt). Ja, ich habe sehr viele Anrufe und Anfragen bekommen, aber ich habe mich hauptsächlich auf mein eigenes Zeug wie SUMERLANDS konzentriert. Geld bedeutet mir nicht besonders viel; ich bin zwar froh, dass ich Erfolg habe, aber das ist nicht was mir im Leben wichtig ist.

Am Ende des Tages akzeptiere ich keine Aufträge, an denen ich nicht wirklich arbeiten will, denn das würde mehr oder weniger mein Leben ruinieren. Dann könnte ich mir auch einen Job suchen, bei dem ich Sandwiches mache und würde das genauso genießen. Viele Bands wollten ihre Alben aufnehmen und haben sich gedacht, wenn die Pandemie erstmal vorbei ist, dann starten sie richtig durch. Und jetzt sitzen wir hier, mehr als zwei Jahre später, es werden immer noch Touren abgesagt und Konzerte verschoben.

Cool ist aber, dass viele Leute die Zeit genutzt haben um ein Instrument zu lernen oder um sich selbst beizubringen, wie man Musik aufnimmt. Oft haben mir Freunde ihre Aufnahmen zum Mixen oder Mastern geschickt und ich habe dann meinen Spaß damit gehabt und ein wenig damit rumgespielt. So schließt sich der Kreis, denn so habe ich selbst angefangen aufzunehmen. Ich war es satt, nicht selbst dazu in der Lage zu sein.

Die Tatsache, dass sich nun viele Leute Programme wie Ableton und GarageBand runtergeladen und gelernt haben, wie man sie benutzt führt hoffentlich dazu, dass wieder mehr gute Musik rauskommt. Denn daran fehlt es in letzter Zeit finde ich.

Es wird sich zeigen, wieviel gute Musik am Ende der Pandemie rausgekommen sein wird und ob die Dinge irgendwann zum Normalzustand zurückkehren, oder ob es am Ende einfach zu viel ist. Manche Bands haben ja in den zwei Jahren teilweise drei Alben rausgebracht.

Dazu sage ich nichts, denn ich will nicht unhöflich sein. Aber es ist teilweise tatsächlich so, als würde man die Welt mit echtem Müll überschwämmen. Doch zum Glück haben wir ja die Möglichkeit, einfach nein zu solchen Alben zu sagen.

Danke für das Interview Arthur, es war sehr interessant und erhellend. Ich wünsche dir und SUMERLANDS alles Gute für die Zukunft und hoffe, man sieht euch demnächst auch in Deutschland.

Danke dir, ich hoffe auch man sieht sich dann auf einem unserer Konzerte.

Galerie mit 10 Bildern: Sumerlands - Hell Over Hammaburg 2024

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06.10.2022

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