The Moon And The Nightspirit
Interview mit Mihály zu "Holdrejtek"

Interview

The Moon And The Nightspirit

THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT verzaubern auf ihrem aktuellen Album „Holdrejtek“ (deutsch Mondheiligtum) mit einer wunderbaren Mischung aus Mittelalter, Pagan / Neofolk und Weltmusik. Dabei zeigen die intimen, entspannten Stücke des ungarischen Duos Ágnes Toth und Mihály Szabo eine tiefe Verehrung und Liebe zur Natur. Wir führten folgendes Interview mit Mihály, um ein wenig mehr über das romantisch-mystische Werk zu erfahren.

The Moon And The Nightspirit

Bitte stelle uns deine Band THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT vor! Wann und wie wurde die Band gegründet, wie habt ihr euch getroffen? Was waren die ersten Schritte, und wer steht hinter THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT?

THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT sind ein ungarisches Duett, welches 2003 von Ágnes und mir gegründet wurde. Die Band spielt ätherische Pagan Folk Musik inspiriert von Mutter Natur. Es ist eine musikalische Reise in die Tiefen der menschlichen Seele, auf der Suche nach der lange verlorenen Einheit der ewigen Verbindung zwischen Mensch und Natur.

Wir trafen uns als wir noch jung waren, im Alter von 15-17. Wir waren beide Teil des gleichen Freundeskreises, der durch die Liebe zur Musik, Natur und Philosophie verbunden war. Wir waren schon immer an antiken Kulturen und Weisheit interessiert, das spirituelle und musikalische Erbe unserer Ahnen, die seit langem vergessenen Geschichten der Alten. Auch wenn mir mit Heavy Metal aufwuchsen und unsere musikalische Karriere in einer Gothic-Metal-Band starteten, wollten wir immer Musik erschaffen die magisch, emotional und nah verbunden an die Natur ist. Also gründeten wir THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT und begannen, diese Art von Musik zu spielen. 

Ágnes spielt die Violine sowie alle anderen Streichinstrumente, Holzblasinstrumente, Piano und die Perkussion, und natürlich ist sie verantwortlich für den weiblichen Gesang. Ich spiele die Akustikgitarre, Akustikbass und andere Zupfinstrumente. Ich schreibe auch die Texte. Bei Konzerten haben wir noch zwei Sessionmusiker, die Bass und Perkussions spielen.

Ihr habt mit Prophecy Productions / Auerbach Tonträger einen Plattenvertrag abgeschlossen. Wie kam es dazu?

Wir kontaktierten sie 2013 bezüglich einer möglichen Kooperation zwischen uns. Kurze Zeit später antworteten sie und boten uns einen langfristigen Vertrag an. Wir zögerten nicht lange, da wir ihre Arbeit und ihre Veröffentlichungen immer respektierten und schätzten. Ich denke, das war eine der besten Entscheidungen welche die Band jemals getroffen hat und wir hoffen, dass diese Kooperation für beide Seiten erfolgreich sein wird.

Sie werden auch eure älteren Alben „Of Dreams Forgotten And Fables Untold“ (2005), „Rego Rejtem“ (2007) und „Mohalepte“ (2011) wiederveröffentlichen. Was kannst du uns über diese Alben erzählen? Inwiefern unterscheiden sich diese von eurem neuen Werk „Holdrejtek“?

Unsere Musik hat sich seit den Anfängen sehr verändert. Sie reifte, entwickelte sich und wurde durch viele Ebenen angereichert. Im Laufe der Jahre haben wir unsere eigene charakteristische Stimme gefunden, und wir wurden bessere und erfahrenere Songwriter. Bei unserem ersten Album „Of Dreams Forgotten And Fables Untold“ suchten wir auf gewisse Weise noch unseren Weg. Die meisten Songs darauf sind in Englisch und tragen in sich die Zeichen einer Anfängerband, die erst vor einigen Monaten gegründet wurde. Auch wenn wir dieses Album noch immer mögen gibt es darauf viele Dinge, die wir heutzutage anders machen würden, sollten wir es jetzt aufnehmen. Das zweite Album „Rego Rejtem“ ist ein großer Schritt vorwärts. Hier fingen wir an unseren eigenen Pfad zu suchen. Alle Songs sind in Ungarisch und nicht nur die Texte sondern auch die Musik ist stark ungarisch gewürzt. Es hat einen eher Schamanen und Pagan Ansatz. Auf unserem dritten Album „Ösforrás“ ließen wir die meisten keltischen und abendländischen Einflüsse hinter uns und wandten uns der östlichen Musikkultur zu. Wir führten ein neues Instrument, die Mongolische Pferdekopfgeige, in unsere Musik ein. Das vierte Album „Mohalepte“ ist ein weiterer großer Fortschritt. Es ist ein ziemlich dunkles und melancholisches, dennoch sehr intimes Album mit weniger folkinspirierten Elementen.

Ich habe gelesen, dass sich „Holdrejtek“ inhaltlich um die Liebe zur Natur dreht. Die  philosophische Idee der gleichzeitigen Einheit und Dualität von Mirko- und Makrokosmos in sich trägt, die dem Hermes Trismegistos und dessen Schrift „Tabula Smaragdina“ zugeschrieben wird. Bitte erzähle uns mehr darüber!

Das lyrische Konzept des neuen Albums dreht sich um die Dualität und Einigkeit des Mikro- und Markokosmos, die versteckten Tiefen der Saat und des stellar manifestierten Universums. Das Album ist auf der einen Hand eine Einweihung an das Unsichtbare, jedoch alles durchdringende Kräfte  die in den verzweigten Tiefen schlummern, tief innerhalb der wachsenden Saat und blühenden Keimen, das geheime Herz der Natur das in allen Kreaturen auf der Erde schlägt. Auf der anderen Hand eine Einweihung an das nächtliche, sternenbehangene, traumgewebte Gesicht der Welt, die geheime Natur, die Stätte des Mondes, der Unterschlupf der Müden und körpergebundener Geist und Seele. „Wahr, wahr, kein Zweifel darin, sicher, zuverlässig! Siehe, das Oberste kommt vom Untersten, und Unterste vom Obersten: ein Werk der Wunder von einem Einzigen.“ Auszug aus der „Tabula Smaragdina“.

Ihr singt in eurer Heimatsprache Ungarisch, was das Ganze natürlich einerseits authentischer macht, aber auf der anderen Hand werden viele eurer Hörer nicht in der Lage sein, eure Worte zu verstehen. Weshalb habt ihr euch für Ungarisch anstatt Englisch entschieden?

Wir können uns selbst dadurch einfacher und akkurater ausdrücken, wenn wir unsere Muttersprache verwenden. Wir denken, sprechen und träumen Ungarisch, daher war es ein natürlicher Schritt unsere eigene Sprache zu benutzen, um die Geschichten von THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT zu erzählen. Auf unserem ersten Album hatten wir lediglich zwei Songs in Ungarisch und die anderen in Englisch, aber wir realisierten schnell dass unsere Muttersprache den Songs eine komplett neue Dimension gibt, und viele weitere Schichten der Musik und der Atmosphäre hinzufügt. Wie auch immer, alle unsere Alben haben englische Übersetzungen, daher sollte es nicht schwierig sein, die Texte zu verstehen.          

Welche Botschaft möchtet ihr mit der Musik von THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT ausdrücken?

Die ewige, aber schon lange verlorene Verbindung zwischen Menschen und Mutter Natur, zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen, muss wiederhergestellt werden. Unsere Botschaft beinhaltet die Erhaltung und Wiedererweckung des spirituellen Bewusstseins, die Wiederbelebung der inneren Flamme, die Wiederkehr eines goldenen Zeitalters. 

Wie schreibt ihr Songs?

Zuerst müssen wir in einem inspirierten Zustand sein, um Songs zu schreiben. Normalerweise brechen wir da nichts übers Knie und warten bis die Inspiration kommt. Es macht wirklich keinen Sinn, Songs zu schreiben, ohne dass man etwas zu Erzählen oder Auszudrücken hat.

Normalerweise ist es ein Thema auf der Akustikgitarre, eine Melodie auf der Violine oder eine Gesangsmelodie, womit der tatsächliche Songwriting-Prozess beginnt. Von da an gehen wir vorwärts, fügen neue Schichten von Instrumenten und Melodien hinzu, manchmal ersetzen wir auch die ursprüngliche Instrumentierung durch neue, und zuletzt fügen wir noch die Perkussionsparts hinzu. Wir arbeiten hierfür in unserem eigenen Aufnahmestudio, auf diese Weise haben wir genügend Zeit, an den Songs herumzuexperimentieren und den richtigen Sound für das Album zu finden.

Woher bezieht ihr eure Inspiration für die Musik und die Songtexte?

Unsere hauptsächliche Quelle der Inspiration ist die Natur selbst. Es ist das wispern von Mutter Erde, die lange vergessenen Geschichten der Wälder, Flüsse und Steine, was uns am meisten inspiriert. Wir lesen auch viele Bücher und hören alle Arten von Musik an, von Klassik bis zu Metal. Das alles inspiriert uns auf viele Weisen.

Leidiges Thema: Nicht wenige beschuldigen Bands aus den Neofolk und Pagan Genres, ein Werkzeug des Rechtsradikalismus zu sein und Musik zu machen für Rassisten. Wie siehst du das? Wenn man sich euer Heimatland Ungarn anschaut, sieht man da leider auch recht deutlich den Aufstieg der Rechten sowohl politisch als auch sozial. Und insbesondere seit Ministerpräsidten Viktor Orbán an der Macht ist eine Zurückdrängung von Demokratie, Menschenrechten und  Rechtsstaatlichkeit.

Zuerst einmal muss ich klarstellen, dass THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT weder politisch noch rassistisch sind. Musik ist eine Kunstform, und als solche steht sie hoch über der Politik. Sie sollte niemals als ein Werkzeug zu Diensten von jeglichen ideologischen Gruppen verwendet und degradiert werden. Alle wahrhaftige Kunst befreit sich von den Ketten der materiellen Welt, und wird nicht durch neue gefesselt.

Welche Bands hört ihr euch an? Und welche ungarischen Bands und Musiker kannst du uns empfehlen?

Wir hören alle Arten von Musik. Was Metal anbelangt hören wir heutzutage SOLSTAFIR, TRYPTIKON und FALKENBACH, aber unsere Lieblingsbands aller Zeiten sind MY DYING BRIDE und BATHORY. Bei anderen Stilen hören wir viel klassische Musik wie Béla Bartók, Zoltán Kodály oder Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, nur um ein paar zu nennen, und auch schwer definierbare Musik wie das neue Meisterwerk „Twilight Kingdom“ von Lisa Gerrard. Von der ungarischen Szene möchte ich definitiv THY CATAFALQUE und SEAR BLISS empfehlen. Zwei großartige Bands mit einzigartigem und charakteristischem Sound. 

Was habt ihr in nächster Zukunft mit THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT geplant?

Wir planen so viele Konzerte wie möglich zu spielen, um das neue Album zu unterstützen. Es ist eine Europatournee für später in diesem Jahr geplant.

Galerie mit 6 Bildern: The Moon And The Nightspirit - Prophecy Fest 2017
21.09.2014

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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