The Night Eternal
Gefangen im Zauber

Interview

THE NIGHT ETERNAL sind die Band der Stunde. Mit ihrem neuen Album “Cold Velvet”, das völlig selbstverständlich Spätachtziger-Metal mit Gewürznoten von Post Punk und Gothic Rock verbindet, zeigt sich die Band so selbstbewusst und eigenständig wie nie zuvor und hat die wichtigsten Prioritäten immer im Blick: hochwertige, emotionale Songs und eine überzeugende Live-Performance. Dass letztere vor allem durch Spaß und eine gute Stimmung in der Band zustande kommt, erfahren wir nicht nur aus den Worten von Sänger Ricardo Baum und Gitarrist Rob Richter. Man merkt es ihrem wertschätzenden Umgang miteinander auch an. Vorhang auf für das Protokoll eines äußerst angenehmen und unterhaltsamen Gesprächs, das Rob mit Headset im Arbeitszimmer, Ricardo hingegen stilecht bei 36°C am Strand von Kreta durchführte.

Grüßt euch, Jungs! Inwiefern fällt euch jetzt ein Stein vom Herzen? Ihr wart sehr lang mit “Fatale” auf Tour, was den Gigs einerseits zugute kam. Andererseits hatte man am Ende, zum Beispiel bei der Walpurgisnacht das Gefühl, dass ihr langsam mal Bock auf neue Songs habt.

Rob: Erzähl du, Ricardo!

Ricardo: Voll. Ich bin froh, wenn es draußen ist und wir im Prinzip alle Songs live spielen können. Die beiden Singles [das Interview fand Anfang Juli statt – Anm.] haben wir schon ins Live-Programm aufgenommen und ich freue mich schon, den Rest der Platte irgendwann hinterherzuschieben.

Rob: Zumal wir uns eigentlich vorgenommen hatten, alle zwei Jahre ein neues Album zu machen. Es wird zwar nicht langweilig, aber man wird irgendwann träge, die immer gleichen Lieder zu spielen. Wenn “Cold Velvet” im August erscheint, kann man damit rechnen, dass das Live-Set zu großen Teilen aus neuen Songs bestehen wird.

Euer Aufstieg in den letzten sieben bis acht Jahren ist bemerkenswert. Gleichzeitig kommt das nicht von ungefähr. Ihr habt euch ordentlich den Allerwertesten abgespielt und man merkt euch bei jedem Konzert den Spaß an der Sache an. Müsst ihr dafür manchmal aktiv was tun?

Ricardo: Wir machen das ja, weil wir Bock drauf haben. [Grinst] Wenn man bisschen müde ist, gönnt man sich halt mal ein kleines Bier vor der Show. Wir wollen uns da gar nicht beschweren. Andere Bands hätten bestimmt gern die Möglichkeit, so oft zu spielen. Es wäre unangemessen, zu meckern. Es macht einfach Bock.

Rob: Gerade, wenn es dir als Musiker keinen Spaß macht, eine Live-Show zu spielen, solltest du über eine andere Beschäftigung nachdenken. Natürlich kann man sich um das ganze Drumherum – Organisation, Anfahrt und so weiter – streiten. Aber eine Liveshow sollte dir schon Spaß machen.

„Wenn es dir keinen Spaß mehr macht, live zu spielen, solltest du dir als Musiker eine andere Beschäftigung suchen!“

Merkt man aber auch eurem neuen Album “Cold Velvet” an. Das Album klingt frisch, ungezwungen und aus dem Bauch heraus. Gerade wegen eures Tourplans ist diese Leichtigkeit bemerkenswert. Fiel es euch schwer, zwischen den Touren fürs Songwriting zur Ruhe zu kommen?

Rob: Boah, ich würde sagen, gerade weil das letzte Album schon etwas länger her ist, sind die Songs auf dem neuen Album nicht zum gleichen Zeitpunkt entstanden. Ein, zwei Nummern sind vielleicht so alt, dass sie auf dem letzten Album hätten sein können. Andere Songs sind erst ein paar Monate vor dem Studiotermin entstanden und weitere in der Mitte. Ich nehme das als Kompliment, dass du sagst, es klinge auch spontan?

Ja, bitte.

Rob: Das hat auch viel mit der Herangehensweise von unserem Produzenten Michael Zech zu tun.

Ricardo: Ich kann es eigentlich nur so bestätigen. Robert hat ja viele Ideen schon vorab gehabt. Einige von Roberts Ideen hatten wir beim letzten Album schon mal gehört und für die dritte Platte aufgehoben. Es ist einfach ein natürlicher Prozess gewesen.

Rob: Es gibt ein paar Nummern auf dem Album, bei denen uns vorher schon mal vorschwebte, sowas zu machen, wir es uns bisher aber nicht ‘getraut’ haben. Nun beim dritten Album dachten wir uns meistens ‘Wenn nicht jetzt, wann dann?’ Somit ist das Album abwechslungsreich und klingt wahrscheinlich deswegen spontan, wie du sagst.

Versteht es bitte ausschließlich als Kompliment. Aber die Herangehensweise an Produktion und Songwriting erinnern streckenweise an ein düsteres und weniger kalkuliertes “Hysteria” von DEF LEPPARD.

Beide gucken grübelnd-verwundert und zugleich nicht völlig verständnislos.

Beide Alben haben gemein, dass fast jeder Song ein potentieller Single-Hit ist. Und die, die keine offensichtlichen Hits sind, wie “Dance On Crimson Ground” bei euch, sind deswegen nicht schlechter, nur anspruchsvoller. Im Mix gibt es viele Layer, die man nicht auf Anhieb hört, trotzdem wirkt das Album nicht überfrachtet. Generell gibt es nix Überflüssiges daran und es kommt gut auf den Punkt. Das sind so die Gemeinsamkeiten. Mit welchen Vorstellungen seid ihr denn an den Sound gegangen?

Rob: Ich finde den Vergleich cool, obwohl man wahrscheinlich einige Achtziger-Alben mit vielen guten Songs ‘in düster’ als Referenz nehmen könnte. Wir wollten das ganze Achtziger-mäßig und trotzdem fett haben. Vielleicht nicht so ’82, aber ’88er-, ’89er-Achtziger. [Fenriz-Niveau, diese Antwort! – Anm. JW] Dadurch, dass Michael alles durch ein analoges Pult aufnimmt, hat das grundsätzlich schon diesen zeitlosen Charakter. Ein paar Alben bezüglich Gitarren- und Schlagzeugsound haben wir ihm natürlich auch gegeben.

THE NIGHT ETERNAL: „‘Cold Velvet’ ist organischer als unsere vorigen Alben.“

Bei den Alben davor habe wir meiner Meinung nach meist ein, zwei Gitarrensounds straight durchgezogen und dann Plugins draufgeschoben. Bei “Cold Velvet” haben wir sieben oder acht Amps benutzt und uns bei jedem Layer gefragt ‘Welcher Sound passt denn jetzt hier?’ Michael Zech hatte immer den richtigen Riecher gehabt und in 90 Prozent der Fälle den Gitarrensound kreiert, der uns vorschwebte. Das bringt vielleicht ebenfalls Spontanität rein, weil wir viele Parts mit verschiedenen Sounds probiert haben. Es war trotzdem organischer als bei den Alben davor.

Galerie mit 19 Bildern: The Night Eternal - Baden in Blut 2026

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Quelle: Ricardo Baum & Robert Richter
21.08.2026

Redakteur

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