The Vision Bleak
The Vision Bleak

Interview

Mit „Set Sail To Mystery“ scharrt Album Nummero Vier der vorreitenden ‚Horror Metal‘-Vertreter von THE VISION BLEAK in den Startlöchern. Markus alias Schwadorf ist mir hiezu Rede und Antwort gestanden. Er spricht über literarische Einflüsse, die Austauschbarkeit des sogenannten Gothic Metal und warum „Set Sail To Mystery“ wahrscheinlich die beste Platte der Band bisher werden wird…

The Vision Bleak

Hi Markus, vorneweg, wie geht es dir?

Danke, sehr gut.

Dann kommen wir gleich zum Eingemachten. „Set Sail To Mystery“, bereits euer viertes Album, was dürfen eure Fans erwarten?

Also, ich denke, dass es die vielfältigste Platte ist, die wir bis dato gemacht haben. Du kannst die verschiedensten Elemente auf dem Album finden. Angefangen beim Intro „Curse of The Grandest Kind“, das komplett ohne Gitarren auskommt, über einen, für unsere Verhältnisse, recht schnellen Song wie „Descend Into Maelstorm“, bis hin zu ganz langsamem Stoff wie „Mother Nothingness“. Trotzdem sind aber alle Songs durch einen roten Faden verbunden und deswegen klingt das Ganze auch nicht wie eine Compilation von Songs, sondern wie ein funktionierendes Album.

Wenn ich mir „Set Sail To Mystery“ anhöre, muss ich offen und ehrlich zugeben, dass sich dieses Album bis jetzt am einfach konsumieren lässt. Wie denkst du darüber? „Set Sail To Mystery“ – mehr oder weniger sperrig?

Es ist wirklich unglaublich, wie da die Meinungen bisher auseinandergehen. Das scheint ein gutes Zeichen zu sein. Ich habe jetzt schon einige Interviews hinter mir und jeder hat eine andere Meinung . Es gibt Leute, die sagen, dass „Set Sail To Mystery“ eine Platte ist, die viel Zeit braucht, bis man mit ihr klarkommt. Andere sind wiederum sofort mit der Platte warm geworden. Ich selber kann dazu noch nichts sagen, da der Entstehungsprozess noch zu nah ist. Ich konnte noch keinen richtigen objektiven Abstand zu den neuen Songs aufbauen. Vielleicht in einem halben Jahr kann ich mir dann meine eigene Meinung dazu bilden.

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Wie du schon in unserem Special zur neuen Scheibe angesprochen hast, spielen Edgar Allen Poe und H.P. Lovecraft immer eine große Rolle in euren Lyrics. Woher stammt die Passion für diese Texte?

Das hat sich eigentlich schon in meiner frühen Jugendzeit so entwickelt. Als ich mit meiner ersten Band EMPYRIUM angefangen habe, wollte ich einfach bessere Texte schreiben als der Großteil der mir bekannten Metalbands. Ich habe mich dann derart mit Literatur und vor allem mit englischsprachigem, romantischem Stoff befasst (Byron, Shelley, Keats, Poe, Lovecraft,…), dass diese Leidenschaft bis heute aufrecht geblieben ist. Seit ich kreativ bin und Musik mache, habe ich diese Faszination für Schauerromantik und klassischen Gothic Horror.

Literarischer Background ist also genügend vorhanden. Wie gehst du vor, wenn du neues Songmaterial schreiben willst?

Seit drei Platten läuft das eigentlich ziemlich ähnlich ab. Den Großteil des Materials entwerfe ich zuhause am Laptop in primitiv strukturierten Versionen. Dadurch entsteht natürlich eine recht große Ansammlung an Ideen, die wir dann gemeinsam durchgehen. Da wir nur zu zweit sind, versuchen wir dann in einer Art Studio Bandprobe, das gegebene Material zu verfeinern, zu strukturieren und zu arrangieren. Wenn man eine Idee dann zusammen spielt, hört man im Prinzip erst, ob sie im Endeffekt auch funktionieren kann.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich euch bis dato noch nie live gesehen habe, hoffe aber, dass ich das bald nachholen kann. Ist es eigentlich nicht schwer, euer durchaus anspruchsvolles Material auf der Bühne adäquat zu präsentieren?

Ja, das ist natürlich schwer. Für mich ist THE VISION BLEAK irgendwie eine zweigeteilte Band. Auf der einen Seite machen wir Musik, die gut konsumierbar ist und Spaß macht, auf der einen Seite haben wir viel Hintersinniges in unseren Texten und auch in der Musik. Auf Platte und auch auf der Bühne wollen wir, so gut es geht, beide Seiten bedienen. Wir wollen energetische Shows spielen, die den Leuten Spaß machen, aber trotzdem auch die atmosphärischen Feinheiten der Band darstellen. Es kommt natürlich auch immer auf die Größe des Clubs und auf die Budgetumstände an, ob das dann letztendlich gut funktioniert oder nicht.

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Wie geht ihr in punkto Setlist für die neue Tour vor?

Auf der aktuellen Tour werden wir vier Songs von der neuen Platte spielen. Der Rest ist ein Potpourri aus den vorhergehenden Alben.

Wenn du kurz darüber nachdenkst: Wen würdest du auf die Schnelle als deine musikalischen Einflüsse nennen?

Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich mich aber wirklich festlegen müsste, würde ich mich wohl für METALLICA, DARKTHRONE und DEAD CAN DANCE entscheiden.

Nach deinen Einflüssen ein kurzer Rückblick. Was denkst du heute über eure bisherigen Alben? Kannst du mir da kurz zu jedem Album etwas sagen, was dir spontan dazu einfällt…

Ja, klar. „The Deathship Has A New Captain“ war unser Debüt. Wie so viele Debütalben versprühte auch diese Platte sehr viel Spielfreude, war etwas Ungestümes, Wildes und auf jeden Fall unsere rockigste und eingängigste CD mit den meisten „Hits“ in Anführungszeichen.

Unser Zweitwerk war „Carpathia“, ein Konzeptalbum und gleichzeitig ein sehr ambitioniertes Projekt. Im Vergleich zum Vorgänger stellte das Album eine Wende in atmosphärischer Hinsicht dar. Alles in allem war „Carpathia“ definitiv mehr Metal als Rock und viel symphonischer und cineastischer als das Debut.

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Unser drittes Album war „The Wolves Go Hunt Their Prey“. Damals haben wir uns am meisten darauf konzentriert, die Songs im Studio perfekt zu performen. Außerdem finde ich, dass es das geradlinigste Material enthält. Will heißen, dass soundtechnisch wenig variiert wird, was auf der einen Seite ein sehr großes „Album“-Gefühl zum Vorschein kommen lässt, auf der anderen Seite könnte man aber auch sagen – wenn man einen Kritikpunkt finden will – dass die Songs auf Dauer etwas eintönig sind. Trotz allem ist es zweifelsfrei unsere härteste Platte mit den meisten Metal-Einflüssen.

Jetzt sind wir schon bei „Set Sail To Mystery“ angelangt. Das neue Album ist eine Mischung aus allem Möglichem, was wir zuvor gemacht haben, geht aber in punkto Atmosphäre noch einen Schritt weiter. Weiters versprühen die Songs die konsequente Einstellung, dass es uns egal ist, was andere von unserer Musik denken oder wie die Erwartungshaltung aussieht. Wir machen einfach unser Ding und das heute intensiver als je zuvor.

Du bezeichnest THE VISION BLEAK gerne als ‚Horror Metal‘. Seid ihr mit „Set Sail To Mystery“ dieser Bezeichnung deiner Meinung nach treu geblieben?

Auf jeden Fall! Wir haben nach wie vor alle Elemente, die uns ausmachen, in unserem Sound vereinigt, aber natürlich hat sich unser Stil im Laufe der Jahre leicht verändert. THE VISION BLEAK sind nicht AC/DC oder MOTÖRHEAD. Ich könnte niemals mein ganzes Leben lang die gleiche Musik machen, das würde mich irgendwann total langweilen. Trotzdem ist unsere anfängliche Stilistik noch immer da und auch in atmosphärischer Hinsicht sind wir nicht allzu weit vom Debut entfernt.

Außerdem setzen sich die Texte noch immer mit Schauerromanen und Horrorliteratur auseinander. Der Begriff Horror Metal ist mir auch deshalb so wichtig, damit wir nicht einfach nur voreilig in diesen riesigen Topf, der sich Gothic Metal nennt, geworfen werden. Das passiert leider immer wieder. Deswegen haben wir uns gedacht, wir verpassen uns lieber ein eigenes Label, bevor wir zu oft mit schlechten Gothic Metal-Bands in Verbindung gebracht werden.

Mit der Thematik ‚Horror Metal‘ sind wir auch schon wieder am Ende angelangt. Dürfte ich dich um ein paar abschließende Worte bitten?

Ich bedanke mich für dieses Interview und hoffe, dass alle Leute, die das lesen, an atmosphärischer, dunkler Musik interessiert sind unserer neuen Platte mal ein Ohr leihen werden, um sich selbst ein Bild von uns und unserem musikalischen Schaffen zu machen.

Galerie mit 4 Bildern: The Vision Bleak - Prophecy Fest 2017
21.03.2010

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